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Ophrys insectifera L.
  synonym: Ophrys muscifera Huds.
Fliegen-Ragwurz, Orchidaceae - Orchideengewächse
Ende Vollfrühlingblüher, V–VI, 15–40 cm hoch, vorsommergrün, mehrjährig

Die Fliegen-Ragwurz tritt in Mitteleuropa selten bis zerstreut auf, mit Schwerpunkt in den kalkhaltigen Mittelgebirgen, einschließlich der Alpen. Richtung Norden und im Flachland fehlt sie fast ganz. Ihr Verbreitungsgebiet ist europäisch. Bevorzugt werden Trocken und Halbtrockenrasen oder lichte Wälder besiedelt, ausschließlich auf Kalk. Die Pflanzen überdauern mit 2 unterirdischen Knollen; aus der einen entspringt im Frühjahr die oberirdische Sprossachse. Jede Saison wird eine neue Knolle gebildet (= Innovations-Wurzelknolle). Die Laubblätter sind meist grundständig, spatelförmig bis lanzettlich, zugespitzt oder abgerundet. Der Blütenstand ist eine lockere Traube mit 2–12 Einzelblüten. Die äußeren Perigonblätter (nach manchen Autoren Kelchblätter) sind grün. Die inneren Perigonblätter (nach manchen Autoren Kronblätter) sind lang und schmal, dunkelbraun, mit 3-teiliger Lippe und einem kahlen, blaufarbigen, fast 4-eckigen Fleck. Später bilden sich Kapselfrüchte, die beim Eintrocknen längs aufreißen und jeweils tausende feine Samen freigeben.

Die inneren Perigonblätter bilden eine Grabwespe nach und dienen zur Fernanlockung von Grabwespenmännchen (Sexualtäuschblumen), die beim Tänzeln auf der Lippe die Blüten bestäuben. Da dies nur bedingt erfolgreich ist, neigt die Fliegen-Ragwurz zur Selbstfertilität.


Abb. 1 Pflanze der Ophrys insectifera in einem Mischwald auf Kalk im Urfttal bei Nettersheim, Eifel, 22.06.2016, 448 m, 50° 30' xx N, 06° 37' xx O Abb. 2 Ophrys insectifera an einem Wegrand Südlage auf Kalk, Bayrischzell, Bayerische Alpen, 16.05.2016, 950 m, 47° 40' xx N 12° 00' xx O

Abb. 3 Blüte der Ophrys insectifera an einem Wegrand Südlage auf Kalk, Bayrischzell, Bayerische Alpen, 16.05.2016, 950 m, 47° 40' xx N 12° 00' xx O Abb. 4 Apikaler Blütenstand von Ophrys insectifera in einem Mischwald auf Kalk im Urfttal bei Nettersheim, Eifel, 22.06.2016, 448 m, 50° 30' xx N, 06° 37' xx O

Abb. 5 Blüte der Ophrys insectifera von der Seite, Mischwald auf Kalk im Urfttal bei Nettersheim, Eifel, 22.06.2016, 448 m, 50° 30' xx N, 06° 37' xx O Abb. 6 Laubblätter von Ophrys insectifera in einem Mischwald auf Kalk im Urfttal bei Nettersheim, Eifel, 22.06.2016, 448 m, 50° 30' xx N, 06° 37' xx O


Der Gattungsname Ophrys L. leitet sich ab von gr. "ophrys" (= Augenbraue, Bergvorsprung, Anhöhe), wobei das Benennungsmotiv nicht eindeutig; es könnte sich auf den Standort in collinen bis subalpinen Regionen beziehen. Vorlinnäisch firmierte Ophrys unter der Gattung Orchis L., nach den zwei hodenförmigen Wurzelknollen, die beiden gemeinsam sind. Das Epitheton insectifera stammt von lat. "insectum" (= Insekt) und lat. "-fer" (= -tragend), nach der Blüte, die eine Grabwespe vortäuscht.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Ophrys insectifera. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/ophrys-insectifera.html am Tg.Mo.Jahr.

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