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Euphorbia paralias L.
Strand-Wolfsmilch, Euphorbiaceae - Euphorbiengewächse
Sommerblüher, V–X, 20–70 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Die Strand-Wolfsmilch kommt im gesamten Mittelmeerraum bis ans Schwarze Meer, auf den Kanarischen Inseln und nach Norden bis an die niederländische Küste vor. Sie besiedelt fast ausschließlich die Sand- und Kiesstrände der Küsten. Es sind aufrechte, basal verholzende und dort verzweigende Euphorbien mit zahlreichen, fast deckenden, elliptisch bis eiförmigen Blättern. Die Scheindolden sind 3–6-strahlig mit bis zu 9 blattachselständigen Seitenästen.

Wie für Euphorbien typisch werden die Blüten plus Hochblätter der Euphorbia paralias als Cyathium bezeichnet. Der Begriff leitet sich ab von gr. "kyathos" (= Schröpfgefäß) und beschreibt die becherartige Hülle aus Hochblättern unterhalb der Basis der Blüten, die man als "Ersatz" für die fehlenden Blütenblätter sehen kann. Cyathia sind meist grün oder gelblich und eher unscheinbar, bei E. paralias bestehen sie aus nierenartigen Hochblättern. Die Nektarblätter sind honiggelb und mit kurzen Hörnern an den Rändern. Die Früchte sind Kapseln, die jeweils drei Samen enthalten und durch Aufspringen (Ballochorie) die Samen heraus schleudern oder als Ganzes mit dem Wasser (Hydrochorie) fortgespült werden.



Abb. 1 Euphorbia paralias im Spülsaum vor dem Retamal der Isla Canela, Spanien, 31.10.2013, 0 m, 37° 10' 52 N, 07° 24' 10 W Abb. 2 Euphorbia paralias mit den 3–6-strahligen Blütendolden und zusätzlichen achselständigen Seitenästen. Strand bei Torre Salinas, Muravera, Sardinien, 22.10.2016, 4 m, 39° 22' 02 N, 09° 35' 58 O

Abb. 3 Blüte von Euphorbia paralias mit den nierenförmigen Hochblättern und den 2 honiggelben Nektardrüsen, die kurze Hörner am Rand aufweisen. Strand bei Torre Salinas, Muravera, Sardinien, 22.10.2016, 4 m, 39° 22' 02 N, 09° 35' 58 O Abb. 4 Scheindoldiger Blütenstand der Euphorbia paralias, Villa Real de Santo Antonio, Portugal, 31.10.2013, 0 m, 37° 10' 15 N, 07° 24' 38 W

Abb. 5 Blätter von Euphorbia paralias in den Dünen bei Villa Real de Santo Antonio, Portugal, 31.10.2013, 0 m, 37° 10' 31 N, 07° 25' 22 W Abb. 6 Euphorbia paralias am Surfer-Strand bei El Medano, Teneriffa, Spanien, 12.04.2009, 6 m, 28° 02' 19 N, 16° 32' 38 W


Die Abgrenzung der Euphorbia paralias von den zahlreichen Arten der oft schwierigen Gattung ist relativ einfach, wenn man den Standort der Pflanzen und den aufrechten, beinahe steifen Habitus betrachtet. Feine Details wie die Nektardrüsen, Oberflächenstruktur der Kapseln und Anatomie der Samen sind mit Lupe zu erkennen und helfen mit einem Bestimmungsbuch bei schwierigen Differenzierungen.

Wahrscheinlich geht der Gattungsname Euphorbia L. auf den um Christi-Geburt lebenden, mauretanischen König Juba II. zurück, der Harz und Pflanzen der Euphorbien, wahrscheinlich der E. mauritanica L., nach seinem Leibarzt Euphorbos benannte. Es erscheint möglich, dass in der alten Medizin E. paralias als Abführmittel genutzt wurde, was sich heute noch im englischen Volksnamen ausdrückt: Sea-Spurge, vom mittelenglischen "purge" (= abführen). Das Epitheton paralias stammt von gr. "paralia" (= Strand, Küste), auch im Neugriechischen.

Abb. 7 Euphorbia paralias am Strand bei Argelès sur Mer, Frankreich, 16.10.2005, 2 m, 42° 34' 49 N, 03° 02' 42 W Abb. 8 Euphorbia paralias in den Dünen des Praia do Guincho, Portugal, 15.10.2009, 22 m, 38° 43' 34 N, 09° 28' 30 W

Abb. 9 Aufrechter Wuchs der Euphorbia paralias in den Dünen bei Villa Real de Santo Antonio, Portugal, 31.10.2013, 0 m, 37° 10' 15 N, 07° 24' 39 W Abb. 10 Euphorbia paralias in den Dünen bei Villa Real de Santo Antonio, wie Abb. 4, Portugal, 31.10.2013, 0 m, 37° 10' 15 N, 07° 24' 38 W


Euphorbia paralias sind architektonisch ansprechende Pflanzen für das Sukkulentenbeet, den Steingarten oder das Alpinum. Da es nur wenig Erfahrung mit dieser Art im mitteleuropäischen Freiland gibt, kann über Anforderungen hinsichtlich Kultur und Winterhärte nur spekuliert werden. Ein sonniger und möglichst warmer Standort, eventuell mit leicht haliner Umgebung wären anzudenken.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Guardia, G. G. 1988: Flores Silvestres de Andalucia. – Editorial Rueda, Alcorcon (Madrid), 404 S.
Polunin, O. 2006: Flowers of Greece and the Balkans. – Oxford University Press, Oxford, New York, 592 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Euphorbia paralias. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/euphorbia-paralias.html am Tg.Mo.Jahr.

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