Sabal minor (Jacq.) Pers.
Zwergpalmetto, Kleine Sabalpalme, Arecaceae - Palmen
Sommerblüher, V–VIII, bis 4 m hoch, immergrün, mehrjährig
Sabal minor stammt auf dem südöstlichen Nordamerika und Mexiko (Nuevo León), wo die Pflanzen in sumpfigen Wäldern, Flusstälern und Schluchten auf 10–600 m über Meereshöhe vorkommen. An einigen Standorten (Texas) kommt sie auf trockenem Felsgelände vor.
Sabal minor wächst langsam und bildet nur gelegentlich einen Stamm. Die Endgröße liegt meist bei 2 m, selten bis 4 m. Im Gegensatz zum Rhapidophyllum hystrix, mit dem sie gemeinsam im Habitat wächst, hat S. minor nur einen einzigen, zumeist unterirdischen Stamm mit 4–10 dunkel grünen, fächerförmigen, etwas costopalmaten Blättern. Die Blätter tragen keine oder meistens wenige Fäden; auch wenn in der Flora of North America "not bearing fibers between segments" steht, so ist S.minor an den Naturstandorten im Süden der USA keinesfalls komplett ohne Fäden. Schon J. K. Small formulierte 1933 (Man SE-Flora: 240) treffend: "the segments sparingly if at all filiferous". Die Hastula ist 0,8–4,7 cm lang; die Blattsegmente sind 34–84 cm lang, 1,4–3,7 cm breit, an der Spitze schwach 2-spaltig.
Der Blütenstand ist nur wenig verzweigt bis 2. Ordnung ohne Hauptachse, aufrecht und reicht meist über die Blätter hinaus, manchmal nur innerhalb des Blattschopfes. Die Einzelblüten sind 3,5–5,2 mm im Durchmesser groß. Später bilden sich schwarzbraune, kugelige, 6,4–9,7 mm im Durchmesser große Früchte mit dünnem Perikarp und jeweils 1 dunkelbraunen, 4,4–6,9 mm im Durchmesser großen Samen. Weitere Sabal-Arten
Die Frage nach den Laubblattfäden ist deshalb wichtig, weil in Mitteleuropa immer noch nach "der echten Minor" gesucht wird. Grandiose Frosthärteversprechen haben angesichts der regelhaften Fehlversuche mit Sabal minor im Freiland nämlich dazu geführt, dass oft die Echtheit der Pflanzen just anhand der Fäden in Frage gestellt wurde und wird; und nicht - was wahrscheinlich sinniger wäre - man die zu hohe Frosthärte-Erwartung hinterfragt. Es ist eher so, dass S. minor keinesfalls problemlos winterhart in Mitteleuropa ist. Mit ihr gibt es nur sehr wenige bekannte Langfristerfolge (> 20 Jahre) mit ungeschützten Pflanzen im Freiland. Die längste Erfolgssequenz im Tropengarten beispielsweise betrug mit einem Exemplar 13 Jahre. Alle anderen Versuche scheiterten schon wesentlich eher. Meistens kümmern die Pflanzen Winter für Winter vor sich hin und verlieren Saison für Saison an Substanz, bis sie schließlich nach langem Siechtum im Palmetto-Himmel landen. Und da nutzt auch nichts, sich einzureden, man hätte angeblich keine minores gehabt. Man hat wahrscheinlich. Die sind einfach nur nicht hart genug.
Ob Sabal minor überhaupt im Freiland taugt, ist auf der einen Seite eine Frage, ob es einen Ökotypen dieser Art gibt, der die in Mitteleuropa geringe Jahreswärmesumme durch zügiges Wachstum in der Saison kompensieren kann. Hier kommen dann die Fäden wieder ins Spiel. Es bleibt eben zur Zeit noch offen, ob fadentragende Ökotypen härter sind oder nicht. Gibt es also wirklich minores-Herkünfte, die bei großzügiger Sichtweise als möglicherweise winterhart zu sehen sind? Denn selbst die mittlerweile schon "historischen Versuche" scheiterten alle kläglich. Sei es mit S. minor var. louisiana, die ein schnelleres Wachstum als die Art haben sollte, oder mit der Sorte S. minor 'McCurtain', die sensationelle –28 °C ausgehalten und schon bei niedrigeren Temperaturen Wachstum haben sollte. Überwiegend Fehlversuche.
Auf der anderen Seite sollte man die Frage stellen, ob es an klimatisch besonders geeigneten Stellen in Mitteleuropa nicht doch möglich wäre, Sabal minor erfolgreich ohne Schutz oder zumindest mit geringem Schutzaufwand im Freiland zu halten. Hier kämen urbane Standorte der Rheinschiene, warme Weinbaulagen, kontinentale Klimate im Südosten Mitteleuropas oder zentrale Lagen der Großstädte als Versuchsfelder in Frage.
Der Gattungsname Sabal Adans. ist etymologisch ungeklärt, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach einer karibischen Sprache entlehnt sein. Das Art-Epitheton minor stammt von lat. "minus" (= kleiner, geringer) beschreibt den niedrigen Wuchs der Palme im Vergleich zu anderen, deutlich stammbildenden Arten der Gattung im Südosten der USA.
Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jones, D. L. 1994: Palmen. – Könemann Verlag, Köln, 409 S.
Small, J. K. 1933: Manual of the Southeastern Flora. – The University of North Carolina Press, Chapel Hill, 1554 S.
Zitiervorschlag: Lorek, M. 2025: Sabal minor. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/sabal-minor.html am Tg.Mo.Jahr.