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Ophrys apifera Huds.
  synonym: Ophrys arachnites Lam.
                 Ophrys elatior Paulus
                 Ophrys fuciflora Moench
Bienen-Ragwurz, Orchidaceae - Orchideengewächse
Vollfrühlingblüher, V–VI, 20–40 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Die Bienen-Ragwurz tritt in der Mitte und im Süden Mitteleuropas zerstreut auf, ansonsten ist sie selten oder fehlt Richtung Norden fast ganz. Ihr Verbreitungsgebiet ist europäisch-vorderasiatisch. Bevorzugt werden Trocken- und Halbtrockenrasen, Trockenwälder und Ruderalstandorte besiedelt, ausschließlich auf Kalk.

Die Pflanzen überdauern mit 2 unterirdischen Knollen; aus der einen entspringt im Frühjahr die oberirdische Sprossachse. Jede Saison wird eine neue Knolle gebildet (= Innovations-Wurzelknolle). Die 2–4 Laubblätter sind grundständig, lanzettlich und 6–13 cm lang. Der Blütenstand ist eine lockere Traube mit 3–10 Einzelblüten. Die äußeren Perigonblätter (nach manchen Autoren Kelchblätter) sind rosafarben. Die inneren Perigonblätter (nach manchen Autoren Kronblätter) sind schmal, grünlich bis rötlich und zumeist deutlich kürzer als die äußeren Perigonblätter. Die Lippe ist 3-lappig. Die Seitenlappen haben spitze, behaarte Höcker, der Mittellappen ist durch den umgeschlagenen Rand fast kugelig wirkend, an der Spitze mit meist von vorne nicht sichtbarem, nach hinten umgeschlagenem Anhängsel. Später bilden sich Kapselfrüchte, die beim Eintrocknen längs aufreißen und jeweils tausende feine Samen freigeben.

Die inneren Perigonblätter bilden eine Biene nach und dienen zusammen mit Sexuallockstoffen zur Fernanlockung von Wildbienen (Sexualtäuschblumen), die beim Tänzeln auf der Lippe die Blüten bestäuben. Zusätzlich können auch andere Insekten die Pflanzen erfolgreich bestäuben.


Abb. 1 Blüten der Ophrys apifera in der Galmeiflur, Schlangenberg bei Aachen, 27.06.2009, 263 m, 50° 44' xx N, 06° 14' xx O Abb. 2 Blüte von Ophrys holoserica im Halbtrockenrasen im Naturschutzgebiet Totengrien bei Istein, 10.08.2016, 238 m, 47° 39' xx N, 07° 32' xx O


Der Gattungsname Ophrys L. leitet sich ab von gr. "ophrys" (= Augenbraue, Bergvorsprung, Anhöhe), wobei das Benennungsmotiv nicht eindeutig ist; es könnte sich auf den Standort in collinen bis subalpinen Regionen beziehen. Vorlinnäisch firmierte Ophrys unter der Gattung Orchis L., nach den zwei hodenförmigen Wurzelknollen, die beiden Gattungen gemeinsam sind. Das Epitheton apifera stammt von  lat. "apis" (= Biene) und lat. "-fer" (= -tragend), nach dem bienenähnlichen Muster auf der Lippe.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2020: Ophrys apifera. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/ophrys-apifera.html am Tg.Mo.Jahr.

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