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Chaerophyllum temulum L.
Taumel-Kälberkropf, Betäubender Kälberkropf, Apiaceae - Doldenblütler
Vollfrühling- bis Beginn Frühsommerblüher, V–VII, 50–100 cm hoch, immergrün, ein-, zweijährig, kurzlebig

Der Taumel-Kälberkropf tritt in Mitteleuropa verbreitet bis gemein auf, ist im Süden jedoch zunehmend lückiger bis selten anzutreffen. Bevorzugt werden Waldsäume, Wegränder, Hecken sowie Gärten und Parkanlagen besiedelt, die oft stickstoffreich sind. Es sind ein- bis zweijährige, kurzlebige, aufrecht wachsende Pflanzen mit runden Stängeln, die borstig behaart, meist violett oder bräunlich gefärbt, unten rotfleckig und an den Knoten verdickt sind. Die Wurzeln sind dünn und man kann die Pflanzen leicht aus den Boden ziehen. Die Laubblätter sind 2–3-fach gefiedert mit eiförmigen, stumpfen Endabschnitten. Hüllblätter fehlen meist, gelegentlich 1–2-blättrig (Hüllblätter sind bei Doldenblütler die Hochblätter direkt unterhalb des Blütenstandes, Hüllchenblätter jene unterhalb der Teildolden = Döldchen). Hüllchenblätter unterhalb der Döldchen gibt es 5–8, sie sind zungenförmig bis 3-eckig und bewimpert. Die Früchte sind 5–7 mm lang, hellbraun bis gelb, deutlich dunkelbraun bis schwarz längs gestreift, stehen aufrecht und peripher meist mehr oder weniger in rechtem Winkel zum Fruchtstiel.



Abb. 1 Blütendolde des Chaerophyllum temulum an einem Waldrand bei Amoltern, Kaiserstuhl, 30.05.2018, 313 m, 48° 07' 48 N, 07° 41' 06 O Abb. 2 Stängel und Blattstiele von Chaerophyllum temulum sind meist violett gefärbt, Wegrand in den Lippeauen bei Bergkamen-Heil, 04.06.2016, 54 m, 51° 38' 33 N, 07° 37' 32 O

Abb. 3 Blütendolde von Chaerophyllum temulum. Sie besteht aus mehreren Teildolden. Wegrand in den Lippeauen bei Bergkamen-Heil, 04.06.2016, 54 m, 51° 38' 33 N, 07° 37' 32 O Abb. 4 Die Früchte des Chaerophyllum temulum stehen peripher mehr oder weniger senkrecht zum Fruchtstiel, Waldweg in der Ickerschen Heide, 15.06.2017, 64 m, 51° 36' 10 N, 07° 21' 06 O

Abb. 5 Ein 2–3-fach gefiedertes Laubblatt von Chaerophyllum temulum, an einem Waldrand bei Amoltern, Kaiserstuhl, 30.05.2018, 313 m, 48° 07' 48 N, 07° 41' 06 O Abb. 6 Bestand des Chaerophyllum temulum an einem Wegesrand in den Lippeauen bei Bergkamen-Heil, 04.06.2016, 54 m, 51° 38' 33 N, 07° 37' 32 O

Abb. 7 Borstig behaarter und rot gefleckter Stängel des Chaerophyllum temulum. Waldweg in der Ickerschen Heide, 15.06.2017, 64 m, 51° 36' 10 N, 07° 21' 06 O Abb. 8 Pflanze des Chaerophyllum temulum in einem thermophilen Saum am Rheinbogen bei Stürzelberg, 08.06.2016, 38 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 52 O

Abb. 9 Unterhalb der Teildolde (Döldchen) von Chaerophyllum temulum finden sich 5–8 zungenförmige bis 3-eckige, bewimperte Hüllblättchen (Hochblättchen). Rheinbogen bei Stürzelberg, 08.06.2016, 38 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 52 O Abb. 10 Reife, längs gestreifte Früchte des Chaerophyllum temulum, Krautsaum im Urft-Tal nahe Urft-Steinfeld, Eifel, 03.08.2016, 431 m, 50° 30' 47 N, 06° 36' 25 O

Abb. 11 An den Knoten verdickter, wenig behaarter, grüner Stängel von Chaerophyllum temulum mit wenigen braunen Flecken. Waldrand bei Amoltern, Kaiserstuhl, 30.05.2018, 313 m, 48° 07' 48 N, 07° 41' 06 O


Der Gattungsname Chaerophyllum L. existierte schon vorlinnäisch und leitet sich womöglich von gr. "chaire" (= Freue Dich!) und gr. "phyllon" (= Blatt) ab, im Sinne von "liebliches Blatt", nach dem Gebrauch in der Küche. Das Epitheton temulum ist angelehnt an lat. "tremulus" (= zitternd), nach der Wirkung der Alkaloide in der Pflanze auf Tiere, die zu Schwindel, Zittern und Taumeln führt. Der deutsche Name "Kälberkropf" bezieht sich auf die unterhalb der Knoten verdickten Stängel , die zusammen mit den taschenförmigen Blattscheiden kropfähnliche Strukturen bilden.

Der Taumelnde Kälberkropf gehört zu den frühblühenden Doldenblütlern. Neben diesem phänologischen Merkmal sind der gefleckte oder bräunlich gefärbte Stängel und die im rechten Winkel zu den Fruchtstielen stehenden Früchte gute Erkennungsmerkmale. Der ebenfalls im Vollfrühling blühende Gefleckte Schierling, Conium maculatum L., hat bereifte Stängel und ist in den unteren Stängelbereichen gefleckt, während die oberen grünlich sind.

Chaerophyllum temulum ist eine Pflanze für den naturnahen Garten und dürfte wohl eher wenig zum Einsatz kommen.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Chaerophyllum temulum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/chaerophyllum-temulum.html am Tg.Mo.Jahr.

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