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Passiflora caerulea L.
Blaue Passionsblume, Passifloraceae - Passionsblumengewächse
Sommerblüher, VI–X, 30–70 cm hoch, (sommer-)immergrün, mehrjährig

Die Blaue Passionsblume stammt aus Nord-Argentinien und Süd-Brasilien, wo die Pflanzen in Strauchgesellschaften und lichten Wäldern wachsen. Es sind rankende Kletterpflanzen, die einen leicht kantigen, kahlen und braunen Stamm bilden. Die Laubblätter haben einen 2–3 cm langen Stiel, sind 5–7 × 6–8 cm groß, papierartig mit herzförmiger Basis, handförmig geteilt in (3–)5(–9) länglich ovale Lappen, von denen der mittlere Lappen etwas größer als die seitlichen ist. Der Blütenstand ist eine reduzierte Zyme (doldenähnlicher Blütenstand, bei dem die Hauptachse nach jeder Verzweigung in einer Blüte endet). Reduziert deshalb, weil hier die Hauptachsenblüte nicht ausgebildet ist. Jeweils 1 Seitenachse ist zu einer Ranke umgebildet und der andere Seitenast trägt 1 Blüte. Die Blüten sind duftend, 5-zählig, zwittrig, 6–10 cm im Durchmesser und haben breit ovale Hochblätter. Die 5 Kelch- und 5 Kronblätter sind außen hellgrün und innen weiß bis hellgrün, bis 4,5 cm lang und bilden den äußeren Strahlenkranz. Weiter innen liegen die 3–4 Kreise aus fadenfömigen, weißen, blauen bis purpurfarbenen Staminoden (zu Schauorganen umgebildete, sterile Staubgefäße). Zentral findet sich der fertile Apparat aus bunten Staubgefäßen und purpurfarbenen Griffeln. Später bilden sich grüne, schließlich orangefarbene, eiförmige, bis 6 cm lange Früchte, die nach Befruchtung zahlreiche, bsi 6 mm große, rötliche Samen enthalten.

Abb. 1 Fruchtende Passiflora caerulea mit dem verholzenden, kahlen und braunen Stamm. Privatgarten in Perpignan, Südfrankreich, 03.10.2005 Abb. 2 Blühende Passiflora caerulea mit Rankhilfe in einem Privatgarten in Rheinland-Pfalz, Sommer 2006, Photo M. Nippgen

Abb. 3 Fruchtstand von Passiflora caerulea mit persistierenden Laubblättern in einem relativ milden Winter, Privatgarten in Welver, 15.01.2017 Abb. 4 Blüte von Passiflora 'Lavender Lady', einer wahrscheinlichen Hybride von P. caerulea und P. kermesina Link & Otto, Privatgarten in Nerja, Südspanien, 24.10.2013

Der Gattungsname Passiflora L. leitet sich ab von lat. "passio" (= Leiden), nach der Passion Christi, welche die Blütenform ikonographisch repräsentiert. Das Epitheton caerulea stammt von lat. "caeruleus" (= blau), nach der Farbe der Blüten.

Passiflora caerulea ist in den wintermilden Regioen eine gut harte, exotische Kletterpflanze, die durchaus bis –11 °C immergrün bleibt. Unterhalb dieser Temperatur frieren die Pflanzen zurück, regenieren sich aber innerhalb einer Saison und blühen auch. Selbst mehrere Meter Höhe können von komplett zurückgefrorenen Pflanzen innerhalb eines Sommers erreicht werden. Je älter die Pflanzen, umso robuster werden diese. Fruchtbildung ist auch bei uns zu beobachten, allerdings sind die Früchte fast immer taub, da keine Samen ausgebildet werden, weil der Vektor fehlt. Im Gartenhandel finden sich zahllose interspezifische Hybriden oder Sorten. Eine bekannte ist 'Lavender Lady' mit lavendelfarbigen Blütenblättern, die eine putative Hybride mit Passiflora kermesina Link & Otto darstellt.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Wagenitz, G. 2003: Wörterbuch der Botanik. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, 552 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Passiflora caerulea. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/passiflora-caerulea.html am Tg.Mo.Jahr.

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