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Der kalte Winter 2008/09 in den wintermilden Regionen
In den wintermilden Regionen haben schon vor einigen Jahren die öffentlichen Exotenpflanzungen in Leverkusen-Rheindorf und die Yuccapflanzung sowie die Palmenallee in Düsseldorf Schlagzeilen gemacht. Da in der Mitte Deutschlands, in einem Streifen von Ost nach West, der Winter 2008/09 durchaus als ein strenger Winter bezeichnet werden kann und vom jetzigen Standpunkt aus (Mitte Januar 2009) mit teilweise erheblichen Winterschäden und Ausfällen zu rechnen ist, habe ich eine kleine Dokumentation der Exotenprojekte und einiger privater Pflanzungen aus unserer Region angefertigt.

Da sich in den Städten des Niederrheins, Düsseldorf und Leverkusen, seit vielen Jahrzehnten frei ausgepflanzte Exoten in privaten Gärten und im öffentlichen Grün befinden, dürften die teilweise erheblichen Tiefsttemperaturen mit signifikanten Bodenfrösten und fast zweiwöchigen Eistagen, für die Beobachtung der Winterhärte exotischer Pflanzen hoch interessant sein.

Messungen im seit 2004 bestehenden Exotenprojekt Rheindorf ergaben als einmalige Tiefsttemperatur –13,5 °C (s.u.). Bei der Dokumentation am 07.01.2009 herrschte noch deutlicher Dauerfrost und tagsüber schwankten die Temperaturen im einstelligen, negativen Bereich.


An den Trachycarpi fortunei waren teilweise erhebliche Blattschäden zu verzeichnen, wobei zwischen den einzelnen Exemplaren schon deutliche Unterschiede im Grad der Schädigung festzustellen waren. Manche wiesen kaum oder nur wenige, periphere Schäden auf, während andere Exemplare fast in der gesamten Lamina (Blattfläche) aufgeplatzte Zellen/Kammern zeigten.


Die Jubaea chilensis ist noch vor Beginn der scharfen Frostperiode geschützt worden. Die Umwicklung erfolgte mit dicken Kokosmatten. Der Konus der Palme wurde mit weißem Vlies umwickelt. Schäden waren an den Blättern bisher nicht zu verzeichnen gewesen. In unmittelbarer Nähe, etwa 4 m entfernt, wurde mit einem ungeeichten Thermometer eine Tiefsttemperatur von –13,5 °C in der Nacht vom 06.01.2009 auf den 07.01.2009 gemessen. Die bereits früher (Eckloff 2006) dokumentierten, deutlichen Unterschiede der Temperaturverteilung innerhalb des Exotenprojektes machen es wahrscheinlich, dass die Tiefstemperaturen an anderen Stellen, den Kreiseln und weniger geschützten Standorten, deutlich darunter lagen. Die Schäden an den Trachycarpi untermauern dies. Andere Stationen im Stadtgebiet von Leverkusen, wie beispielsweise Leverkusenwetter, verzeichneten bis zu –16,4 °C.



Außerhalb des Exotenprojektes gepflanzte Trachycarpi fortunei offenbarten schon deutlichere Blattschäden. Dieses Exemplar steht in Außenbereich der Stadt und dürfte sicherlich –16 bis –17 °C ausgesetzt gewesen sein. Unter der noch deutlichen Schneeauflage konnten erhebliche Blattschäden registriert werden. Ob dieses Exemplar und jene des Exotenprojektes im Frühjahr wenige oder viel Blattschäden aufweisen werden, bleibt abzuwarten. Auch Defoliationen dürften nicht ungewöhlich sein.

Vergleichbare Verhältnisse hat es in Düsseldorf gegeben. Die Innenstadt-Station wies einen Minimumwert von
–14,6 °C auf, während am Flughafen eine Tiefstemperatur von –20 °C gemessen wurde.


Trotz des Dauerfrostes und der niedrigen Temperaturen sah die in Düsseldorf-Benrath ausgepflanzte Acacia dealbata noch realativ unbeeindruckt aus. Allerdings bleibt anzumerken, dass insbesondere A. dealbata gerne erst im Frühjahr mit beginnender Erwärmung das volle Schadensbild zeigt. Von daher bleibt zum jetzigen Zeitpunkt nur festzuhalten, dass fast keine Blattschäden zu sehen waren und die normalerweise schon im Januar sich öffnenden Blüten durch die frostige Witterung noch geschlossen sind.


Die Knospen sind relativ gut zu erkennen. Während milder Winter öffnet Acacia dealbata schon im Januar die Blüten und duftet herrlich.


Dieser Trachycarpus fortunei steht in Düsseldorf-Oberkassel (siehe auch Lorek 2006) und zeigte nur geringfügige Frostschäden. Sicherlich spielt der mikroklimatisch günstige Standort direkt vor der Hauswand mit südlicher Exposition dabei eine Rolle. Dieses Exemplar wird im Frühjahr wahrscheinlich mit zu denen gehören, an denen dieser Winter am wenigsten Schäden hinterlassen wird.


Ein Blick in die Krone dieses Trachycarpus fortunei offenbart Schäden lediglich an älteren Blättern, die sowieso demnächst vom Stoffwechsel abgeschnitten worden wären. Das mit einhergehender Milderung sich zurück bildende "Einklappen" der Fächersegmente zeigt an, dass die jüngeren Fächer bisher wahrscheinlich fast keinerlei Schäden davon trugen. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, weshalb selbst in den wintermilden Regionen - und Düsseldorf gehört zweifellos zu den mildesten Standorten in Mitteleuropa - Trachycarpus fortunei im strengen Sinne nicht winterhart ist. Lediglich an ausgesuchten Standorten oder mit vorübergehendem Schutz sind Trachycarpi langfristig im Freiland winterhart.


Ein Blick über die erste Palmenallee im Mitteleuropäischen Freiland. Diese stand bis 2013 an der Hochbrücke, gegenüber der Börse, und musste der Umstrukturierung im Innenstadtbereich leider weichen. Nach Angaben der Stadt sollen die Palmen später an einem anderen Standort wieder eingepflanzt werden.


Wie dem auch sei, die Exemplare sahen durchaus gut aus. Zwischen den einzelnen Exemplaren erkannte man jedoch deutliche Unterschiede hinsichtlich der Blattschäden. Manche Exemplare waren fast völlig ohne Blattschäden, während andere doch erhebliche Risse, Vertrockungen und ein sich nicht wieder zurück bildendes "Einrollen" der Segmente offenbarten. In der Allee kann es ohne weiteres sein, dass im Frühjahr der eine oder andere Ausfall zu verzeichnen sein wird. Leider sind diese Trachycarpi fortunei vom Städtischen Grünamt etwas zu viel gepflegt geworden. Die Blattmasse wird rigoros "kurz" gehalten, sobald sich unschöne Blätter bilden. Dass die reduzierte Assimilationsfläche die Winterhärte schwächt und sicherlich ein Kofaktor der deutlichen Unterschiede in der Härte ist, stellt sich als korrekturbedürftig dar.


An diesem Exemplar kann man sehr gut die übertriebene Schnitttechnik der Stadtgärtner sehen. Und wenn es so kommt wie in den Vorjahren, werden die Fruchtstände auch in diesem Frühjahr ratzekahl abgesägt. Schade eigentlich, denn an dieser Stelle hätte Trachycarpus fortunei sicherlich eine günstige Option, sich selbständig zu vermehren, was ja auch dem ursprünglichen Sinn dieser "selbst überlassenen" Pflanzung entsprechen würde.


Hier ein weiteres ratzekahles Exemplar. An den Segmenten sind noch Einrolleffekte zu erkennen, die sich mit der Erwärmung, wenn Mittags die Sonne auf die Pflanzung fällt, nur teilweise zurück bilden.


Und zum Abschluss noch einige Bilder von der Yuccaplanzung am Stresemannplatz. Solange nicht in naher Zukunft in besagter Stadt mit der baufälligen Kapelle nicht auch eine öffentliche Yuccapflanzung gemacht wird, solange ist dies die erste vollständig mit exotischen Yuccas durchgeführte Exotenpflanzung in Mitteleuropa. Danach wird es dann nur noch die Zweite sein, folgt man der Logik ein Stück rheinauf.


Durchaus ein optischer Genuss, die abgestorbenen Gräser und die Schneereste im Innenstadtbereich.


Hier nochmal näher aufgenommen. Der Boden war, sofern zu ertasten, deutlich gefroren. Wie tief der Bodenfrost ging, konnte nicht ermittelt werden.






Zitiervorschlag: Lorek, M. 2014: Der kalte Winter 2008/09 in den wintermilden Regionen. – http://www.tropengarten.de/Botanik/winter08-09.html am xx.xx.20xx.

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