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Lycopus europaeus L.
Gewöhnlicher Ufer-Wolfstrapp, Lamiaceae (= Labiatae) - Lippenblütler
Sommer- bis Herbstblüher, VII–IX, 20–100(–200) cm hoch, mehrjährig, sommergrün

Der Gewöhnliche Ufer-Wolfstrapp tritt in Mitteleuropa verbreitet bis gemein auf, in einigen Regionen der Ber Bergänder zerstreut. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch-westasiatisch, in Australien und Nordamerika ist die Art eingebürgert. Als Nässezeiger bevorzugt er stehende und fließende Gewässer, Flussufer, Gräben, Überschwemmungsbereiche und feuchte Wegränder. Die Pflanzen wachsen aufrecht und bilden unterirdische Ausläufer, können mithin an idealen Standorten dichte Bestände bilden. Die Laubblätter sind charakteristischerweise grob gesägt bis fiederlappig, die unteren am Grund oft fiederteilig. Die weißen Blüten stehen in dichten Scheinquirlen. Auf den Blütenlippen finden sich kleine violette Punkte. Die Kelchzähne sind bis 2,5 mm lang, länger als die Kelchröhre und behaart. Die Pflanzen sind geruchslos.


Abb. 1 Blüten des Lycopus europaeus in Scheinquirlen und tief gesägte, teils fiederteilige Blätter, Neusustrum, Emsland, 15 m, 52° 52' 54 N, 07° 13' 47 O Abb. 2  Standort des Lycopus europaeus an einem Kolk (Moortümpel), wie Abb. 1 bei Neusustrum, Emsland, 15 m, 52° 52' 54 N, 07° 13' 47 O

Abb. 3 Fruchtkapseln des Lycopus europaeus mit den verbleibenden, langen Kelchzähnen. An einem Heideweiher in der Wahner Heide bei Troisdorf-Altenrath, 26.10.2014, 105 m, 50° 51' 47 N 07° 10' 02 O Abb. 4 Bestand des Lycopus europaeus in einem Graben des Wäldchen auf Langeoog, 8 m, 53° 44' 22 N, 07° 28' 49 O

Abb. 5 Blüten von Lycopus europaeus mit violetten Pünktchen, wie Abb. 4, Graben des Wäldchen auf Langeoog, 23.07.2014, 8 m, 53° 44' 22 N, 07° 28' 49 O Abb. 6 Massenbestand des Lycopus europaeus an einem Wegrand am Oberlauf der Wipper bei Marienheide, 01.08.2017, 373 m, 51° 05' 22 N, 07° 33' 44 O

Abb. 7 Gesägte Laubblätter des Lycopus europaeus an einem Wegrand am Oberlauf der Wipper bei Marienheide, 01.08.2017, 373 m, 51° 05' 22 N, 07° 33' 44 O


Seine ursprüngliche Bedeutung als Heilpflanze hat Lycopus europaeus mittlerweile verloren. Nur selten wird er noch bei Fehlfunktionen der Schilddrüse oder der Brustdrüse genutzt. Bei längerfristiger, therapeutischer Anwendung kann es nämlich zum Wachstum der Schilddrüse kommen.

Etymologisch ist die Benennung der Art nicht eindeutig. Der Gattungsnahme Lycopus stammt, ähnlich dem der Gattung Lycopodium L. (= Bärlapp), aus dem Griechischen und heißt "Wolfsfuß", beziehungsweise "Wolfsfüßchen", nach gr. "lycos" (= Wolf) und gr. "pous" (= Fuß). Der deutsche als auch lateinische Name könnten sich auf die Morphologie der oberen Blätter beziehen, die einer Wolfsfalle ähneln, in der die Tiere sich mit den Pfoten verfangen, engl. trap (= Falle). Denkbar wäre auch ein Benennungsmotiv nach der therapeutischen Anwendung, da der Gewöhnliche Ufer-Wolfstrapp in der Behandlung der Schilddrüsen-Überfunktion eingesetzt wurde. Diese "Drüsenerkrankungen" wo auch Lycopus europaeus zum Einsatz kam, wurden als "Wolfserkrankungen" bezeichnet: "Lupus Ozoena scrophulosa" (Fuchs 1840: 512). Lat. lupus (= Wolf), als Ausdruck der "zehrenden" Krankheitsprozesse. Eine derartige etymologische Aufschlüsselung erscheint wahrscheinlicher als das morphologische Motiv, wenn man das Verständnis von Krankheitsprozessen in vergangenen Zeiten berücksichtigt.

Lycopus europaeus ist im Garten eine einfach zu kultivierende Art, die einen feuchteren Standort bevorzugt. Da L.europaeus gerne Ausläufer bildet, sollten diese kontrolliert werden. Eine schmale Rhizomsperre (etwa 30 cm tief) reicht wohl dafür aus.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Fuchs, C. H. 1840: Die krankhaften Veränderungen der Haut und ihrer Anhänge, in nosologischer und therapeutischer Beziehung dargestellt. Bd. 1. – Dieterichsche Buchhandlung, Göttingen, 324 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Lycopus europaeus. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/lycopus-europaeus.html am Tg.Mo.Jahr.

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