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Yucca baccata Torr.
Bananen Palmlilie, Agavaceae - Agavengewächse
  oder: Asparagaceae - Spargelgewächse
Frühsommerblüher, IV–VI, 30–150 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Yucca baccata stammt aus einem Gebiet von der südlichen USA bis nach Nordwest-Mexiko, wo die Pflanzen in (Halb-)Wüsten oder Strauchgesellschaften auf 250–2.400 m über Meereshöhe vorkommen. Die Art toleriert eine ganze Reihe von Böden: Sande, Kies, Geröll und Lehm.

Meist sind es stammlose Pflanzen, selten mit kurzen, niederliegenden, auch verzweigenden Stämmen. Die Pflanzen werden im Laufe der Jahre mehrtriebig, können am Stamm oder Leittrieb bewurzeln und bilden so große Kolonien aus Klonen. Häufig sieht man auch ringförmig sich ausbreitende Kolonien, deren zentrale Blattschöpfe nach der Blüte abgestorben sind. Typischerweise sind die Blattschöpfe asymmetrisch, haben einen eher offenen Habitus. Die Blätter sind dicklich, steif, 30–100 cm lang, 2–6 cm breit, mit einer längs verlaufenden Kerbe, braunen Rändern und kräftigen Fäden. Am Ende der Laubblätter findet sich ein kräftiger Dorn.

Der Blütenstand ist eine aufrechte, intrafoliare, 60–82 cm hohe, eiförmige, kahle oder selten spärlich behaarte Rispe mit grüner Achse und etwa 15 Teilblütenständen; die Einzelblüten sind hängend, 5–13 cm lang und breit und glockenförmig; die Perigonblätter sind unten 7–12 mm lang verwachsen, cremefarben, selten violett, 4,5–13 cm lang; die Staubfäden sind unten zu einer kragenartigen Struktur verwachsen, 3,2–12 mm lang, fleischig und kurz behaart; die Staubbeutel sind 5–7 mm lang; die Stempel sind 4,5–8 lang und 0,7–1,2 cm breit; die Fruchtknoten sind 0,7–1,2 cm lang; die Griffel sind 5–7 mm lang. Die Früchte sind hängend, beerenartig, nicht aufspringend, länglich elliptisch, 5–23 cm lang, 4–7,5 cm breit, fleischig, saftig. Die Samen sind matt schwarz, verkehrt eiförmig, 7–11 mm im Durchmesser groß, 3 mm dick und runzelig.

Von Y. baccata werden zur Zeit (2026) zwei Unterarten unterschieden:
- var. baccata (= Y. vespertina (McKelvey) S. L. Welshaus) ohne oder mit nur wenigen kurzen Stämmen; Blütenstandsstiel 60–80 cm lang.
- var. brevifolia L. D. Benson & Darrow (= Yucca arizonica McKelvey, Yucca thornberi McKelvey) aus der Sonora-Wüste mit zahlreichen bis 2 m hohen Stämmen; Blattrand deutlich fädentragend; Blütenstandsstiel bis 30 cm lang.

Ob diese Systematik Bestand haben wird, bleibt abzuwarten, da auch für Yucca baccata zu erwarten ist, dass sich die Erkenntnisse noch ändern werden. Zumal es putative Hybriden in der Natur geben soll, deren genaue Systematik nicht geklärt ist; zur Gattung Yucca.

Beispielsweise sehen manche Autoren die Yucca arizonica dem Komplex der Yucca ×schottii Engelm. zugehörig, ein Taxon das zur Zeit als Hybridkomplex von Y. baccata, Y. elata Engelm. und Y. madrensis Gentry betrachtet wird.

Selbiges gilt für Yucca thornberi McKelvey, die ebenfalls von manchen Autoren dem Y. ×schottii-Komplex zugezählt wird. Der Unterschied zur Y. baccata besteht in den schmaleren und länglicheren Blättern, die ihr ein eher gedrungenes Aussehen geben und an eine Y. torreyi Shafer erinnern. Da ihr Verbreitungsgebiet nicht ganz so hoch wie Y. baccata liegt, dürfte sie etwas empfindlicher sein. Am Naturstandort zwischen Süd-Arizona und der Chihuahua-Wüste findet man sie bis auf 2.000 m über Meereshöhe.


Abb. 1 Asymmetrischer Blattschopf der Yucca baccata, bei Globe, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 2 Yucca baccata im Schnee, am Oberrand des East Salt River Canyon, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 3 Asymmetrische Blattschöpfe von Yucca baccata, Hualapai Mountains, Arizona, USA, 07.02.2008
Abb. 4 Yucca baccata in der Halbwüste bei Bagdad, Arizona, USA, 08.02.2008
Abb. 5 Mehrtriebige, zentrifugal sich ausbreitende Yucca baccata, zusammen mit Dasylirion wheeleri S. Watson bei Globe, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 6 Yucca baccata zusammen mit Opuntia engelmannii Salm-Dyck ex Engelm. in einer Pinus-Wacholder-Strauchgesellschaft der Hualapai Mountains, Arizona, USA, 07.02.2008
Abb. 7 Yucca baccata zusammen mit Yucca ×schottii Engelm. und Dasylirion wheeleri nach Raureif am frühen Morgen, bei Globe, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 8 Jungpflanze der Yucca baccata in einem lichten Eichenwald bei Sedona, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 9 Yucca baccata im Schnee, am Oberrand des Grand Canyon, Southern Rim, Arizona, USA, 07.02.2008
Abb. 10 Schmalblättriger Ökotyp der Yucca baccata, East Salt River Canyon, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 11 Im Schnee versunkene Yucca baccata, Grand Canyon, Southern Rim, Arizona, USA, 07.02.2008
Abb. 12 Asymmetrische Blattschöpfe der Yucca baccata, Mingus Mountain, Arizona, USA, 09.02.2008
Abb. 13 Freigelegtes Rhizom von Yucca baccata nach einer Hangrutschung am Mingus Mountain, Arizona, USA, 09.02.2008
Abb. 14 Yucca baccata im Schnee nahe dem Mingus Mountain bei Prescott, Arizona, USA, 09.02.2008
Abb. 15 Yucca baccata zusammen mit Opuntia engelmannii Salm-Dyck ex Engelm. in einer Strauchgesellschaft, Sedona, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 16 Dreifach-Hybride Yucca aloifolia × stricta × baccata in einem Privatgarten in Gols, Neusiedler See, Österreich, 18.09.2014
Abb. 17 Als Yucca baccata var. thornberi oder neuerdings als Y. ×schottii firmierender Ökotyp bei Sedona, Arizona, USA, 06.02.2008
Abb. 18 Weitere Pflanze der Yucca baccata var. thornberi oder Y. ×schottii, Sedona, Arizona, USA, 06.02.2008
Abb. 19 Fädentragende Blattschöpfe der Yucca baccata, wie Abb. 5, Globe, Arizona, USA, 05.02.2008
Abb. 20 Blaue Standortvarietät der Yucca baccata aus Nevada in einem Gewächshaus in den Niederlanden, 07.03.2015
Abb. 21 Exemplar der Yucca baccata in einem Privatgarten in Eppan, Südtirol, 29.10.2019
Abb. 22 Älteres Exemplar der Yucca baccata auf einem Verkehrskreisel in Bad Langensalza, Thüringen, 21.12.2025


Der Gattungsname Yucca L. existierte schon vorlinnäisch und ist wahrscheinlich aus einer Altsprache der karibischen Insel Hispaniola entlehnt. Das span. "yuca" (= Maniok) stammt daher und wurde wohl auf die ebenso essbaren Blüten und Samen der Y. aloifolia L. übertragen. Das Art-Epitheton baccata stammt von lat. "baccatus" (= mit Perlen besetzt) und bezieht sich auf die Essbarkeit der von den Indianern gegarten Wurzel, die nach Banane schmeckt, lat. "bacca" (= Beere). Auch möglich ist, dass der Name sich auf die Früchte bezieht, die fleischige, elliptische Beeren sind.

Das Verbreitungsgebiet bis auf 2.400 m über Meershöhe und die relativ starken Fröste an einigen Naturstandorten erklären die ausgesprochen gute Frosttoleranz von Yucca baccata mit Berichten von bis zu –29 °C. Für die Freilandkultur benötigt man, da die Basis verholzt, einen relativ trockenen Standort. Erfolgreiche Langzeitberichte über mehr als 20 Jahre Anbau ohne Schutzmaßnahmen gib es noch nicht viele. Von daher ist die Bananen-Yucca sicherlich eher etwas für den erfahrenen Exotengärtner. Möglicherweise ergeben sich durch die in den letzten Jahren gelegentlich erhältlichen Kreuzungen der Y. baccata mit robusten, winterharten Yucca-Arten neue interessante Hybriden, die morphologische Ähnlichkeiten zur Y. baccata haben und gleichzeitig besser geeignet für sommerkühlere Regionen in Mitteleuropa geeignet sind. Siehe Yucca-Hybriden.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Irish, G. & Irish, M. 2000: Agaves, Yuccas, an Related Plants. A Gardener's Guide. – Timber Press, Portland, Oregon,  312 S.
Thiede, J. 2001: Yucca. In: Eggli., U: Illustrated Handbook of Succulent Plants: Monocotyledons. – Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 87–102.


Zitiervorschlag: Lorek, M. 2026: Yucca baccata. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/yucca-baccata.html am Tg.Mo.Jahr.