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Dipsacus strigosus Willd. ex Roem. & Schult.
Schlanke Karde, Dipsacaceae - Kardengewächse
Sommerblüher, VI–VIII, 80–200(–250) cm hoch, sommergrün, zwei- (mehr-)jährig

Die Schlanke Karde stammt ursprünglich aus dem europäisch-kontinentalen Raum von Russland bis in den Mittleren Osten. Sie ist in Mitteleuropa seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingebürgert und eher selten. Richtung Norden wird sie sehr selten und findet in Finnland ihre nördliche Verbreitungsgrenze. Die Pflanzen wachsen auf Brachflächen, entlang von unbefestigten Verkehrswegen, in kurzlebigen Ruderalflächen und wärmebedürftigen Säumen. Meist werden die Pflanzen bis 200 cm hoch, selten mehr. Sie sind zerstreut kurzstachelig bedeckt. Die Stängelblätter sind entweder ungeteilt oder haben am Ansatz 2 oder wenige Fiederblättchen; sie sind gestielt und daher nicht verwachsen. Die Blütenköpfe sind typisch kugelig mit blassgelben Einzelblüten. Die Spreublätter (die "Stacheln" der Köpfchen) sind deutlich länger als die Blütenkronen und nicht an der Spitze bewimpert. Die Früchte sind glatt bis undeutlich gerippt, graubraun mit schwarzen Strichen.

Die reichlich produzierten Samen werden sowohl mit Wind, Wasser und Tieren, als auch menschlicher Aktivität verbreitet.

Abb. 1 Fruchtköpfchen des Dipsacus strigosus mit Spreublättern, die an der Spitze keine Wimpern haben, mesophiler Saum im Rheinbogen bei Stürzelberg zwischen Campingplatz und dem NSG, 02.09.2015, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O Abb. 2 Graubraune Samen des Dipsacus strigosus mit schwarzen Streifen, Rheinbogen bei Stürzelberg, 02.09.2015, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O


Abb. 3 Unreifes Fruchtköpfchen des Dipsacus strigosus, Rheinbogen bei Stürzelberg, 02.09.2015, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O Abb. 4 Reifes Fruchtköpfchen des Dipsacus strigosus mit Samen und Spreublättern ohne Wimpern an der Spitze, Rheinbogen bei Stürzelberg, 02.09.2015, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O

Abb. 5 Geteiltes Laubblatt von Dipsacus strigosus, hier mit mehr als Fiederblättern. Rheinbogen bei Stürzelberg, 08.06.2016, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O Abb. 5 Jungpflanze von Dipsacus strigosus, Rheinbogen bei Stürzelberg, 08.06.2016, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O

Abb. 7 Borstige und fast stachelige Unterseite des Blattstiels von Dipsacus strigosus, Rheinbogen bei Stürzelberg, 08.06.2016, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O Abb. 8 Blühende Pflanzen des Dipsacus strigosus, Rheinbogen bei Stürzelberg, 13.08.2016, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O

Abb. 9 Blütenköpfchen des Dipsacus strigosus, Rheinbogen bei Stürzelberg, 13.08.2016, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O Abb. 10 Beim Dipsacus strigosus sind die Staubfäden grünlich-gelb bis hellgrün, Rheinbogen bei Stürzelberg, 13.08.2016, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O

Abb. 11 Vergleich der Blütenköpfchen des Dipsacus strigosus (links) mit der am selben Standort vorkommenden Behaarten Karde, D. pilosus L. (rechts), Rheinbogen bei Stürzelberg, 13.08.2016, 35 m, 51° 09' 39 N, 06° 50' 46 O



Möglicherweise geht die Ableitung des Gattungsnamens Dipsacus L. auf das gr. "dipsa" (= Durst) zurück und meint damit das "Regenwasserbecken" der miteinander verwachsenen Stängelblätter, früher auch als "Venuswaschbecken" bezeichnet. Im Lateinischen findet sich mit "dipsacus" (= Karde) die selbe etymologische Wurzel. Das Epitheton strigosus stammt von lat. "strigosus" (= schmächtig, dürr), was sich wahrscheinlich auf die meist nährstoffarmen Standorte beziehen könnte oder die schlanke Wuchsform der Art beschreibt.

Die volkstümliche, deutsche Bezeichnung "Karde" geht auf die frühere Nutzung der Blütenköpfe zum Aufkratzen von Wolle zurück. Das Werkzeug für diesen Arbeitsgang nennt sich im Althochdeutschen "Karda", ein Wortstamm der sich in Kardätschen (die Bürsten zum Glattstreichen von Pferdefell) wiederfindet. "Karde" leitet sich ab von lat. "carduus" (= Distel).

Die Abgrenzung des Dipsacus strigosus vom ähnlichen D. pilosus L. ist manchmal schwierig. Unterscheidungsmerkmale sind:

Dipsacus strigosus

Dipsacus pilosus

Köpfchen 30–40 mm
Spreublätter lang, die Blütenkrone überragend
Spitzen der Spreublätter ohne Wimpern
Kronenblätter blassgelb mit grüngelben Staubgefäßen
Früchte graubraun mit schwarzen Streifen
Blütezeit meist VI–VII
Köpfchen 20–30 mm
Spreublätter kürzer als die Blütenkrone
Spitzen der Spreublätter mit Wimpern
Kronenblätter weiß mit schwarzvioletten Staubgefäßen
Früchte braun, glatt ohne schwarze Streifen

Blütezeit meist länger, VII–IX

Referenzen
Ahrens, W. 2007: Zur Unterscheidung von Dipsacus pilosus L. und Dipsacus strigosus Willdenow ex Roemer et Schultes. – Mitt. florist. Kart. Sachsen-Anhalt, 12, 71–75.
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Dipsacus strigosus. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/dipsacus-strigosus.html am Tg.Mo.Jahr.

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