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Sarracenia purpurea L.
Rotbraune Schlauchpflanze, Sarraceniaceae - Schlauchpflanzengewächse
Sommerblüher, V–VIII, 20–60 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Die Rotbraune Schlauchpflanze stammt aus dem warmen bis gemäßigten, östlichen Nordamerika, wo die Pflanzen in Torfmooren vorkommen und dort relativ zügig bodensaure, moorige Kahlschläge besiedeln können. In Mitteleuropa ist die Art seit 1640 in Kultur, lokal eingebürgert und wird immer mal wieder von Pflanzenpiraten in Naturstandorte ausgebracht. Da dies nicht ganz unproblematisch ist, werden diese angesalbten Bestände meist bei Pflegemaßnahmen wieder entfernt. Die Pflanzen sind immergrün, breiten sich über das Rhizom aus und können effektiv größere Flächen mit dichten Horsten besiedeln. Das Rhizom misst bis 1,5 cm im Durchmesser. Die Schläuche erscheinen mit oder kurz nach der Blüte, oft kontinuierlich den ganzen Sommer über, sind aufsteigend, schwach gekrümmt, bauchig erweitert, 5–15(–60) cm hoch, fast komplett grün mit roten oder purpurfarbigen Nerven bis hin zu komplett purpurroter Färbung, mit bis 3,6 cm weiter Öffnung. Der Deckel ist aufrecht, rotbraun geadert mit ebenfalls breiter farblicher Varianz, nierenförmig, bis 7 cm breit und 5 cm lang. Die Blütenstände sind bis 80 cm hoch, mit 5–8 mm großen Hochblättern. Die Einzelblüten duften leicht, haben purpurrote, bis 4,2 cm große Kelchblätter und rote bis rotbraune, selten gelbe, bis 5,3 cm große Kronblätter.

Von der Rotbraunen Schlauchpflanze sind zahlreiche infraspezifische Taxa beschrieben worden, deren taxonomischer Wert fraglich ist, da die Art ausgesprochen variabel ist und die Merkmale deutlich überlappen. Sarracenia purpurea gilt zwar als die archetypische Schlauchpflanze schlechthin, weist jedoch eine Besonderheit zusammen mit S. rosea Naczi, Case & R. B. Case auf, da sie Niederschläge sammelt und im Schlauch fast immer Wasser steht. Dies dient der Verdauung gefangener Insekten durch Bakterien in der Flüssigkeit, was mithin ein Grund ist, warum die Art zu den sehr effektiven Karnivoren gehört.


Abb. 1 Der Deckel des Schlauches von Sarracenia purpurea ist mit abwärts gerichteten Haaren bedeckt. Botanischer Garten Bochum, 16.12.2017 Abb. 2 Färbung des Schlauchdeckels von Sarracenia purpurea, in einem Privatgarten in Wipperfürth, 08.08.2018


Abb. 3 Bestand der Sarracenia purpurea in einem Moorbeet, Privatgarten in Wipperfürth, 08.08.2018 Abb. 4 Im Winter bieten die Fruchtstände von Sarracenia purpurea einen Blickfang. Botanischer Garten Bochum, 16.12.2017


Der Gattungsname Sarracenia L. wurde zu Ehren von Michel Sarrazin (1659–1736) etabliert, einem französischen Naturforscher, der erste Exemplare der Gattung nach Europa sandte. Das Art-Epitheton purpurea stammt von lat. "purpureus" (= purpurfarben), nach der Färbung der Schläuche.

Sarracenia purpurea wird schon lange in der Gartenkultur als exotische Moorpflanze genutzt. Es gibt zahlreiche Sorten mit unterschiedlichen Blüten- und Schlauchfarben. Ideal ist ein feuchter, kalkfreier, mooriger Standort, halbschattig bis sonnig.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jäger, E. J., Ebel, F., Hanelt, P. & Müller, G. K. 2007: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Nutz- und Zierpflanzen. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 874 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Sarracenia purpurea. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/sarracenia-purpurea.html am Tg.Mo.Jahr.

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