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Gentianella germanica (Willd.) Börner
Deutscher Fransen-Enzian, Deutscher Kranz-Enzian, Gentianaceae - Enziangewächse
Frühherbstblüher, VI–X, 05–40 cm hoch, sommergrün, zwei-, mehrjährig

Das Verbreitungsgebiet des Gewöhnlichen Fransen-Enzians reicht von West-Europa bis zum nördlichen Balkan. Er siedelt meist in collinen bis subalpinen Regionen, meistens auf Kalk in Mager- und Trockenrasen, Felsfluren oder Strauchgesellschaften; im Flachland wird er selten. In Mitteleuropa siedelt er in den Mittelgebirgen bis zu den Alpen, fehlt fast vollständig im norddeutschen Tiefland. Auf beweideten Flächen kann der Deutsche Fransen-Enzian oft in individuenreichen Beständen auftreten, da die Pflanzen bitter schmecken und daher beispielsweise von Schafen gemieden werden. Zudem keimen die Pflanzen auf offenen Böden, die durch Tritt der Wiedetiere entstehen.

Die Pflanzen bilden einfache oder verzweigte Stängel mit eiförmig lanzettlichen, spitzen bis stumpfen, kreuzgegenständigen Laubblättern. Die endständigen Blüten sind 5-zählig mit schmal geflügelten Kronröhren. Meist sind die Kelchzipfel deutlich zurück gerollt, am Rand papillös, nicht rauh, fast glatt, oft karminrot unterlaufen. Später bilden sich länglich zylindrische Kapselfrüchte, die lang gestielt sind und zahlreiche runde, hell- bis dunkelbraune Samen enthalten.

Die Pflanzen sind oft kurzlebig, manchmal einjährig, meist zweijährig, gelegentlich mehrjährig. Die Art ist die häufigste der Gattung in Mitteleuropa.


Abb. 1 Pflanze der Gentianella germanica in einem Halbtrockenrasen auf Kalk im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 479 m, 50° 30' 21 N, 06° 37' 43 O Abb. 2 Mittlere Laubblätter der Gentianella germanica, Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 481 m, 50° 30' 21 N, 06° 37' 44 O

Abb. 3 Blüte der Gentianella germanica mit dem Fransenring, der nur kräftigen Insekten erlaubt, an den Nektar zu gelangen. Halbtrockenrasen auf Kalk im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 479 m, 50° 30' 21 N, 06° 37' 43 O Abb. 4 Gegen Ende der Blütezeit von Gentianella ciliata erscheinen die Früchte zwischen den verblühten Kromnblättern. Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 479 m, 50° 30' 21 N, 06° 37' 43 O

Abb. 5 Fruchtkapsel der Gentianella germanica. Halbtrockenrasen auf Kalk im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 479 m, 50° 30' 21 N, 06° 37' 42 O Abb. 6 Samen von Gentianella germanica. Halbtrockenrasen auf Kalk im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 479 m, 50° 30' 21 N, 06° 37' 42 O

Der Gattungsname Gentianella Moench ist das Deminutiv von Gentiana L., welches schon in der Antike für den Gelben Enzian, Gentiana lutea L., genutzt wurde. Etymologisch stammt der Name von Genthios, dem letzten König der illyrischen Labeaten in Skorda (heutiges Nord-Albanien). Genthios selber oder einer seiner Ärzte erkannte wohl die Heilwirkung der Wurzel des Gelben Enzian. Im Gegensatz zur Gattung Gentiana haben die Gentianellae ausgefranste Kronblätter. Das Epitheton germanica stammt von lat. "germanicus" (= germanisch), nach der Herkunft der Art.

Mit Gentianella germanica hat man einen prächtigen Herbstblüher im Garten, der einen halbschattigen oder sonnigen und warmen Standort auf Kalk bevorzugt. Zur Kultur werden nur Zuchtpflanzen gewählt, keine Naturentnahmen. Im Alpinum oder Steingarten passen die Pflanzen perfekt.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Gentianella germanica. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/gentianella-germanica.html am Tg.Mo.Jahr.

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