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Fünftes Update der Exotenpflanzung "Rheindorfer Palmen" im Frühsommer 2011
Andreas F. Eckloff & Dr. Michael Lorek

Bereits aus den Vorjahren finden Sie unter den Links 07.01.2009, 13.01.2009, 03.03.2009, 13.09.2009 und 24.11.2010 mehrere Berichte über Geschichte, Durchführung, Winterschutzmaßnahmen, Erfolgs- und Schadensereignisse bei der Rheindorfer Exotenpflanzung.

Der Winter 2010/11 in der Leverkusener Rheinuferzone
Nach den beiden vorangegangenen Kaltwintern ist der Winter 2010/11 in der Leverkusener Rheinuferzone überdurchschnittlich mild ausgefallen. Der kälteste Wintertag war bereits im Dezember zu verzeichnen, an dem an der Wupperstraße mit einem nicht geeichten Thermometer ein absolutes Winterminimum von –7,2 °C gemessen wurde. Dies entspricht beinahe exakt den Messungen der professionellen Referenzstation von Meteomedia in Köln-Niehl am 26.12.2010 (–7,1 °C) sowie der semiprofessionellen Referenzstation in Monheim am Rhein am 25.12. (–7,4 °C) beziehungsweise am 26.12.2010 (–7,2 °C). Wie bereits in den Vorjahren belegen auch die jüngsten Daten, dass die Messungen dieser Stationen ziemlich gut auf die Rheindorfer Wupperstraße übertragbar sind. An der Station Köln-Niehl gab es aber im letzten Winter überdurchschnittlich viel Eistage, also solche, an denen auch die Tageshöchsttemperaturen unter 0 °C lagen. Während das langjährige Mittel in der Leverkusener Rheinuferzone durchschnittlich fünf Eistage beträgt, waren dies allein im letzten Dezember zehn. Im Januar kam ein weiterer, im Februar dann zwei weitere Eistage hinzu. Dazu gab es überdurchschnittlich viel Schnee, der über mehrere Tage liegen blieb.

Winterschäden im öffentlichen Bereich der Exotenpflanzung
Winterschäden waren nach dem letzten Winter im öffentlichen Bereich der Exotenpflanzung nur wenige feststellbar. Lediglich eine von drei im Herbst neu gepflanzten Sabalae minores sowie eine Agave americana überlebten den Winter in einem Privatgarten nicht. Bei Trachycarpus fortunei bewirkte Schneelast ein Herunterknicken beziehungsweise -drücken der Blattstiele, welches sich bis ins Frühjahr hinein negativ auf das ästhetische Erscheinungsbild auswirkte.

Wegen der praktisch ausgebliebenen Winterschäden hier - vor der Dokumentation von kälteempfindlichen Palmen in einem kleinen Privatgarten - zunächst einige Rheindorfer Impressionen vom Frühjahr 2011:


Im Vordergrund juvenile Musa sikkimensis, bildmittig Madagaskarpalme (im Topf), rechts: Yucca faxoniana, rechts dahinter Yucca rostrata im Arrangement mit verschiedenen Stauden


Yucca flaccida, Yucca gloriosa 'Variegata', Agave utahensis, Rhapidophyllum hystrix, Agave parryi var. parryi (leicht verdeckt in der Bildmitte), Chamaerops humilis var. ceriferaAgave neomexicana und vier verschiedene, teilweise blühende Feigenkakteenarten (Opuntien) im vollsonnigen Sukkulentenbeet des östlichen Verkehrskreisels der Wupperstraße


Trachycarpus fortunei mit Agave americana (links) und Feige (Ficus carica) auf der Nordseite der Wupperstraße


Trachycarpus fortunei Südseite Wupperstraße


Trachycarpus fortunei Südseite Wupperstraße


Andere Perspektive


Trachycarpus fortunei Südseite Wupperstraße


Jubaea chilensis


Illuminierte Palmen an einem lauen Frühlingsabend an der Wupperstraße


Juvenile Brahea armata, Butia spec. und Jubaea chilensis überlebten ihren ersten Freilandwinter in einem Privatgarten ohne Schäden

Auf der Nordseite der Wupperstraße befindet sich auch ein kleiner Privatgarten, deren Eigentümer ebenfalls Freude an exotischen Pflanzen haben. Im vergangenen Jahr wurden an diesem mikroklimatisch warmen Ort, der den ganzen Tag Sonneneinstrahlung aufweist, auch einige juvenile Exoten gepflanzt, die andernorts hierzulande ohne künstliche Wärmequelle wohl nur geringe Chancen hätten, einen Freilandwinter zu überleben.

Im Freiland versuchsweise ausgepflanzt wurden unter anderem Agave americana (Kindel der Kreiselagave), Nerium oleander (2008), Brahea armata (2010), Butia spec. (Pflanze wurde 2009 als Jubaea chilensis erworben), Jubaea chilensis und zwei Sabalae minores (2009 und 2010). Die dritte Sabal minor befindet sich im östlichen Kreisel, war defoliiert, treibt aber nun mit einem Blatt neu aus. Als Schutz wurde hoch gemulcht, bei Agave americana lediglich ein Feuchtigkeitsschutz angebracht.

Ergebnis: Wie bereits zu Anfang erwähnt, starben eine Sabal minor sowie eine Agave americana, eine zweite Sabal minor erlitt schwere Blattschäden, allerdings ist wie bereits im Vorjahr kein Neuzuwachs feststellbar. Bei Agave americana trieb zumindest ein Kindel neu aus dem Boden aus. Nerium oleander fror zum größten Teil oberhalb der Mulchschicht zurück. Letzterer Befund deutet einmal mehr darauf hin, dass diese Art auch an den wintermildesten rheinischen Orten sogar an den in jeder Hinsicht mikroklimatisch günstigsten Orten, problematisch ist. Die Pflanze hatte den Kaltwinter 2008/09 im Topf überlebt, wenngleich sie oberhalb des Wurzelbereichs komplett zurückfror.

Eine durchaus überraschende, sich aber mit anderen Berichten deckende Erkenntnis hieraus scheint zu sein, dass Nerium oleander im Topf draußen womöglich kälteresistenter sein könnte als frei im Boden ausgepflanzt. Manches deutet darauf hin, dass dies auch für Agave americana gelten könnte, deren Wurzeln nach Literaturangaben ebenso kälteresistent sein sollen, wie der oberirdische Pflanzenteil. Der Grund für die höhere Überlebenschance im Topf könnte bei diesen Pflanzen darin liegen, dass der Topf zwar in den Kaltphasen schnell tief gefriert, sich aber nach dem Kälteereignis mit den steigenden Temperaturen auch schneller wieder erwärmt, also entsprechend den üblichen winterlichen Tagestemperaturen in Mildphasen vielleicht etwa 5 °C bis 12 °C erreicht, während im Boden je nach Tiefe bis zum Frühling dauerhaft Temperaturen zwischen etwa 0 °C und 5 °C vorherrschen.

Bei den übrigen Palmen, also bei den noch nicht etablierten und noch juvenilen Brahea armata, Butia spec. und Jubaea chilensis waren nach dem milden Winter mit reinem Mulchschutz kaum Schäden feststellbar. Ein dauerhaftes Überleben im Freiland erscheint trotzdem unwahrscheinlich, zumal es unter den vielen Versuchen in den letzten Jahrzehnten kaum einen dauerhaften Freilanderfolg mit Butia capitata oder anderen Butia-Arten, erst recht nicht mit Brahea armata ohne künstliche Wärmequelle in Deutschland gibt. Hierzu die Bilder der vorgenannten Palmen von Mitte Mai 2011:


Jubaea chilensis


2009 als Jubaea chilensis erworbene Butia spec.


Brahea armata

Zitiervorschlag: Eckloff, A. F. & Lorek, M. 2012: Fünftes Update der Exotenpflanzung "Rheindorfer Palmen" im Frühsommer 2011 – http://www.tropengarten.de/Botanik/leverkusen5.html am Tg.Mo.Jahr.

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