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Melampyrum cristatum L.
Kamm-Wachtelweizen, Scrophulariaceae - Braunwurzgewächse
                         auch: Orobanchaceae - Sommerwurzgewächse
Ende Frühsommerblüher, VI–IX, 10–50 cm hoch, sommergrün, einjährig

Der Kamm-Wachtelweizen tritt in Mitteleuropa selten bis zerstreut auf, mit Schwerpunkten in den Kalk-Mittelgebirgen, mit Ausnahme der Alpen. Im Norden ist er selten oder fehlt ganz. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch-westsibirisch, in den gemäßigten Breiten. Bevorzugt werden eher trockenere und warme Standorte wie Halbtrockenrasen, Gebüschsäume, Wegränder oder lichte Wälder mit Krautschicht besiedelt. Meist findet man ihn auf Kalk. Die Pflanzen sind Halbparasiten; sie betreiben zwar Photosynthese, schmarotzern aber auch an anderen Pflanzen. Die Stängel sind unverzweigt und kurz, rückwärts gerichtet behaart. Die Laubblätter sind gegenständig, lineal lanzettlich, die oberen ganzrandig, die unteren fein kammartig gezähnt (Name). Auch die Hochblätter sind deutlich kammartig gezähnt, zudem dachziegelartig angeordnet und gefaltet. Die Blüten stehen in kurzen, allseitswendigen, gelblich-weißen, purpurviolett tingierten, 4-kantigen Ähren. Die Blütenkronen sind purpur-rot, zu einer Röhre verwachsen und gekrümmt.

Die Samen des Kamm-Wachtelweizens tragen an einem Ende ein ölhaltiges Anhängsel (Elaiosom = Ölkörper), welches Ameisen anlockt und so die Ausbreitung der Samen fördert. Da die Pflanzen Halbparasiten sind, sind die Bestände aus Konkurrenzgründen meist nicht sehr individuenreich. Oft finden sich nur einzelne Pflanzen in den Standorten. Wegen der halbparasitären Eigenschaft ordnen manche Autoren die Art in die Familie der Orobanchaceae ein.



Abb. 1 Die Blüten des Melampyrum cristatum, am Wegesrand im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 447 m, 50° 30' 13 N, 06° 37' 32 O Abb. 2 Weizenähnliche Samen von Melampyrum cristatum mit dem hellen Ölkörper am Ende, Wegesrand im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 447 m, 50° 30' 13 N, 06° 37' 32 O

Abb. 3 Die Hochblätter des Melampyrum cristatum sind farbenfroh und kammartig gezähnt, Wegesrand im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 447 m, 50° 30' 13 N, 06° 37' 32 O Abb. 4 Geöffnete und leere Fruchtkapseln von Melampyrum cristatum, Wegesrand im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 447 m, 50° 30' 13 N, 06° 37' 32 O



Der Gattungsname Melampyrum L. leitet sich ab von gr. "melas" (= finster, unheilvoll, böse) und gr. "pyros" (= Weizenkorn), zu gr. "melampyron" (= Unkraut der Getreideäcker), welches schon vorlinnäisch für die Wachtelweizen genutzt. Das Benennungsmotiv dürfte die Ähnlichkeit der Samenkörner mit jenen des Weizens beschreiben und sich gleichzeitig auf die Schadwirkung des Wachtelweizens bei massenhaftem Auftreten in Getreidekulturen beziehen. die Ähnlichkeit der Frucht mit langen Vogelschnäbeln. Das Epitheton cristatum leitet sich ab von lat. "cristatus" (= mit einem Kamm versehen) und bezieht sich auf die kammartig gezähnten Hoch- und Laubblätter.

Melampyrum cristatum ist ein hübscher Sommerblüher für die naturnahe Wiese, jedoch sehr selten in Kultur, da die Pflanzen einjährig sind und oft rasch wieder verschwinden.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Melampyrum cristatum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/melampyrum-cristatum.html am Tg.Mo.Jahr.

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