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Orchis ustulata L.
  synonym: Neotinea ustulata R. M. Bateman, Pridgeon & M. W. Chase
Brand-Knabenkraut, Orchidaceae - Orchideengewächse
Frühling-, Sommerblüher, IV–VIII, 10–80 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Das Brand-Knabenkraut tritt in der Mitte und im Süden Mitteleuropas zerstreut auf, ansonsten ist es selten und fehlt Richtung Norden ganz. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Westeuropa bis Westsibirien. Bevorzugt besiedeln die Pflanzen Trocken- und Halbtrockenrasen, Magerwiesen oder lichte Trockenwälder, überwiegend auf Kalk. Die Pflanzen überdauern mit 2 unterirdischen Knollen, aus der einen entspringen die 5–10 grünen Blätter und die Blütenstände. Die Blüten öffnen sich meist von unten nach oben. Die Laubblätter sind lanzettlich und 3–10 cm lang. Zu Beginn der Blütezeit ist der Blütenstand kegelförmig, später zylindrisch und dicht mit duftenden Blüten besetzt. Im Knospenstadium sind die Blüten schwarzbraun und sehen aus wie verbrannt. Die Kelchblätter bilden einen geschlossenen, dunkelbraunen, später etwas helleren Helm. Die Lippen sind bis 6,5 mm lang , weiß mit wenigen roten Punkten, 3-teilig, deren Mittelteil 2-spaltig ist.

Meist sind die Pflanzen einer Population sehr einheitlich, selten finden sich weiße Blüten. Später bilden sich Kapselfrüchte, die zahlreiche winzige Samen enthalten, die bei ausreichender Taufeuchte und dem Vorhandensein eines Pilzes keimen. Das Brand-Knabenkraut neigt gerne zur Hybridisierung mit anderen Orchideen, die entsprechende Schweirigkeiten bei der Bestimmung bereiten können. Die namensgebenden Wurzelknollen sind immer zu 2, wobei die eine Knolle als Speicherorgan dient und aus der anderen im Frühjahr der oberirdische Spross erscheint. Im Herbst verwelkt die Sprossknolle und im nächsten Jahr erscheint dann aus der Speicherknolle der neue Spross, während die Pflanze eine neue Speicherknolle angelegt hat.


Abb. 1 Blütenstand von Orchis ustulata im Halbtrockenrasen auf dem Badberg, Kaiserstuhl, 20.06.2019, 339 m, 48° 05' xx N, 07° 40' xx O Abb. 2 Blüten von Orchis ustulata im Halbtrockenrasen auf dem Badberg, Kaiserstuhl, 20.06.2019, 339 m, 48° 05' xx N, 07° 40' xx O

Abb. 3 Stängelblätter von Orchis ustulata im Halbtrockenrasen auf dem Badberg, Kaiserstuhl, 20.06.2019, 339 m, 48° 05' xx N, 07° 40' xx O


Der Gattungsname Orchis L. leitet sich ab von gr. "orchis" (= Hoden), nach den zwei hodenförmigen Wurzelknollen. Das Epitheton ustulata stammt von lat. "ustulatus" (= angebrannt), nach den wie angebrannt aussehenden Blütenständen im Knospenstadium.

Das Brand-Knabenkraut ist eine dekorative Staude mit attraktiven Blüten. Wie die meisten Orchideen sind die Pflanzen anspruchsvoll und für den erfahrenen Gärtner zu empfehlen. Man wähle hierfür ausschließlich Zuchtpflanzen, keine Wildentnahmen. Ein sonniger bis halbschattiger Platz mit kalkhaltigem Boden ist ideal.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2020: Orchis ustulata. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/orchis-ustulata.html am Tg.Mo.Jahr.

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