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Matthias Helbig
Mediterran Projekt Chemnitz

Chemnitz liegt im Erzgebirgischen Becken nordwestlich des Erzgebirges. Die Region ist im Gegensatz zum Erzgebirge klimatisch begünstigt. Die Jahresmitteltemperatur liegt zwischen 7,5 °C und 9,5 °C. Die Jahresniederschläge betragen 600 bis 800 mm. Der pauschalen Einschätzung einer kalten und rauen Region wird das Gebiet durch den sich vollziehenden Klimawandel nicht mehr gerecht. Vielmehr muss zwischen kleinklimatisch begünstigten und unbegünstigten Standorten unterschieden werden. In ungünstigen Muldenlagen werden in fast jedem Winter -15 °C oder weniger erreicht. Innerstädtisch und an günstigen Hanglagen trat dieser Fall seit 1990 jedoch nur in den Jahren 1996/97 (-19 °C), 2002/03 (-15°C) und 2005/06 (-17°C) auf. In den anderen Wintern lag die Tiefsttemperatur zwischen -11°C und -14°C.

Der Privatgarten der Familie Helbig liegt am Südwesthang der Erzgebirgsnordrandstufe außerhalb der Stadt Chemnitz. Der Boden besteht zu 1/2 bis 2/3 aus glazialem Schiefergesteinsschutt. Er ist dadurch hochgradig wasserdurchlässig und erwärmt sich schnell. Der Garten beherbergt eine große Auswahl von Pflanzenarten der warmgemäßigten, subtropischen und tropischen Klimazone. Das Gartenprojekt wurde initiiert durch Inspirationen und Impressionen im Rahmen eines Urlaubs in Sozopol, Bulgarien, im Jahr 2000.

Im Jahr 2002 erfolgte die Pflanzung eines Portugiesischen Kirschlorbeers, Prunus laurocerasus 'Myrtifolia'. Die Pflanze überstand den harten Winter 2002/2003 (Tmin -15 °C) ohne Schaden. Daraufhin wurden weitere Exoten etabliert. Dies waren vor allen Dingen Kakteen (Opuntia spp., Cylindropuntia spp.), Agaven (Agave parryi, A. neomexicana, A. uthahensis) und Mittagsblumen (Delosperma cooperi, D. congestum, D. sutherlandii, D. lineare). Den gestalterische Rahmen des Gartens unterstreichen seit 2003 zahlreiche immergrüne Sträucher (Prunus laurocerasus, Viburnum spec., Prunus lusitanica, Daphne pontica, Eleagnus xebbingei). Im Jahr 2004 kamen Pflanzen der eurasisch-mediterranen Zone hinzu (Ficus carica, Cupressus sempervirens, Quercus ilex, Q. coccifera, Q. suber, Punica granatum, Genista spp., Phillyrea agustifolia, P. latifolia, Laurus nobilis). Noch im selben Jahr wurde auch der "Lorbeerwald" nordseitig des Hauses angelegt. Hier fanden Fatsia japonica, Calmia latifolia, Rhododendron spp., Aucuba japonica, und Photinia xfraseri ihren Platz. Im Jahr 2005 konnte das Sukkulenten- und Mediterran-Quartier auf 50 m² erweitert werden. Bis 2007 wurden neben den bereits genannten eurasisch-mediterranen Arten auch Yucca gloriosa, Y. recurvifolia, Y. glauca, Y. elata, Y. baccata, Y. aloifolia, Y. campestris, Y. thompsoniana, Y. rostrata, Y. harrimaniae, Y. flaccida, Y. filamentosa, Y. brevifolia, Hesperoyucca whipplei und Dasylirion wheeleri, sowie zahlreiche Duftsträucher eingebracht (Thymus vulgaris, Rosmarinus officinalis, Helichrysum italicum, Santolina chamaecyparis, Satureja montana, Ysopus officinalis, Cistus laurifolius, Salvia officinalis, Lavandula officinalis). In der Fläche befinden sich weiterhin Nerium oleander 'Villa Romaine' und Passiflora caerulea.

Im Vorgarten konnte Camellia japonica 'Black Lace' erfolgreich etabliert werden. 2007 folgten die härteren Sorten 'Donation' und 'Adolphe Audusson'. Hier befindet sich auch Albizzia julibrissin. Weiterhin kamen hinzu: Quercus phillyreoides, Magnolia grandiflora 'Victoria', Musa basjoo, Itea ilicifolia, Olea europea ssp. sylvestris, Prunus lusitanica 'Variegata', Ligustrum lucidum, Canna spp.

Seit 2004 wurde mit Trachycarpus fortunei experimentiert. Ein Exemplar mit 20 cm Stamm kann heute als etabliert gelten. Jedes Jahr kommen Nachzüchtungen hinzu. Mit Erfolg konnten auch Freilandaussaaten und Überwinterungen durchgeführt werden. 2007 wurden die Palmenarten Rhapidophyllum hystrix und Sabal minor ins Freiland gesetzt.

Die Erfahrungen der letzten 4 Jahre zeigen, daß die Exoten bei optimaler Standortwahl auch Kaltwinter mit minimalen Schäden überstehen können. Hierbei sind weiterhin der individuelle Winterschutz und die richtige Sortenwahl entscheidend.

Es sei erwähnt, dass zum Ausgleich zu den Exotenpflanzungen eine größere Extensiv-Wiese mit Obstgehölzen angelegt wurde (Pyrus spp., Prunus persica, Prunus armeniaca, Prunus dulcis, Malus domestica, Vitis vinifera). Die Wiese wird zweimal im Jahr gemäht. Sie trägt mit ihren zahlreichen, teilweise vom Aussterben bedrohten Kräutern zum Erhalt der heimischen Artendiversität bei.

Mediterran Projekt Botanischer Garten Chemnitz
Der Botanische Garten Chemnitz befindet nördlich des Stadtzentrums an der Leipziger Straße (Nr. 147). Die Einrichtung wurde 1898 als Zentralschulgarten gegründet und widmet sich seitdem hauptsächlich der Jugendbildung.

Nach den Pflanzerfolgen im Garten der Familie Helbig war es naheliegend ein ähnliches Projekt im Botanischen Garten der Stadt Chemnitz zu beginnen. Die Thematik ist absichtlich provokativ gewählt und steht im scharfen Kontrast zum bisherigen gärtnerischen Programm der Industrieregion. Die Gärten des Vorerzgebirges wurden spätestens seit den 1970er Jahren durch Fichten und Blaufichten dominiert. Die damals, mangels Alternativen gesetzten Exemplare haben vielfach eine unerträgliche Größe erreicht und werden immer häufiger ein Opfer der Folgen des Klimawandels in Form von Sturmbruch, Schädlingsbefall und Austrocknung. Diesem Problem kommen viele Gartenbesitzer mit der Motorsäge bei. Das Mediterran-Projekt Chemnitz soll eine vorerst exklusive Alternative zu einem aus der Not der sozialistischen Mangelwirtschaft geborenen gärtnerischen Faux-Pass darstellen. Die "Fichten-Pflanzerei" hat in unserer Kulturlandschaft, ebenso wie die großräumigen Flurbereinigungen, ein monotones, düsteres und kaltes Ambiente geschaffen.

Der Standort des Mediterran-Quartiers liegt geschützt zwischen dem Mediterranhaus und dem Brennstoffzellenhaus. Die Fläche von 20 m² beherbergt ausschließlich Arten der eurasisch-mediterranen Zone. Ein Teil der Pflanzen wurde seit 20 Jahren ganzjährig im Freiland in Kübeln kultiviert. Nachfolgend seien einige Arten aufgezählt: Quercus ilex, Q. coccifera, Olea europaea, Punica granatum, Ficus carica, Pinus pinaster, Pinus pinea, Cupressus sempervirens, Ephedra spp., Arbutus unedo, Phillyrea latifolia, P. angustifolia, Rosmarinus officinalis, Lavandula officinalis, sowie mehrere dutzend krautige Arten.
Helbig,
Chemnitz

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Chemnitz


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