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Anthriscus cerefolium (L.) Hoffm.
  synonym: Anthriscus longirostris Bertol.
                 Cerefolium cerefolium (L.) Britton
                 Scandix cerefolium L.
Gartenkerbel, Apiaceae - Doldenblütler
Ende Vollfrühlingblüher, V–VIII, 20–70 cm hoch, sommergrün, einjährig

Der Gartenkerbel tritt in Mitteleuropa selten auf. Ursprünglich stammt er aus dem westasiatisch-südeuropäischen Raum und wird als Gewürzpflanze gelegentlich angebaut. Die Vorkommen in Mitteleuropa sind oft unbeständig und finden sich überwiegend an Ruderalstandorten wie Wegrändern, Schuttflächen, in Gartennähe, an Hecken- und Waldrändern. Es sind einjährige Pflanzen mit einer dünnen, spindelförmigen Wurzel. Die Stängel sind rund oder schwach gerillt, grün, ohne Flecken, an den Knoten flaumhaarig und nciht verdickt, ansonsten kahl. Die Laubblätter sind 2–4-fach gefiedert bis fiederschnittig, im Umriss 3-eckig und hellgrün. Unterseits sind die Laubblätter borstig behaart. Die Dolden bestehen aus 2–5 Döldchen und haben keine Hüllblätter (Hüllblätter sind bei Doldenblütler die Hochblätter direkt unterhalb des Blütenstandes, Hüllchenblätter jene unterhalb der Teildolden = Döldchen). Hüllchenblätter unterhalb der Döldchen gibt es 1–4; sie sind einseitig ausgerichtet, lineal-lanzettlich, bewimpert und haben einen häutigen Rand. In den Dolden sind die nach außen gerichteten Kronblätter nur wenig größer als die restlichen Kronblätter (nicht strahlend). Unterseits sind die Doldenstrahlen dicht flaumhaarig. Die Früchte sind 7–11 mm lang, kahl oder aufgerichtet borstig, stehen zu 2 und haben zwischen beiden eine deutliche Längsfurche (Kerbe), an der sich Früchte bei Vollreife teilen und einzeln verstreuen.


Abb. 1 Frühe Dolden und Laubblätter des Anthriscus cerefolium im zeitigen Frühjahr mit deutlich erkennbaren unterseitigen Borstenhaaren. Wegesrand am Hackelsberg bei Jois, Neusiedlersee, Burgenland, Österreich, 03.04.2017,190 m, 47° 57' 32 N, 16° 46' 39 O Abb. 2 Drei aufgeblühte Döldchen des Anthriscus cerefolium im zeitigen Frühjahr. Wegesrand am Hackelsberg bei Jois, Neusiedlersee, Burgenland, Österreich, 03.04.2017,190 m, 47° 57' 32 N, 16° 46' 39 O


Abb. 3 Laubblätter des Anthriscus cerefolium im zeitigen Frühjahr. Wegesrand am Hackelsberg bei Jois, Neusiedlersee, Burgenland, Österreich, 03.04.2017,190 m, 47° 57' 32 N, 16° 46' 39 O


Wie andere Kerbelarten auch, gehört der Gartenkerbel zu den ersten im Jahr blühenden Doldenblütlern. Wenn mit Ende des Vollfrühlings weitere Arten mit ihren Blüten hinzukommen, hat der Gartenkerbel oft schon die ersten Früchte gebildet. Dann sind an den Pflanzen meist Frucht- und Blütenstände gleichzeitig zu entdecken. Ebenso gehört der Gartenkerbel als Einjähriger zu den sehr früh im Jahr keimenden und wachsenden Arten, so dass die erste Ernte als Würzkraut schon im Frühling stattfinden kann.

Typisch und möglicherweise namensgebend für die Gattung sind die deutlich längsgefurchten (gekerbten) Früchte. Dies ist auch bei anderen Arten und Gattungen zu beobachten, beispielsweise den Kälberkröpfen wie Chaerophyllum temulum L., jedoch sind die Furchen dort nicht so ausgeprägt. Es gibt Sippen beim Gartenkerbel mit kahlen und mit aufwärts gerichteten Borstenhaaren, erstere wird als Kulturpflanze genutzt (var. cerefolium), letztere repräsentiert die Wildform (var. trichocarpus Neilr.).

Der Gattungsname Anthriscus Pers. stammt von gr. "antherix" (= Ähre, Halm), wahrscheinlich nach den kurzen, steif aufwärts gerichteten Borsten mancher Sippen des Garten-Kerbels, die entfernt einer Ähre ähnlich sehen. Das Epitheton cerefolium leitet sich wahrscheinlich wie die Gattung Chaerophyllum L. von gr. "chaire" (= Freue Dich!) und gr. "phyllon" (= Blatt) ab, im Sinne von "liebliches Blatt", nach dem Gebrauch in der Küche; später zu lat. "caerefolium" (= Kerbel). Hier findet sich auch die zweite Deutungsmöglichkeit der etymologischen Wurzel des deutschen Namens "Kerbel": als Lehnwort aus dem Lateinischen.

Anthriscus sylvestris ist eine Pflanze für den Kräutergarten und das naturnahe Design.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Anthriscus cerefolium. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/anthriscus-cerefolium.html am Tg.Mo.Jahr.

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