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Ensete ventricosum (Welw.) Cheesman
     Wichtigste Synonyme: Ensete edule Bruce ex Horan., Musa ventricosa Welw., Musa ensete J. F. Gmel.
Abessinische Banane, Musaceae - Bananen
Sommerblüher, VII–XI, 4–12 m hoch, immergrün, mehrjährig (meist hapaxanth)

Die Abessinische Banane stammt aus dem subtropischen und tropischen Afrika, wo sie weit verbreitet ist, mit einem Schwerpunkt in Äthiopien. Sie wird aber auch in vielen anderen afrikanischen Ländern als Nutzpfanze kultiviert. Es sind große Bananen, bis 12 m Höhe und kräftigen, in den unteren Bereichen bauchigen Scheinstämmen bis 5 m Höhe. Meist sind die Scheinstämme purpurfarben bis braun oder rot, manchmal grün gefärbt, teilweise mit weiß-gräulicher Bereifung. Die Pflanzen führen einen blass-weißen Milchsaft, der an der Luft rötlich verfärbt. Die Laubblätter sich typische, an der Spitze des Scheinstammes gedrängte "Bananenblätter", 3–6 m lang, 1–1,5 m breit, länglich oval, oliv-grün bis rot-braun, mit deutlicher Mittelrippe, unterseits mehr oder weniger blaugrün. Aus 1 Scheinstamm entwickelt sich 1 Blütenstand. Nach der Fruchtreife sterben die Pflanzen in der Regel (hapaxanth). Durch frühzeitigen, tiefen Schnitt des Scheinstammes kann die Abessinische Banane jedoch dazu angeregt werden, Schößlinge aus dem Rhizom zu bilden. Dieses Verfahren wird beim Anbau in manchen afrikanischen Ländern zur Vermehrung durchgeführt.

Die Blütenstände sind länger als 1 m, aufrecht oder nickend. Typisch sind die großen Hochblätter die lange am Blütenstand erhalten bleiben und erst spät vertrocknen, aber meist nicht abfallen. Insbesondere die "männlichen und hermaphroditen Hochblätter" verbleiben lange an der Blütenstandsachse. Die hermaphroditen überdecken später zumindest teilweise die Früchte. Die Hochblätter sind lanzettlich bis schmal oval, etwas übereinander lappend, farbenfroh, von oliv-grün, dunkel-braun, bis rot, violett, grau-braun oder blass-grün. Zuerst erscheinen die weíblichen Blüten basisnah, dann hermaphrodite, später die männlichen näher zur Blütenstandsspitze hin. Die Blüten sind weißlich mit an der Spitze orange-gelben, 3-lappigen Perigonblättern, die sich in einer inneren und äußeren Reihe stehen. Die männlichen Blüten haben 5 Staubblätter mit violett-purpurfarbenen Ankern und weißen Staubfäden. Hermaphrodite Blüten haben 1–5 Staubblätter mit Ankern, die meist länger als die Staubfäden sind. Der männliche Teil der Infloreszenz bildet eine massive, fast kugelige "Blütenstandsknospe".

In der Regel werden die Früchte nicht gegessen, sondern nur als Tierfutter verwendet, da diese trocken und ledrig sind. Sie sind hellgelb oder gelb-orange, 8–15 cm lang und etwa 4,5 cm breit, mit persistierendem Griffel und orangefarbenem Fruchtfleisch. Es finden sich bis 40 Samen pro Frucht. Diese sind hart, glänzend schwarz oder grau-braun, unregelmäßig kugelig mit einer Kuhle im Zentrum.

Die Abessinische Banane ist die am weitesten verbreitete Ensete in Afrika. Sie weist eine enorme Merkmals-Bandbreite auf und ihr ist daher ein fast unüberschaubares Panoptikum an Synonymen zugeordnet worden. Ebenso gibt es eine ganze Reihe kultureller Sorten der Art; die bekannteste dürfte wohl Ensete ventricosum 'Maurellii' sein, die durch rötlch gefärbte Laubblätter gekennzeichnet ist.



Abb. 1 Frucht- und Blütenstand des Ensete ventricosum im Tropen-Gewächshaus des Gruga-Parks, Essen, 11.09.2016 Abb. 2 Großes Exemplar von Ensete ventricosum am El Ganganell an der Rue Du Lycée, Perpignan, Frankreich, 11.11.2004

Abb. 3 Rötlich gefärbte Laubblätter des Ensete ventricosum 'Maurellii', Topfpflanze in einem Privatgarten bei Putte, Belgien, 30.10.2016


Der Gattungsname Ensete J. F. Gmel. wurde einer äthiopischen Sprache entlehnt und botanisch zuerst für die Musa ensete genutzt. Das Benennungsmotiv bleibt ungeklärt. Das Epitheton ventricosum stammt von lat. "ventricosus" (= dickbauchig) nach dem "geschwollenen" Pseudostamm der Art.

Von Ensete ventricosum gibt es keine Berichte eines erfolgreichen Anbaus im mitteleuropäischen Freiland. Vielmehr ist es eine dekorative Zierbanane für das Gewächshaus oder den Wintergarten. Die Pflanzen sind robust und vertragen auch Trockenheit und mageren Boden, wachsen dann natürlich nicht so flott. Die Überwinterung erfolgt bei 10–20 °C im Gewächshaus, Wintergarten oder Treppenhaus. Bei kühleren Temperaturen können die Laubblätter vor der Überwinterung abgeschnitten werden, da diese sowieso welken. Alternativ kann man die Pflanze kühl und halbdunkel ohne zu Gießen in einem Topf überwintern und mit steigenden Temperaturen ab April (je nach Region) wieder ins Freie stellen.

Referenz
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Huxley, A., Griffiths, M. & Levy, M. 1999: The New Royal Horticultural Society Dictionary of Gardening. – Band I–IV, Macmillan Reference Ltd., London.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Ensete ventricosum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/ensete-ventricosum.html am Tg.Mo.Jahr.

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