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Aktuelles zur Exotenpflanzung "Rheindorfer Palmen" nach dem Kaltwinter 2011/12
Dr. Michael Lorek & Andreas F. Eckloff

Wie in den Vorjahren (07.01.2009, 13.01.2009, 03.03.2009, 13.09.2009, 24.11.2010 und 01.07.2011) zeigte auch der Winter 2011/12 einige interessante Feststellungen in Bezug auf Winterhärte und Schadensbilder exotischer Pflanzen der "Rheindorfer Palmen".

Verlauf des Winters 2010/11 in Bereich der Leverkusener Wupperstraße
Nach den beiden Kaltwintern 2008/09, 2009/10 und dem darauf folgenden, überdurchschnittlich milden Winter 2010/11 in der Leverkusener Rheinuferzone kam es 2011/12 erneut zu einem Kaltwinter. Das Besondere dieses Winters waren weniger die absoluten Tiefsttemperaturen, sondern mehr die späte und relativ schnell einsetzende Frostperiode Ende Januar/Anfang Februar, die mit zweistelligen Minustemperaturen bis Tmin –13 °C, xx Eistagen am Stück und einem außerordentlich starken Wind einherging. Einige der Schäden dürften durch das Zusammenspiel von schnell einsetzendem Frost, der Dauer der Frostperiode und dem starken Wind erklärbar sein.

Winterschäden in der Rheindorfer Exotenflanzung
Bei den Trachycarpi fortunei kam es zu keinen direkt erkennbaren Ausfällen von Pflanzen. Im Gegensatz zu vorherigen Wintern waren an den Blättern kaum geplatzte Kammern festzustellen (im Gegenlicht als "längliche Löcher" zu sehen). Vielmehr deuten die zahlreichen eingerollten Segmente an den Palmen an, dass die Schäden durch starken Wind bei Frost entstanden sind. Vermutlich wurden die Blätter direkt mechanisch geschädigt und die Leitbahnen in den Petiolen (Blattstiele) dadurch zerstört, was zum "Vertrocknen" der Segmente führte. Wie weit sich die Blätter und damit die Optik bis zum Sommer noch verändern/erholen werden, bleibt anzuwarten. Aller Vorrausicht nach dürften nur geringfügige Schäden zu erwarten sein.

Die vier Exemplare des Rhapidophyllum hystrix, der Nadelpalme, wiesen deutliche Schäden an den Blättern auf. Größtenteils sind diese jedoch nicht auf den Frost, sondern auf den Brand eines Abfallcontainers im Sommer zurück zu führen und waren schon vor dem Winter vorhanden. Zudem ist R. hystrix bekannt dafür, in der Etablierungsphase, also den ersten drei bis vier Jahren nach der Pflanzung, wesentlich empfindlicher auf kalte Winter zu reagieren als etablierte, eingewachsene Pflanzen. Es ist wahrscheinlich, dass sich R. hystrix trotz der Schäden langsam regenerieren wird. Theoretisch dürfte diese Palmenart winterhart im klimatischen Bereich der Rheindorfer Niederterrasse sein, denn der Vergleich mit Pflanzen an etwas kälteren Standorten zeigte, dass an etablierten Palmen in kälteren Klimazonen nach dem Winter 2011/12 teilweise deutliche Frost-Schäden auftraten, in manchen Gärten sogar totales Zurückfrieren beobachtet wurde. Inwieweit sich noch später Schäden einstellen, bleibt abzuwarten. Gerade R. hystrix kann typischerweise noch sehr spät, manchmal sogar erst im Sommer kollabieren.

Interessant für Freilandbeobachtungen an exotischen Pflanzen ist auch die Versuchspflanzung vor der Nordwand eines mehrgeschossigen Hauses, wo sechs Chamaedoreae microspadices neu ausgepflanzt wurden. Diese waren den Winter über hoch angemulcht und sind, wie zu erwarten, vollständig hinunter gefroren. Da basale Pflanzabschnitte dieser Exemplare sich vital anfühlen, dürften sich die Pflanzen wahrscheinlich zum Sommer hin erholen. Möglich, dass mit dieser Palmenart eventuell eine "staudenartige" Palmenpflanzung in den wintermildesten Bereichen Mitteleuropas langfristig realisierbar wäre. Die im selben Pflanzbeet stehenden Baumfarne (Dicksoniae antarcticae) sind im Gewächshaus überwintert worden und kommen erst nach den starken Frösten ins Freiland.

Die große Jubaea chilensis an der der Nordseite der Wuppertstraße war während der kältesten Tage mit einem aufwändigeren Winterschutz versehen. Neben der obligatorischen hohen Mulchung erhielt sie einen mit Rindenmulch gefüllten, etwa einem Meter hohen Kasten sowie eine Umwicklung der Blätter mit Frostschutz-Kokosmatten. Die geschätzte Minimumtemperatur direkt an der Pflanze dürfte etwa im Bereich von –xx °C gelegen haben. Bei der Inspektion zeigten sich die jungen, nicht entfalteten Blättern geschädigt, während das ältere, entfaltete Blattwerk ohne Schäden war. Hier dürfte sich wie in den Vorjahren, die Pflanze vom Frostschaden wieder vollständig erholen.

Erwartungsgemäß sind die Winterschäden an den Agaven im östlichen Verkehrskreisel sehr unterschiedlich ausgefallen. Agave utahensis und A. neomexicana sind bisher ohne oder mit nur geringfügigen Winterschäden durch den Winter gekommen, während A. parryi var. parryi und A. havardiana relativ stark geschädigt, mit vielen abgestorbenen Blättern, aussehen. An den Yuccae gab es nur minimale Schäden.Yucca faxoniana, Y. rostrata, Y. flaccida und Yucca gloriosa 'Variegata' sehen sehr gut aus. Gleiches gilt für die vier verschiedenen Feigenkakteenarten (Opuntiae), die ohne nennenswerte Schäden die Fröste 2011/2012 überstanden haben. Einzelne abgestorbene "Ohren" sind nicht als Frostschaden zu werten, da diese die Pflanzen nicht nachhaltig schädigen und eine "normale" Beobachtung bei der Freilandkultur in Mitteleuropa sind.

Die Feige (Ficus carica) auf der Nordseite der Wupperstraße hat keine Winterschäden, während von den daneben gepflanzten zwei Oliven (Olea europaea) unterschiedlicher Sorte eine oberirdisch absterben wird, da sie basale Rindenplatzer zeigt, die andere aber unversehrt aussieht.


Abb. 1 Agave utahensis im Verkehrskreisel mit mäßig starken Winterschäden


Abb. 2 Agave havardiana im Verkehrskreisel ohne Winterschäden


Abb. 3 Chamaedorea microspadix an der Nordseite eines Wohnhauses der Wupperstraße


Abb. 4 Aktuell neu gepflanzte Cordyline australis am Straßenrand der Nordseite der Wupperstraße


Abb. 5 Große Jubaea chilensis an der Nordseite der Wupperstraße mit mäßig starken Winterschäden besonders des zentralen, nicht entfalteten Blattschopfes


Abb. 6 Kleinere Jubaea chilensis an der Südseite der Wupperstraße mit deutlichen Winterschäden und Trachycarpus fortunei mit geringen Winterschäden


Abb. 7 Zwei Trachycarpi fortunei mit geringen Winterschäden an der Südseite der Wupperstraße


Abb. 8 Mehrere Trachycarpi fortunei der Alleepflanzung an der Südseite der Wupperstraße, alle mit geringfügigen Winterschäden


Abb. 9 Trachycarpus fortunei an der Südseite der Wupperstraße mit geringfügigen Winterschäden


Abb. 10 Weiterer Trachycarpus fortunei an der Südseite der Wupperstraße mit geringfügigen Winterschäden, die beiden anderen Pflanzen der Dreiergruppe sind in den Vorjahren ersetzt worden. Im Vordergrund mehrere Rhapidophyllum hystrices

Abb. 11 Yucca treculeana auf dem Kreisel


Abb. 12 Yucca rostrata auf dem Kreisel ohen Winterschäden, hat sich mittlerweile nach dem Schadensereignis im Zusammenhang mit dem Auspflanzen vollständig erholt

Der kleine Privatgarten an der Wupperstraße
2010 wurden in einem kleinen Privatgarten auf der Nordseite der Wupperstraße ebenfalls einige Exoten ausgepflanzt. Aufrgund der mikroklimatisch günstigen Lage wurden dort besonders "empfindlichere" Exoten ausgewählt. Bereits im milden Winter 2010/11 hatte es ja einige Ausfälle gegeben. Von den Palmen wurden Brahea armata, Butia spec. und Jubaea chilensis mit hoher Anmulchung, teilweise bis zu 50 cm geschützt. Alle aus dem Mulch ragenden Pflanzenpartien sind erwartungsgemäß erfroren. Unter dem Mulch fanden sich bei allen Palmen vitale Pflanzenanteile, so dass bei allen Arten mit einem Überleben zu rechnen ist.

Es wäre durchaus bemerkenswert, wenn alle genannten Palmen, besonders die Brahea armata ohne künstliche Wärmequelle überleben würden. Das wäre dann deren zweiter Winter. Zumal es ja schon einige interessante, mittelfristig (5–20 Jahre) erfolgreiche Freilandversuche mit geschützten, empfindlichen Palmen wie beispielsweise Butia capitata gibt. Für Gärtner mit einem Faible für tropische Palmen und positivem Standpunkt gegenüber regelmäßigen Schutzmaßnahmen im Winter ist das eine spannende Versuchspflanzung. Bis Saisonende wird sich dazu sicherlich mehr sagen.



Abb. 13 Dritte Jubaea chilensis an der Rheindorfer Wupperstraße in einem kleinen privaten Vorgarten an der Nordseite der Straße. Schäden am Blatt, welches aus der hohen Anmulchung heraus schaute


Abb. 14 Aktuell neu gepflanztes Exemplar einer Nerium oleander 'Atlas' an der Rheindorfer Wupperstraße im selben Vorgarten


Abb. 15 Brahea armata im Vorgarten mit Schäden an den Blattpartien, die aus der hohen Anmulchung heraus schauten


Abb. 16 Butia capitata im Vorgarten mit vergleichbaren Schäden an den Blattpartien wie bei der Brahea armata
Zitiervorschlag: Lorek, M. & Eckloff, A. F. 2012: Aktuelles zur Exotenpflanzung "Rheindorfer Palmen" nach dem Kaltwinter 2011/12. – http://www.tropengarten.de/Botanik/leverkusen6.html am Tg.Mo.Jahr.
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