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Orobanche teucrii Holandre
   synonym: Orobanche atrorubens F. W. Schultz.
Gamander-Sommerwurz, Orobanchaceae - Sommerwurzgewächse
Ende Frühsommerblüher, VI–VII, 15–40 cm groß, sommergrün, ein-, mehrjährig

Die Gamander-Sommerwurz ist in Mitteleuropa selten und kommt zerstreut bis selten auf submediterranen Xerothermrasen der Kalkgebiete in den Mittelgebirgen und Alpenraum vor. Im Norden und Osten fehlt sie ganz. Als Vollschmarotzer ist sie auf die Anwesenheit vom Edel-Gamander, Teucrium chamaedrys L., und dem Berg-Gamander, Teucrium montanum L., angewiesen. Die Stängel sind einfach und wenig schuppig mit meist wenigblütigen (5–20), mehr oder weniger dichten, ährigen Blütenständen. Die Einzelblüten sind bis 3 cm lang, hellbraun bis violett, zum Grund hin heller, fast weißlich. Die Narbe ist purpurbraun. Der Kelch ist 2-zähnig mit länglichen, 3-eckigen Zähnen.

Vollschmarotzer wie Gamander-Sommerwurz sind Pflanzen, die kein eigenes Chlorophyll produzieren und daher auf die Ernährung durch die Wirtspflanze angewiesen sind. Bei den Sommerwurzen ist die Spezialisierung auf die Wirtsart relativ ausgeprägt und viele Vollschmarotzer sind nur auf eine Art beschränkt, andere wiederum auf wenige oder mehrere. Bei der Diagnose spielt daher die Wirtspflanze durchaus eine Rolle. Am besten gelingt diese bei voll erblühten Sommerwurzen plus Angabe der (möglichen) Wirtspflanze.

Die Lebensdauer von Orobanche teucrii hängt unter anderem vom Wirt ab. Absterbende Gamander bedingen das Absterben der Sommerwurz. Potentiell sind die Pflanzen jedoch mehrjährig. Nach der Blüte sterben die Sprosse (einschließlich der Speicherknollen?) und produzieren Samen, die sehr lange keimfähig bleiben und bei Anwesenheit von Wirtspflanzen keimen können.


Abb. 1 Blütenstand von (wahrscheinlich) Orobanche teucrii (links), zusammen mit der Großen Händelwurz, Gymnadenia conopsea (L. R. Br.), an einem Waldsaum auf Kalk im Urft-Tal, Eifel, 10.07.2016, 440 m, 50° 30' xx N, 06° 37' xx O Abb. 2 Abgeblühte Orobanche teucrii an einem Waldsaum auf Kalk im Urft-Tal, Eifel, 03.08.2016, 451 m, 50° 30' xx N, 06° 37' xx O

Abb. 3 Die Blüten der Orobanche teucrii haben einen gerade Rücken, der kurz vorm Ende abknickt. Waldsaum auf Kalk im Urft-Tal, Eifel, 03.08.2016, 451 m, 50° 30' xx N, 06° 37' xx O


Der Gattungsname Orobanche L. stammt von gr. "orobos" (Kichererbse) und gr. "agchein" (= würgen, ersticken), nach der in Südeuropa heimischen O. crenata Forssk., die ein wichtiger Kulturschädling von Hülsenfrüchtlern ist. Das Epitheton teucrii bezieht sich auf die Wirtsgattung Teucrium L.

Sommerwurze sind weniger geeignet für eine Gartenkultur.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Orobanche teucrii. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/orobanche-teucrii.html am Tg.Mo.Jahr.

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