Hyacinthoides non-scripta (L.) Chouard
synonym:
Endymion non-scriptus (L.) Garcke
Hyacinthus non-scriptus L.
Scilla nutans Sm.
Atlantisches Hasenglöckchen, Hyacinthaceae - Hyazinthengwächse
auch: Asparagaceae - Spargelgewächse
Spätfrühlingblüher, IV–VI, 15–40(–50) cm hoch, vorsommergrün, mehrjährig
Das Atlantische Hasenglöckchen tritt im Nordwesten Mitteleuropas selten auf, ansonsten fehlt es ganz. Die niederrheinischen Standorte liegen an der östlichen Grenze seines Verbreitungsgebietes. Es kommt in lichten Laubmischwäldern des Flachlands vor und zeigt alte Waldbestände an, in dessen dichter Humus- und Laubschicht ein Konkurrenzvorteil besteht, da es dicke Schichten verrottenden Materials im Frühjahr problemlos durchdringt. Im Winter und Frühjahr sind hohe Niederschläge wichtig. Überschwemmung wird aber nicht toleriert, weshalb man Hyacinthoides non-scripta nicht in regelmäßig überfluteten Auwäldern findet.
Noch vor der Belaubung der Baumschicht im Frühjahr treibt Hyacinthoides non-scripta aus und blüht dunkel blau. An Standorten mit hoher Dichte bilden sich dann prächtige, blaue Farbenteppiche. Als Zwiebelpflanze überwintert H. non-scripta mit bis zu 1,5 cm im Durchmesser großen Zwiebeln, aus denen im Frühjahr 3–6 grundständige, lineare Blätter wachsen.
Der traubige Blütenstand trägt einseitswendige (nach einer Seite stehende, beziehungsweise geneigte), dunkelblaue Glockenblüten. Manchmal finden sich auch hellblaue oder weiße Sippen. Typischerweise trägt das Perigon (Perigon, weil sich Kelch- und Kronblätter nicht unterscheiden lassen) am Ende einen zurückgerollten Zipfel.
Hyacinthoides non-scripta ist die einzige einheimische Art der Gattung in Deutschland. Gelegentlich finden sich verwilderte Pflanzen des Spanischen Hasenglöckchens, H. hispanica (Mill.) Rothm. oder die Hybriden (H. ×massartiana Geerink) beider Arten. Die Abgrenzung zu H. non-scripta kann manchmal schwierig sein. Hyacinthoides non-scripta hat deutlich dunklere Blüten, bei H. hispanica und H. ×massartiana sind die Blütenstände mehr oder weniger radiär symmetrisch und die Blüten sind oft heller.
Der Gattungsname Hyacinthoides Heist. ex Fabr. stammt von gr. "hyakinthodes" (= hyazinthenartig) ab. Früher wurde H. non-scripta zur Gattung Hyacinthus L. gezählt. Das Art-Epitheton non-scripta stammt von lat. "non scriptus" (= nicht geschrieben), nach den ungefleckten Blüten. Es stellt eine Abgrenzung zur Gattung Hyacinthus dar, die in Ovids Werk "Metamorphosen" mit schriftzeichenähnlichen Merkmalen auf den Perigonblättern beschrieben wird, während H. non-scripta diese nicht trägt.
Als Gartenpflanze wird Hyacinthoides non-scripta schon lange genutzt. Sie mag halbschattige Stellen oder lichten Schatten, am besten in einem Gehölzbeet. Auch Staudenbeete sind ein möglicher Pflanzort. Weiße und helbblaue Sorten sind ebenfalls erhältlich, wobei es sich dann meist um Hybridsorten der H. ×massartiana handelt. Hybriden und Spanische Hasenglöckchen sind etwas robuster als die Art, aber nicht so geruchs- und farbintensiv wie H. non-scripta.
Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.
Zitiervorschlag: Lorek, M. 2026: Hyacinthoides non-scripta. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/hyacinthoides-non-scripta.html am Tg.Mo.Jahr.