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Paris quadrifolia L.
Vierblättrige Einbeere, Melanthiaceae - Germergewächse
           nach anderen Autoren: Trilliaceae - Waldliliengewächse oder Liliaecae - Liliengewächse
Beginn Vollfrühlingblüher, IV–VI, 10–40 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Die Vierblättrige Einbeere ist in Mitteleuropa eher selten. Bevorzugt siedelt sie im Schatten lichter, eher feuchter Mischwälder, wobei kalkhaltige als auch leicht saure Standorte gewählt werden. Meist wächst sie in Gruppen und fällt durch ihren eigenwilligen Wuchs auf: Vier quirlständige Blätter pro Stängel, oberhalb derer sich eine Blüte und später eine Frucht befindet. Anatomisch interessant ist der Aufbau der Blüte. Kelch- (= Sepala) und Kronblätter (Petala) lassen sich nicht unterscheiden und werden daher als Perigonblätter bezeichnet (= Tepala). Diese sind grün und unterschiedlich aufgebaut. Deutlich kann man den Unterschied der Tepala bei der verwandten Paris polyphylla Sm. erkennen: Vier lanzettliche, grüne, äußere und vier gelbliche, fadenförmige, innere Tepala. Ähnlich ist der Aufbau bei P.quadrifolia mit vier äußeren, lanzettlichen und vier inneren, fadenförmigen Tepala. Die Früchte sind dunkel-blau, metallisch, bis 1 cm groß und enthalten zahlreiche braune Samen, die ihre Keimfähigkeit durch Verdauungspassage erhalten. Alle Teile der Pflanzen enthalten für den Menschen toxische Substanzen.


Abb. 1 Paris quadrifolia mit Frucht, 01.08.2012, an der Stolbergbahn, Breinig, 256 m, 50° 44' 48 N, 06° 14' 27 O Abb. 2 Metallisch blaue Frucht der Paris quadrifolia, 01.08.2012, nahe dem Schlangenberg bei Breinig, 278 m, 50° 44' 20 N, 06° 14' 53 O

Abb. 3 Blüte der Paris quadrifolia am Wasserfall Dreimühlen, Nohn, Eifel, 28.05.2014, 392 m, 50° 19' 29 N, 06° 46' 05 O Abb. 4 Gruppe von Paris quadrifolia, 01.08.2012, an der Stolbergbahn, Breinig, 256 m, 50° 44' 48 N, 06° 14' 27 O

Abb. 5 Gegen Ende des Sommers reifen die Samen der Paris quadrifolia, Privatgarten, 13.08.2012 Abb. 6 Paris quadrifolia, 01.08.2012, nahe dem Schlangenberg bei Breinig, 278 m, 50° 44' 20 N, 06° 14' 53 O

Abb. 7 Paris polyphylla im Unterwuchs auf dem Berg Kalamuni, dem Standort des Trachycarpus takil Becc in Uttarakhand, Indien, 14.04.2007, 2.661 m, 30° 02' 11 N, 80° 11' 50 O Abb. 8 Paris quadrifolia auf Kalk, Jakobsberg, Teutoburger Wald, 29.06.2014, 223 m, 52° 02' 01 N, 08° 24' 46 O

Ungeklärt ist das Bennenungsmotiv des Gattungsnamens Paris L. (= Einbeere). Zuerst findet er sich bei J. Bauhin (1650: Historia plantarum universalis III, 34,613) als "Herba Paris". Ob die Etymologie auf lat. "pars" (= Teil, Portion) basiert, als Anspielung auf die zahlgleichen Laub- und Blüten-Blätter, oder auf die mythologische Figur des Paris, dem Sohn des Priamus und der Hecuba, zurückgeht, bleibt ungeklärt. Ein ähnliches Motiv findet man womöglich auch beim Gewöhnlichen Hexenkraut, Circaea lutetiana L., wo die griechische Mythologie in der antiken Namensgebung eine Rolle spielte. Das Epitheton quadrifolia stammt von lat. "quadri-" (= vier-) und lat. "folius" (= -blättrig) und beschreibt die vier Laubblätter.

Paris quadrifolia sind architektonisch ansprechende Pflanzen für den schattigen Garten, als Unterwuchs, in Kombination mit Farnen oder an Feuchtstellen. Oft stellt sich die Etablierung im Garten jedoch als schwierig heraus, da die Pflanzen nach einer oder wenigen Saisons kollabieren. Hilfreich ist ein ähnliches Biotop wie am Naturstandort, frischer Boden mit Mull, feuchte, eher leicht alkalische Bedingungen und nur wenig direkte Sonneneinstrahlung. Eingewachsene Gartenbestände sollten möglichst ungestört bleiben.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Polunin, O. & Stainton, A. 1999: Flowers of the Himalaya. – Delhi Oxford University Press, Calcutta, Chennai, Mumbai, 580 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Paris quadrifolia. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/paris-quadrifolia.html am Tg.Mo.Jahr.

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