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Nicandra physalodes (L.) Gaertn.
  synonym: Atropa physalodes L.
                 Boberella nicandra E. H. L. Krause
                 Nicandra minor Hort. ex Fisch.
                 Pentagonia physalodes (L.) Hiern
                 Physalis daturifolia Lam.
                 Physalodes peruviana Kuntze<

Giftbeere, Solanaceae - Nachtschattengewächse
(Nord-)Sommerblüher, VII–X, 30–100 cm hoch, sommergrün, einjährig

Die Giftbeere stammt ursprünglich aus Südamerika (Argentinien und Peru) und ist in Mitteleuropa seit 1782 eingebürgert. Auch auf allen anderen Kontinenten ist die Art inzwischen verbreitet. Ursprünglich wurden die Pflanzen als Zierpflanze angebaut und treten mittlerweile unbeständig in Siedlungsnähe, auf Äckern, an Flussufern, Ruderalstandorten oder Wegrändern auf. In allen Bundesländern finden sich selten bis zerstreut Vorkommen, besonders in den Wärmegebieten.

Die Pflanzen sind einjährig, mit aufrechten, später überhängenden, kantigen, kahlen oder wenig behaarten Stängeln. Die Laubblätter sind eiförmig bis elliptisch, unregelmäßig spitz gelappt bis grob gezähnt, papierartig, wenig behaart oder kahl und mit 1,5–6 cm langen Blattstielen. Die Blüten sind hellblau bis purpur-blau mit weißem Zentrum, glockenförmig, 2–4 cm im Durchmesser und öffnen sich in Mitteleuropa meist nur zur Mittagszeit. Der Kelch ist 0,8–3 cm lang, tief geteilt und bis 4 cm im Durchmesser. Später bilden gelbe oder braune, bis 2 cm große, kugelige Beerenfrüchte mit blass braunen, bis 1,2 mm großen Samen.

In der Volksheilkunde wurden die Pflanzen unter anderem als Sedativum und Hustendämpfer eingesetzt. Die Art ist mehr oder weniger giftig, wobei die Wurzeln die stärkste Toxizität aufweisen sollen.


Abb. 1 Reife Früchte der Nicandra physalodes, ehemaliger Steinbruch Kalwes, Bochum, 04.11.2017, 102 m, 51° 26' 26 N, 07° 16' 21 O Abb. 2 Unreife Früchte in den noch grünen Fruchtkelchen der Nicandra physalodes, ehemaliger Steinbruch Kalwes, Bochum, 04.11.2017, 102 m, 51° 26' 26 N, 07° 16' 21 O


Abb. 3 Schwarz-violett und grün gefärbte, aufgeblasene Fruchtkelche von Nicandra physalodes, ehemaliger Steinbruch Kalwes, Bochum, 04.11.2017, 102 m, 51° 26' 26 N, 07° 16' 21 O Abb. 4 Hellblaue Blütenrkrone von Nicandra physalodes mit weißem Grund. Am Sandufer des Rheins bei Stürzelberg, 06.08.2010, 34 m, 51° 09' 30 N, 06° 50' 06 O


Abb. 5 Pflanze der Nicandra physalodes am Sandufer des Rheins bei Stürzelberg, 06.08.2010, 34 m, 51° 09' 30 N, 06° 50' 06 O Abb. 6 Ab nachmittags schließen sich die Blütenkronen von Nicandra physalodes wieder; ehemaliger Steinbruch Kalwes, Bochum, 04.11.2017, 102 m, 51° 26' 26 N, 07° 16' 21 O


Der Gattungsname Nicandra Adans. geht zurück auf gr. "Nikandros", einem griechischen Arzt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., der sich mit Giftpflanzen beschäftigte. Das Epitheton physalodes stammt von gr. "physallis" (= Blase; Blasenkirsche = Physalis L.) und gr. "-odes" oder "oides" (= -ähnlich), zu "blasenkirschenähnlich", nach den blasig aufgetriebenen Fruchtkelchen der Gattung, die die Früchte umhüllen, ähnlich bei Physalis.

Nicandra physalodes wird schon lange als Zierpflanze in Mitteleuropa angebaut. Sie bevorzugt einen sonnigen, warmen Standort und sät sich zuverlässig auf offenen Böden aus.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Nicandra physalodes. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/nicandra-physalodes.html am Tg.Mo.Jahr.

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