Startseite

Musaceae - Bananen

Die urspüngliche Unterteilung der Musaceae erfolgte im 19. Jahrhundert durch Sagot (1887) und Baker (1893) in 3 Sektionen: Physocaulis, Eumusa und Rhodochlamys. Diese Unterteilung richtete sich vornehmlich nach morphologischen Kriterien. Eine Neueinteilung erfolgte etwa ein halbes Jahrhundert später durch Cheesman (1947), welcher eine Revision der Arten anhand der Anzahl der Chromosomensätze vornahm. Hieraus ergab sich eine Unterteilung in 4 Sektionen. Die Sektion Physocaulis betrachtete er als eigenständigen Genus und spaltete diesen aus der Unterteilung ab, zudem bildete er zwei zusätzliche Sektionen mit Australimusa und Callimusa. Die Sektionen Musa und Rhodochlamys mit n=x=11 Chromosomensätzen zeichnen sich aus durch bereifte (glaucous), sulcate Deckblätter (bracts) welche beim Verwelken aufrollen. Die Sektionen Australimusa und Callimusa mit n=x=10 Chrosomensätzen zeichnen sich aus durch glatte, auf der Außenseite glänzende Deckblätter, die beim Verwelken strukturstabil bleiben.

Die Unterscheidung von Musa und Rhodochlamys erfolgte anhand morphologischer Kriterien: Musa sind mehr als 3 m hohe Pflanzen mit nickenden Blütenständen, die Deckblätter weisen matte Farben auf, die Blüten stehen zumeist in 2 Reihen pro Deckblatt, die Früchte sind zurück gebogen (reflektiert). Rhodochlamys sind deutlich kleiner, weniger als 3 m, haben aufrechte Blütenstände mit hell-farbigen Deckblätter, wenige Blüten in 1-Reihen, die Früchte sind nicht gebogen.

Die Unterscheidung von Australimusa und Callimusa erfolgte anhand der Samen: Callimusa haben ungewöhnliche, zylindrische oder fassförmige Samen mit einer großen apikalen (an der Spitze gelegenen) Kammer. Australimusa Samen sind hingegen ähnlich derer in den Sektionen Musa und Rhodochlamys, die rund (globos), oval oder leicht kantig sind mit einer nur kleinen apikalen Kammer.

Spätere Autoren folgten dieser Unterteilung, obwohl schon Simmonds (1960) bemerkte, dass Arten wie Musa beccarii Simmonds, Musella lasiocarpa (Franch.) C. Y. Wu und Musa ingens Simmonds keiner der Sektionen eindeutig zugeordnet werden konnten. Für Musa ingens wurde daraufhin von Argent (1976) eine eigene Sektion mit einem Chromsomensatz n=x=14 geschaffen, Ingentimusa, und Musella lasiocarpa wurde von Li (1978) in den eigenständigen monotypischen Genus Musella eingeordnet. Neben Musa beccarii konnten zwei neuere Arten von Argent, Musa monticola (Hotta ex) Argent und Musa suratii Argent, ebenfalls nicht eindeutig einer Sektion zugeordnet werden.

Wong, C. (2001) fand für Musa suratii zunächst keine eindeutige Zuordnung zu den Sektionen Australimusa oder Callimusa, konnte diese Art jedoch später (Wong, 2002) Callimusa zuordnen, da die beiden Sektionen durch seine Untersuchungen zusammengeführt wurden, denn seine genetischen Untersuchungen (Wong, 2001, 2002) deuten an, daß die Sektionen Musa und Rhodochlamys zusammengeführt werden sollten, ebenso die Sektionen Australimusa und Callimusa. So ergeben sich neben den beiden Genus Ensete und Musella 3 Sektionen: die großen Sektionen Callimusa (inklusive Australimusa) und Musa (inklusive Rhodochlamys) und die monotypische Sektion Ingentimusa mit M. ingens. Die beiden noch fehlenden Arten, Musa monticola und Musa beccarii werden in die Sektion Callimusa eingeordnet, gleichwohl es zu M. beccarii noch nicht eindeutig geklärte Widersprüche gibt: Shepherd (1959) ermittelte Chromsomensätze von x=n=9, während es bei Wong (2001, 2002) x=n=10 sind.
Neue Nomenklatur in Anlehnung an Wong 2002
Ensete x=n=9
E. gilletii
E. glaucum
E. homblei
E. perrieri
E. superbum
E. ventricosum
Musa Sektion Ingentimusa x=n=14
M. ingens
Musa Sektion Callimusa (einschl. Australimusa) x=n=10
M. alinsanaya
M. beccarii
M. boman
M. borneensis
M. bukensis
M. campestris
M. coccinea
M. exotica
M. fitzalanii
M. flavida
M. gracilis
M. hirta
M. insularimontana
M. jackeyi
M. johnsii
M. lawitiensis
M. lolodensis
M. maclayi
M. monticola
M. muluensis
M. paracoccinea
M. peekelii
M. pigmea
M. salaccensis
M. splendida
M. suratii
M. textilis
M. tuberculata
M. violascens


Musa Sektion Musa (einschl. Rhodochlamys) x=n=11
M. acuminata
M. angcorensis
M. aurantiaca
M. balbisiana
M. banksii
M. basjoo
M. cheesmanii
M. flaviflora
M. griersonii
M. itinerans
M. laterita
M. mannii
M. nagensium
M. ochracea
M. ornata
M. rubra
M. sanguinea
M. schizocarpa
M. sikkimensis
M. thomsonii
M. velutina
M. yunnanensis
Alte Nomenklatur in Anlehnung an Cheesman 1947
Ensete x=n=9
E. gilletii
E. glaucum
E. homblei
E. perrieri
E. superbum
E. ventricosum
Musa Sektion Ingentimusa x=n=14
M. ingens
Musa Sektion Australimusa x=n=10
M. alinsanaya
M. beccarii
M. boman
M. bukensis
M. fitzalanii
M. insularimontana
M. jackeyi
M. johnsii
M. lawitiensis
M. lolodensis
M. maclayi
M. monticola
M. muluensis
M. peekelii
M. textilis
M. tuberculata
Musa Sektion Callimusa x=n=10
M. borneensis
M. campestris
M. coccinea
M. exotica
M. flavida
M. gracilis
M. hirta
M. paracoccinea
M. pigmea
M. salaccensis
M. splendida
M. violascens
Nicht zuordenbar zu Australimusa oder Callimusa
M. suratii
Musa Sektion Eumusa x=n=11
M. acuminata
M. balbisiana
M. banksii
M. basjoo
M. cheesmanii
M. flaviflora
M. griersonii
M. itinerans
M. nagensium
M. ochracea
M. schizocarpa
M. sikkimensis
M. thomsonii
M. yunnanensis
Musa Sektion Rhodochlamys x=n=11
M. angcorensis
M. aurantiaca
M. laterita
M. mannii
M. ornata
M. rubra
M. sanguinea
M. velutina


Die zu den essbaren Bananen gehörenden Arten Musa paradisiaca L. und M. cavendishii  Lamb. ex Paxton fehlen in der Aufzählung, da sie Kulturbananen sind, die durch Kreuzung verschiedener Arten oder durch Mutation in der Mikrovermehrung entstanden sind, in ihrer systematischen Betrachtung nicht endgültig geklärt sind und keine Wildbananen mit Naturstandort repräsentieren. Beide würden, legt man die Parentale zugrunde, in die Sektion Musa, respektive Eumusa einzuordnen sein und werden von manchen Autoren als M. acuminata geführt, hier als Musa ×paradisiaca L.

Von den zahlreichen Arten und Sorten der Bananen sind bisher nur wenige im Freiland erprobt. Die robusteste ist und bleibt Musa basjoo. Daneben könnten an milden Standorten, mit Schutz und in entsprechender Größe des auszupflanzenden Exemplares auch weitere Arten versucht werden. Hierzu gehören M. sikkimensis und M. balbisiana. Unter den anderen, mehrere 100 verschiedenen Arten, Sorten und Kultivaren zählenden Bananen, gibt es die ein oder andere, welche ebenfalls potentiell auspflanzbar erscheint. Leider fehlen zu den meisten bisher Auspflanzerfahrungen. Einige dieser Arten könnten eventuell sein:

Musa laterita, eine dekorative Banane, eher kleinbleibende Banane mit kurzem Stamm bis 2 m, aber aufrecht wachsendem Blatt, sehr bizarr.

Musa ornata gehört zur Sektion Rhodochlamys und hat einen aufrechten Blütenstand mit farbenfroher Blüte, zumeist lavendel-farben. Die Früchte stehen aufrecht zur Blütenspitze hin. Mit einer Gesamthöhe von um die 2,50 m moderat wachsend. ideale Kübelpflanze, Freilandtauglichkeit zweifelhaft.

Musa thomsonii, eine bisher selten angebotene Banane aus Nord-Bengalen und Bhutan, über dessen Freilandverhalten noch keine Erfahrungen vorliegen. Jungpflanzen ähneln M. balbisiana mit schlanken grünen Stämmen und wachsartigem Überzug der Blattstiele. Blattunterseiten grün, manchmal leicht rötlich. Blütenblätter rot-braun, innenseitig gelblich. Endgröße 4,50 m.

Musa velutina, eine kleinbleibende Art der Sektion Rhodochlamys, bis maximal 2,50 m. Sie ist eine sehr dekorative Banane mit rot-violetter Blüte, Frosttoleranz unbekannt. Aufgrund der moderaten Höhe hervorragend als Kübelpflanze geeignet. Verschiedene Farbvarianten.


Argent, G. C. G. 1976: The wild bananas of Papua New Guinea. - Notes Royal Bot. Gard. Edinburgh, 35, 77–114.
Argent, G. C. G. 2000: Two interesting wild Musa species (Musaceae) from Sabah, Malaysia. – Gard. Bull. Singapore, 52, 203–210.
Baker, J. G. 1893: A synopsis of the genera and species of Museae. – Ann. Botany, 7, 189–229.
Bhat, K. V., et al. 1992:. Survey of isozyme polymorphism for clonal identification in Musa. II. Peroxidase, superoxide dismutase, shikimate dehydrogenase and malate dehydrogenase. – J. Hor. Sci., 67, 737–743.
Cheesman, E. E. 1947: Classification of the bananas. II. The Genus Musa L. – Kew Bulletin, 2, 106–117.
Cheesman, E. E. 1948: Classification of the bananas. III. Critical notes on species. a. M. balbisiana. – Kew Bulletin, 3, 11–18.
Crouch, J. H., et al. 1948: Comparison of PCR-based molecular marker analyses of Musa breeding populations. – Molecular Breeding, 5, 233–244.
Gawel, N. J. &  Jarret, R. L. 1991: Chloroplast DNA restriction fragment length polymorphisms (RFLPs) in Musa species. – Theoretical and Applied Genetics, 81, 783–786.
Gawel, N. J., et al. 1992: Restriction fragment length polymorphism (RFLP)-based phylogenetic analysis of Musa. – Theoretical and Applied Genetics, 84, 286–290.
Grapin, A., et al. 1998: Diploid Musa acuminata genetic diversity assayed with sequence tagged microsatellite sites. – Electrophoresis, 19, 1374–1380.
Howell, E. C., et al. 1994: The use of RAPD for identifying and classifying Musa germplasm. – Genome, 37, 328–332.
Jarret, R. L. & Gawel, N. J. 1995: Molecular markers, genetic diversity and systematics. – In: Gowen, S. (Hg): Bananas and plantains. London, Chapman and Hall, 67–83.
Jarret, R. L., et al. 1992: RFLP-based phylogeny of Musa species in Papua New Guinea. – Theoretical and Applied Genetics, 84, 579–584.
Lanaud, C., et al. 1992: Variation of ribosomal gene spacer length among wild and cultivated banana. – Heredity, 68, 147–156.
Li, H. W. 1978: The Musaceae of Yunnan. – Acta Phytotax. Sinica, 16, 54–64.
Loh, J. P., et al. 2000: Amplified fragment length polymorphism (AFLP) fingerprinting of 16 banana cultivars (Musa spp.). – Molecular Phylogenetics and Evolution, 17, 360–366.
Osuji, J. O., et al. 1998: Molecular cytogenetics of Musa species, cultivars and hybrids: location of 18S-5·8S-25S and 5S rDNA and telomere-like sequences. – Ann. Botany, 82, 243–248.
Osuji, J. O., et al. 1997: Identification of the genomic constitution of Musa L. lines (bananas, plantains and hybrids) using molecular cytogenetics. – Ann. Botany, 80, 787–793.
Sagot, P. 1887: Sur le Genre Bananier. – Bull. Soc. Bot. France, 34, 328–330.
Shepherd, K. 1959: Two new basic chromosome numbers in Musaceae. – Nature, 183, 1539.
Shepherd, K. 1990: Observations on Musa taxonomy. In: Jarret RL, ed. Identification of genetic diversity in the genus Musa: Proceedings of an international workshop held at Los Banos, Philippines, 5–10 September 1988. – INIBAP, Montferrier-sur-Lez, 158–165.
Simmonds, N. W. 1960: Notes on banana taxonomy. – Kew Bulletin, 14, 198–212.
Simmonds, N. W. & Weatherup, S. T. C. 1990: Numerical taxonomy of the wild bananas (Musa). – New Phytologist, 115, 567–571.
Wong, C., et al. 2001: Sectional placement of three Bornean species of Musa (Musaceae) based on AFLP. – Gard. Bull. Singapore, 53, 327–341.
Wong, C., et al. 2001: Genetic diversity of the wild banana Musa acuminata Colla in Malaysia as evidenced by AFLP. – Ann. Botany, 88, 1017–1025.
Wong, C., et al. 2002: Assessment of the Validity of the Sections in Musa (Musaceae) using AFLP. – Ann. Botany, 90, 231-238.

© Tropengarten

info@tropengarten.de