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Euphorbia characias L.
Palisaden-Wolfsmilch, Euphorbiaceae - Euphorbiengewächse
Frühling-, Sommerblüher, II–VII, 30–80 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Die Palisaden-Wolfsmilch kommt im Mittelmeerraum vor, wo die Pflanzen in den Gras-Busch-Gesellschaften der Garrigue und Macchie, aber auch auf gestörten Flächen, entlang von Wegen oder in Felsfluren wachsen; zumeist sind es kalkhaltige Standorte. Es sind aufrechte, basal verholzende und dort verzweigende Euphorbien mit zahlreichen, lineal bis lanzettlichen, bis 13 cm langen, grün-blauen Laubblättern, die besonders in den oberen Stängelbereichen dicht gedrängt stehen. Der Blütenstand ist eine 10–40-strahlige, terminale Scheindolde mit 13–40 blattachselständigen Seitenästen.

Wie für Euphorbien typisch werden die Blüten plus Hochblätter der Euphorbia characias als Cyathium bezeichnet. Der Begriff leitet sich ab von gr. "kyathos" (= Schröpfgefäß) und beschreibt die becherartige Hülle aus Hochblättern unterhalb der Basis der Blüten, die man als "Ersatz" für die fehlenden Blütenblätter sehen kann. Cyathia sind meist grün oder gelblich und eher unscheinbar, bei E. characias bestehen sie aus verwachsenen, rundlich-dreieckigen Hochblättern. Ins Auge fallen die 4 dunkel-rotbraunen Nektardrüsen mit kurzen Höckern, die in ihrer Gesamtheit dem Blütenstand gewissermaßen "Farbe geben". Die Früchte sind glatte oder weichhaarige Kapseln, die jeweils 3 Samen enthalten und durch Aufspringen (Ballochorie) diese heraus schleudern.

Allgemein akzeptiert ist die Einteilung der Art in 2 Unterarten:
Euphorbia characias ssp. characias aus der westmediterranen Region
Euphorbia characias ssp. wulfenii (Hoppe ex W. D. J. Koch) Radcl.-Sm. aus der ostmediterranen Region bis Kleinasien, die gelbliche, langhörnige Nektardrüsen aufweist, mithin also "unauffälliger blüht", und insgesamt "kräftiger" erscheint. Synonyme sind: E. wulfenii Hoppe ex W. D. J. Koch und E. veneta sensu Hayek.


Abb. 1 Euphorbia characias ssp. wulfenii in der Macchie auf der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 09.10.2015, 77 m, 42° 39' 20 N, 18° 04' 09 O Abb. 2 Pflanze der Euphorbia characias ssp. wulfenii in einer Felswand auf der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 09.10.2015, 25 m, 42° 39' 46 N, 18° 04' 09 O

Abb. 3 Euphorbia characias (blaugrün) zusammen mit E. dendroides L. (hellgrün) in der Macchie am Rio Flumendosa bei Ballao, Sardinien, Kroatien, 17.10.2016, 92 m, 39° 33' 55 N, 09° 20' 20 O Abb. 4 Jungpflanze der Euphorbia characias ssp. characias in einer Felswand m Tal des Rio Higueron unterhalb von Frigiliana, Süd-Spanien, 01.10.2008, 298 m, 36° 47' 37 N, 03° 53' 31 W

Abb. 5 Euphorbia characias ssp. wulfenii am Wasserfall Sopot, Montenegro, 11.10.2015, 40 m, 42° 30' 49 N, 18° 40' 53 O Abb. 6 Euphorbia characias ssp. characias auf einer Lichtung unterhalb des Tour de Massane bei La Vall, Pyränen, Südfrankreich, 10.10.2005, 715 m, 42° 30' 05 N, 03° 01' 33 O

Abb. 7 Jungpflanze der Euphorbia characias ssp. characias in einer Felswand im Tal des Rio Higueron unterhalb von Frigiliana, Süd-Spanien, 01.10.2008, 302 m, 36° 47' 44 N, 03° 53' 32 W Abb. 8 Laubblätter der Euphorbia characias ssp. characias im Tal La Vall, Pyränen, Südfrankreich, 09.10.2005, 280 m, 42° 30' 03 N, 03° 00' 42 O

Abb. 9 Euphorbia characias (blaugrün) in der Macchie am Rio Flumendosa bei Ballao, Sardinien, Kroatien, 17.10.2016, 92 m, 39° 33' 55 N, 09° 20' 20 O Abb. 10 Euphorbia characias im schattigen Unterwuchs des Hartlaubwaldes in den Bergen des Sette Frattelli, Sardinien, 18.10.2015, 619 m, 39° 16' 34 N, 09° 25' 19 O


Wahrscheinlich geht der Gattungsname Euphorbia L. auf den um Christi-Geburt lebenden, mauretanischen König Juba II. zurück, der Harz und Pflanzen der Euphorbien, wahrscheinlich der E. mauritanica L., nach seinem Leibarzt Euphorbos benannte. Das Epitheton characias stammt von gr. "charax" (= Pfahl), zu gr. "charakias" (= als Zaun, Palisade geeignet), nach der ursprünglichen Nutzung der Art in der Antike als Zaun.

Euphorbia characias ist eine architektonisch ansprechende Art für das Sukkulentenbeet, den Steingarten oder das Alpinum. Es gibt eine ganze Reihe von Kultursorten mit farbintensiven Blüten, panaschierten Blättern oder besonderer Architektur. Ideal sind sonnige, trockene Plätze im Garten, am besten auf Kalk.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Polunin, O. 2006: Flowers of Greece and the Balkans. – Oxford University Press, Oxford, New York, 592 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Euphorbia characias. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/euphorbia-characias.html am Tg.Mo.Jahr.

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