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Hesperaloe campanulata G. D. Starr.
Glocken-Hesperaloe, Agavaceae, Agavengewächse
                            oder: Asparagaceae, Spargelgewächse
Sommerblüher, III–IX, bis 130 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Hesperaloe campanulata ist eine stammlose, yuccaähnliche Pflanze aus Mexiko (zentrales Nuevo Leon), wo sie im Buschland der Chihuahuan-Wüste und Kalkstein-Gebirgen auf Höhen von 100–550 m wächst. Die Pflanzen bilden wenige Ableger, so dass im Laufe der Zeit Horste bis 1 m Durchmesser entstehen. Die Blätter sind steif, länglich-lanzettlich, zur Spitze schmaler werdend, grün, bis 105 cm lang, mit zahlreichen feinen Fäden am Rand und etwas rinnenförmig im Querschnitt. Die Blütenstände werden bis 300 m hoch, sind im oberen Drittel gering verzweigt und tragen Rispen mit röhren- bis glockenförmigen, bis 2,2 cm langen Blüten. Diese haben 6 Pergione, innen weiß, außen rosa bis rötlich. Die Staubfäden sind mit dem Perigon verwachsen und bis 1,5 cm lang.

Meist nachts öffnen sich die Blüten und die Perigone klappen auf, so dass sie von Fledermäusen und Schwärmern (ähnlich den einheimischen Taubenschwänzchen) bestäubt werden können. Am kommenden Tag schließen die Perigone teilweise und formen eine Röhre, die dann von Kolibris und Bienen besucht wird. Anschließend verwelkt die Blüte und die Fruchtreife kann beginnen. Dann bilden sich rundliche oder ovale, hölzerne, bis 3 cm große Kapselfrüchte.

Abb. 1 Gerne nachts öffnen sich die Blüten der Hesperaloe campanulata, Privatgarten, 19.07.2015 Abb. 2 Geöffnete Blüte der Hesperaloe campanulata: die Staubfäden reichen dann weit über die Blütenkrone hinaus, wie Abb.1, Privatgarten, 19.07.2015

Abb. 3 Blüte der Hesperaloe campanulata, die Staubfäden sind mit den Perigonblättern verwachsen, Privatgarten, 19.07.2015 Abb. 4 Pflanze der Hesperaloe campanulata 40–50 cm im 1,5L-Topf



Der Gattungsname Hesperaloe Engelm. leitet sich ab von gr. "hespera" (= Sonnenuntergang, Abend, Westen) und Aloe L.; er bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Gattung mit der Aloe succotrina All. und der Herkunft aus der Neuen Welt im Westen. Der selbe Wortstamm existiert auch im deutschen "Vesper" (= Abendgottesdienst, Zwischenmahlzeit). Das Art-Epitheton campanulata stammt von lat. "campana" (= Glocke) zu "campanulatus" (= Glocken-) und beschreibt die Form der Blüten.

In Mitteleuropa gibt es nur wenig Erfahrung mit der Glocken-Hesperaloe im Freiland. Die Pflanzen benötigen einen sonnigen, möglichst trockenen und warmen Standort. Ob die Frosttoleranz für einen Anbau im Freiland reicht, ist ungeklärt. Alternativ bietet sich eine Kultur im Container an. Die Pflanzen können dann trocken und kühl überwintert werden.

Abb. 5 An den Blatträndern hat die Hesperaloe campanulata zahlreiche feine Fäden, Privatgarten, 23.07.2015 Abb. 6 Exemplar der Hesperaloe campanulata mit zwei Blattschöpfen, Privatgarten, 23.07.2015

Abb. 7 Nach dem nächtlichen Öffnen der Blüte schließt sich diese wieder teilweise am folgenden Tag. Nun ist der Zeitpunkt für Kolibris und Bienen gekommen, die Hesperaloe campanulata zu bestäuben. Am darauf folgenden Tag beginnt die Blüte zu verwelken und die Fruchtreife beginnt, Privatgarten, 20.07.2015 Abb. 8 Apikaler Blütenstand der Hesperaloe campanulata noch in der Entwicklung, bevor sich überhaupt die erste Blüte geöffnet hat. Privatgarten, 05.07.2015


Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Irish, G. & Irish, M. 2000: Agaves, Yuccas, an Related Plants. A Gardener's Guide. – Timber Press, Portland, Oregon,  312 S.
Thiede, J. 2001: Yucca. In: Eggli., U: Illustrated Handbook of Succulent Plants: Monocotyledons. – Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 87–102.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Hesperaloe campanulata. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/hesperaloe-campanulata.html am Tg.Mo.Jahr.

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