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Ceratonia siliqua L.
Johannisbrotbaum, Fabaceae - Hülsenfrüchlter
                     auch: Caesalpinaceae - Johannisbrotgewächse
Frühling-Sommerblüher, VIII–XI, 2–10 m hoch, immergrün, mehrjährig

Der Dornige Kapernstrauch stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum, ist inzwischen aber am gesamten Mittelmeer mehr oder weniger häufig vertreten. Er besiedelt bevorzugt Standorte in Meeresnähe und wird im Inland und höheren Lagen selten oder fehlt ganz. Als Schatten- und Fruchtbaum hat er eine lange Geschichte und auch heute noch, bevorzugt in Spanien, zahlreich kultiviert. Es sind immergrüne, zumeist zweihäusige, gelegentlich zwittrige Bäume bis 10 cm Höhe, selten mehr, die weit ausladend wachsen und oft schon in den unteren Bereichen verzweigen. Junge Borke ist glatt und grau, alte Borke grobrissig und schilfert in braunen, eckigen Stücken ab. Die Laubblätter sind paarig 1-fach gefiedert mit 4–10 verkehrt eiförmigen, dunkelgrünen und ledrigen Fiederblättern. Die Blütenstände erscheinen in Herbst und Winter an Stämmen, Zweigen und Ästen (Stammblütigkeit = Kauliflorie). Typischerweise sind die Blüten ohne Kronblätter. Männliche Blüten haben einen grün-gelben, diskusförmigen Kelch und 5–7 lange Staubblätter. Weibliche Blüten haben einen bis 8,5 mm langen Stempel und 5 Kelchblätter. Später bilden sich dunkelbraune, bis 30 cm lange, gebogene oder gedrehte Hülsenfrüchte mit 10–15 hellbraunen, glänzenden, bis 1 cm langen Samen.

Wie andere Hülsenfrüchtler auch lebt der Johannisbrotbaum in Smybiose mit stickstoffbindenden Bodenbakterien und dient daher auch der Stabilisierung und Aufwertung karger Böden. Die Hülsenfrüchte des Baumes werden geerntet (Carob) und als zuckerhaltiges Nahrungsmittel zu weiter verarbeitet. Aus dem Samen (Carubin) wird Mehl gewonnen, welches meist als Dickungsmittel genutzt wird. Spätestens zur Zeit Konstantins des Großen wurden die Samen früher als Gewichtseinheit für Gold und Diamanten genutzt, woher sich Begriff des Feinheitsgrades Karat (1 Karat = 0,12 g) ableitet.


Abb. 1 Baum der Ceratonia siliqua auf einem Feld am Rand der N270 bei Boliqueime, Algarve, Portugal, 26.10.2002, 33 m, 37° 07' 30 N, 08° 10' 06 W Abb. 2 Männliche Blütenstände von Ceratonia siliqua mit den diskusförmigen Kelchen und rotgelben Staubblättern, Privatgarten in La Vallée, Südfrankreich, 11.10.2005

Abb. 3 Die gefiederten Laubblätter von Ceratonia siliqua sind dunkelgrün, eiförmig und randständig leicht gewelllt, Privatgarten in La Vallée, Südfrankreich, 11.10.2005 Abb. 4 Graue und glatte Borke jüngerer Stämme und Äste von Ceratonia siliqua an der Felsküste beim Torre di Cala Pira, Sardinien, 14 m, 39° 10' 22 N 09° 34 29 O, 15.10.2016

Abb. 5 Lange Stempel der weiblichen Blüten von Ceratonia siliqua im Hartlaubwald nahe der Cala Pira, Sardinien, 123 m, 39° 09' 54 N 09° 33 04 O, 15.10.2016 Abb. 6 Stammansatz eines alten Baumes der Ceratonia siliqua mit graubrauner Borke im Hartlaubwald nahe der Cala Pira, Sardinien, 123 m, 39° 09' 54 N 09° 33 04 O, 15.10.2016

Abb. 7 Solitäres Exemplar von Ceratonia siliqua auf Weideland bei der Nuraghe Scalas, westlich von Costa Rei, Sardinien, 91 m, 39° 16' 14 N 09° 34' 09 O, 20.10.2016 Abb. 8 Stammblütigkeit von Ceratonia siliqua mit zahlreichen weiblichen Blüten an Zweigen, Ästen und am Stamm, Privatgarten in Supetar, Brac, Kroatien, 20.10.2012


Wie das Epitheton siliqua leitet sich der Gattungsname Ceratonia L. von gr. "keration" (= Hörnchen) ab, was auf die hörnchenförmig gebogenen Früchte verweist, wobei siliqua von lat. "silex" (= Kiesel, harter Stein) stammt und die harten Samen sowie die im getrockneten Zustand sehr harten Schoten meint. Der deutsche Begriff Johannisbrotbaum ist eher mytologisch und geht womöglich auf Johannes dem Täufer zurück, der während seines Aufenthalts in der Wüste sich von den Früchten des Baumes ernährt haben soll. Ob der spätere Johanniterorden dahingehend eine distributive und mithin namensgebende Rolle spielt, ist spekulativ. Die Winterhärte des Baumes ist fraglich.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Polunin, O. & Smythies, B. E. 1997: Flowers of South-West Europe. – Oxford University Press, Oxford, New York, 480 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Ceratonia siliqua. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/ceratonia-siliqua.html am Tg.Mo.Jahr.

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