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Urginea maritima (L.) Baker
Maritime Meerzwiebel, Liliaceae - Liliengewächse
Spätsommerblüher, VIII–X, 50–150 cm hoch, vorsommergrün, mehrjährig

Die Maritime Meerzwiebel kommt im gesamten Mittelmeergebiet und den Kanaren vor. Sandstrände, felsige Standorte, Macchien und Wiesen oder Weisen sind typische Standorte. Oft liegt die bis zu 20 cm im Durchmesser große Zwiebel im oberen Bereich frei und kann daher ohne Blätter oder Blütenstand einfach entdeckt werden. Zur Blütezeit ab Spätsommer sind nur vertrocknete Blätter der Vorsaison zu sehen, der Blattaustrieb erfolgt erst später. Der Blütenstand ist bis 150 cm hoch und trägt mehr als 50 Blüten in einer dichten Traube. Einzelblüten stehen an 1–3 cm langen Stielen, haben sechs 6–8(–15) mm lange, weiße Hüllblätter mit grünem oder purpurfarbenem Mittelnerv. Zum Herbst hin erscheinen die bis 1 m langen und 10 cm breiten Laubblätter, die im folgenden Sommer vertrocknen.

Urginea maritima enthält pharmakologisch wirksame Substanzen (Herzglykoside), die auch heute noch in Medikamenten verarbeitet werden. Dosisabhängig sind die Pflanzen giftig.

Abb. 1 Im Herbst beginnt aus Blattaustrieb der Urginea maritima. Botanischer Garten der Insel Lokrum, Dubrovnik, Kroatien, 13.10.2015 Abb. 2 Fruchstände der Urginea maritima im Botanischer Garten der Insel Lokrum, Dubrovnik, Kroatien, 13.10.2015

Abb. 3 Urginea maritima im Habitat an der Cala Marmol, Mallorca, Spanien, 25.09.2007, 37 m, 39° 17' 26 N, 03° 05' 25 O Abb. 4 Traubiger Blütenstand von Urginea maritima, Privatgarten auf Mallorca, Spanien, 29.07.2003

Abb. 5 Blütenstand Urginea maritima, Nerja, Süd-Spanien, 01.10.2008, 190 m, 36° 46' 05 N, 03° 52' 19 W Abb. 6 Urginea maritima im Habitat, Cala Marmol, Mallorca, Spanien, 25.09.2007, 44 m, 39° 17' 30 N, 03° 25' 28 O

Urginea maritima ist kaum mit anderen Pflanzen zu verwechseln. Eine sehr ähnliche Blüte hat der Weiße Affodill, Asphodelus albus Mill., bei dem dünne Tragblätter unterhalb der Blüte zu erkennen sind. Die Laubblätter sind wesentlich schmaler, bis 2,5 cm breit. Der Weiße Affodill hat keine Zwiebel, sondern fleischige, rübenartige Wurzeln.

Der Gattungsname Urginea Steinh. ist abgeleitet von einem Stamm der Beni Urgin in Algerien, wo Adolphe Steinheil als Autor der Gattung diese Pflanzen fand und die alte Scilla urginea L. neu bestimmte. Das Epitheton maritima ist weiblich und wurde von Linné nach dem Standort an den Küsten benannt, lat. "maritimus" (= Meer-, Strand).

Nach anderen Autoren ist Drimia maritima (L.) Stearn ein gültiges Synonym. Manche Autoren sehen Urginea maritima in der Familie der Spargelgewächse, Asparagaceae. Die Art ist sehr formenreich und dürfte womöglich noch weitere taxonomische Änderungen erfahren.


Abb. 7 Blüten der Urginea maritima im Habitat der Cala Marmol, Mallorca, Spanien, wie Abb. 6, 25.09.2007, 44 m, 39° 17' 30 N, 03° 25' 28 O Abb. 8 Herbstlicher Blattaustrieb von Urginea maritima, 18.10.2013, Privatgarten


Abb. 9 Nach dem Blütenstand (Stängel links) folgen die Blätter von Urginea maritima, 18.10.2013, Privatgarten Abb. 10 Zwei Blattaustriebe bei einer Zwiebel von Urginea maritima, 18.10.2013, Privatgarten

Abb. 11 Blütenstand der Urginea maritima an einer Containerpflanze in einem Privatgarten, 25.09.2013 Abb. 12 Urginea maritima in felsigem Habitat am Zaffaraya-Pass, Axarquia-Provinz, Süd-Spanien, 06.10.2008, 939 m, 36° 56' 43 N, 04° 08' 14 W


Mit Urginea maritima gibt es nur wenige Erfahrungen im Freiland in Mitteleuropa. Wenn überhaupt dürften nur innerstädtische Wärmelagen des Rheinlands für eine Freilandkultur in Frage kommen. Vorzuziehen ist die Kultur im abgesenkten Topf und das vorübergehende Einräumen während der kältesten Tage. Urginea maritima blüht zuverlässig im Topf. Überwintern ist problemlos im Kaltgewächshaus möglich.

Literatur
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Polunin, O. & Smythies, B. E. 1997: Flowers of South-West Europe. – Oxford University Press, Oxford, New York, 480 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Urginea maritima. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/urginea-maritima.html am Tg.Mo.Jahr.

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