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Cheilanthes acrostica (Balb.) Tod.
   synonym: Cheilanthes odora Sw., Cheilanthes fragrans auct. pro parte, non (L.) Sw.
Mauer-Pelzfarn, Mauer-Lippenfarn, Adiantaceae - Frauenhaarfarngewächse
                       oder: Pteridaceae - Saumfarngewächse
05–25 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Cheilanthes acrostica ist ein kleiner Farn aus dem Mittelmeerraum, von Zentralasien bis zu den Azoren, der gut an die sommerlichen Trockenphasen des mediterranen Klimas angepasst ist. Er wächst in Felsfluren, Mauern oder Ritzen von Wegen, sowohl in kalkhaltigen als auch silikatreichen Standorten, oft in sonnigen Lagen, aber auch halbschattig und selten schattig. Es sind mehrjährige Farne mit kurzem, kriechendem Wurzelstock, der von rostbraunen Schuppen bedeckt ist. Wedelstiele und -achse sind ebenfalls braun, behaart und ähneln jenen der Frauenhaarfarne. Die Wedel sind 2–3-fach gefiedert, im Umriss eiförmig bis lanzettlich und tragen kleine, stumpfe, oft am Rande eingerollte Fiederblättchen. Die Oberseite der Fiedern ist kahl oder wenig behaart, die Unterseite ebenfalls kahl oder mit borstenartigen, weißen Schuppen besetzt. Die Sporangien finden sich nah an den Rändern, sind streifenförmig länglich und oft V-förmig gebogen.

Während der sommerlichen Xerophase dehydrieren die Pflanzen und die Fiederblättchen rollen sich ein. Die Pflanzen erscheinen dann verwelkt, braun und ausgetrocknet. Mit den ersten Herbstregen ergrünen sie wieder. Zum Schutz vor dem Austrocknen sind die Sporangien nicht mit einem Indusium (häutige Bedeckung der Sporenbehälter), sondern mit einer Pseudomembran bedeckt.

Sehr ähnlich der Cheilanthes acrostica ist der Madeira-Lippenfarn, Cheilanthes maderensis Lowe (= C. fragrans (L.) Sw. und C. pteridioides (Reichard) C. Chr.), der sich nur geringfügig unterscheidet. Der Madeira-Lippenfarn ist eine diploide Gruppe, während es sich beim Mauer-Lippenfarn um eine tetraploide handelt.



Abb. 1 Wedel von Cheilanthes acrostica im Herbst, nach den ersten Regenfällen auf der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 07.10.2015, 11 m, 42° 39' 48 N, 18° 03' 53 O Abb. 2 Pflanzen der Cheilanthes acrostica in einem felsigen Kalksteinaufschluss der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 07.10.2015, 11 m, 42° 39' 48 N, 18° 03' 53 O

Abb. 3 Cheilanthes acrostica nun Ritzen oder Humusbecken in den Felsen als Standort. Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 07.10.2015, 11 m, 42° 39' 48 N, 18° 03' 53 O Abb. 4 Auf der Unterseite der Wedel von Cheilanthes acrostica finden sich braune, länglich am Fiederchenrand gelegene Sporangien und weiße, haar- oder borstenähnliche Schuppen. Die Wedelachsen mit kastanien- bis violett-braunen Spreuschuppen besetzt. Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 07.10.2015, 11 m, 42° 39' 48 N, 18° 03' 53 O


Der Gattungsname Cheilanthes Sw. stammt von gr. "cheilos" (= Lippe, Rand) und gr. "anthos" (= Blüte) nach den Sporangien, die an den Rändern der Fiederblättchen lippenartig angeordnet sind. Das Art-Epitheton acrostica stammt von gr. "akros" (= höchster, an der Spitze befindlich) und gr. "stikhos" (= Reihe, Linie) und beschreibt ebenfalls die in einer Linie an den Spitzen der Fiederchen angeordneten Sori.

Cheilanthes acrostica ist ein graziler Farn für trockene Standorte und pralle Sonne. Ideal ist ein kalkhaltiger Standort im Steingarten, auf einer Mauer oder im Alpinum. Es ist wahrscheinlich, dass die Pflanzen kaum winterhart sind, eventuell an den wenigen Standorten in Mitteleuropa, die Z 8b entsprechen: Innenstadtlagen oder Niederterrasse des Niederrheins. Im Winter sollten die Pflanzen daher abgedeckt werden.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Huxley, A., Griffiths, M. & Levy, M. 1999: The New Royal Horticultural Society Dictionary of Gardening. – Band I–IV, Macmillan Reference Ltd., London.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Cheilanthes acrostica. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/cheilanthes-acrostica.html am Tg.Mo.Jahr.

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