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Melampyrum pratense L.
   einschließlich Melampyrum commutatum A. Kern.
Gewöhnlicher Wachtelweizen, Wiesen-Wachtelweizen, Scrophulariaceae - Braunwurzgewächse
                                                                       auch: Orobanchaceae - Sommerwurzgewächse
Ende Frühsommerblüher, VI–IX, 10–50 cm hoch, sommergrün, einjährig

Der Wiesen-Wachtelweizen tritt in Mitteleuropa überwiegend verbreitet bis gemein auf, aber in trockeneren Mittelgebirgen selten. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch-westsibirisch, in den gemäßigten Breiten. Bevorzugt werden Gebüschsäume, Wegränder, Heiden, Moore oder lichte Wälder besiedelt. Meist findet man ihn nicht auf Kalk. Die Pflanzen sind Halbparasiten; sie betreiben zwar Photosynthese, schmarotzern aber auch an anderen Pflanzen. Die Stängel sind verzweigt und zeigen einen Dimorphismus mit wenigen Ästen im Frühsommer, aber vielen Ästen im Herbst; zudem nimmt die Verzweigung mit zunehmender Höhenlage ab. Die Laubblätter sind gegenständig, breit lanzettlich, ganzrandig, nach oben hin am Grund mit einzelnen Zähnen. Die Blüten stehen in einseitswendigen, lockeren Trauben und haben lanzettliche Hochblätter, die ganzrandig sind oder am Grund mit 1–3 Zähnen. Die Blütenkronen sind gelblich-weiß, selten purpurfarbig tingiert, bis 2 cm lang und mit gerader Röhre. Die Kelchblätter sind deutlich kürzer als die Hälfte der Krone.

Manche Autoren spalten die ssp. commutatum (A. Kern.) C. E. Britton als eigenständige Art Melampyrum commutatum ab; diese zeigt weiße Kronen mit hellgelber Spitze, gelegentlich etwas rötlich.

Die Samen des Kamm-Wachtelweizens tragen an einem Ende ein ölhaltiges Anhängsel (Elaiosom = Ölkörper), welches Ameisen anlockt und so die Ausbreitung der Samen fördert. Wegen der halbparasitären Eigenschaft ordnen manche Autoren die Art in die Familie der Orobanchaceae ein.



Abb. 1 Pflanze des Melampyrum pratense ssp. commutatum mit weißer Kronröhe und hellgelber Spitze an einem thermophiilen Waldrand im Oberfeldbachtal, Remscheid, 10.06.2017, 295 m, 51° 10' 33 N, 07° 16' 56 O Abb. 2 Gelbe Kronen des Melampyrum pratense in einem lichten Laubmischwald am Cluser Bach, Wuppertal-Beyenburg, 21.06.2017, 298 m, 51° 12' 41 N, 07° 16' 15 O

Abb. 3 Laubblätter Melampyrum pratense in einem lichten Laubmischwald am Cluser Bach, Wuppertal-Beyenburg, 21.06.2017, 298 m, 51° 12' 41 N, 07° 16' 15 O Abb. 4 Pflanze des Melampyrum pratense in einem lichten Laubmischwald am Cluser Bach, Wuppertal-Beyenburg, 21.06.2017, 298 m, 51° 12' 41 N, 07° 16' 15 O

Abb. 5 Melampyrum pratense an einem Weg am Ufer der Ennepe bei Ennepetal-Paddenöde, 25.06.2017, 248 m, 51° 16' 27 N, 07° 24' 17 O


Der Gattungsname Melampyrum L. leitet sich ab von gr. "melas" (= finster, unheilvoll, böse) und gr. "pyros" (= Weizenkorn), zu gr. "melampyron" (= Unkraut der Getreideäcker), welches schon vorlinnäisch für die Wachtelweizen genutzt. Das Benennungsmotiv dürfte die Ähnlichkeit der Samenkörner mit jenen des Weizens beschreiben und sich gleichzeitig auf die Schadwirkung des Wachtelweizens bei massenhaftem Auftreten in Getreidekulturen beziehen. die Ähnlichkeit der Frucht mit langen Vogelschnäbeln. Das Epitheton pratense stammt von lat. "pratum" (= Wiese) und bezieht sich auf den Standort der Art, gleichwohl die Art nur selten auf Wiesenstandorten zu finden ist. Das Epitheton commutatum stammt von lat. "commutatus" (= verändert), nach der anderen Blütenfarbe.

Melampyrum cristatum ist ein hübscher Sommerblüher für bodensaure Gehölzpflanzungen oder unter Bäumen. Die zierlichen Pflanzen werten lichte Schattenbereiche auf und imponieren mit langer Blühdauer.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Melampyrum pratense. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/melampyrum-pratense.html am Tg.Mo.Jahr.

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