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Phyteuma orbiculare L.
  synonym: Rapunculus orbicularis (L.) Mill.
Kugel-Teufelskralle, Kopfige Teufelskralle, Campanulaceae - Glockenblumengewächse
Vollfrühlingblüher, V–VIII, 10–50 cm hoch, (halb-)immergrün, mehrjährig

Die Kugel-Teufelskralle tritt in Mitteleuropa selten bis verbreitet auf, mit deutlichem Schwerpunkt in den kalkhaltigen Mittelgebirgen; im Norden und Südwesten fehlt sie bis auf wenigen Ausnahmen fast ganz. Das Verbreitungsgebiet ist europäisch. Bevorzugt siedeln die Pflanzen auf collinen bis subalpinen Rasen und Moorwiesen, meist auf Kalk. Die unteren Blätter sind lanzettlich, elliptisch oder eiförmig, mehr als 4 mm breit, randständig behaart und lang gestielt. Am Stängel finden sich oft nur wenige Laubblätter. Der Blütenstand ist kugelig, 1–2,5 cm lang, mit blauvioletten Kronen, die zumeist 3 Narben aufweisen. Die Hüllblätter sind ei-lanzettlich und mindestens so lang wie der Blütenstandskopf. In der Fruchtphase elongiert der Blütenstandskopf zumeist und wird zylindrisch.

In der Familie der Glockenblumengewächse gibt es ein paar Gattungen, die auf dem ersten Blick gar nicht wie typische "Glockenblumen" aussehen, wie hier bei den Teufelskrallen. Ähnlich den Sanglöckchen, Jasione L., sind mehrere Blüten zu einem dichten Blütenstand vereint und einzelne "Glockenblüten" sind nicht erkennbar. Dass mehrere Blüten sich zu einem eindrucksvollen Blütenstand "zusammen schließen", ist ein Lockmechanismus der sich auch bei den Korbblütern, Asteraceae, findet. Deshalb werden die Teufelskrallen im Übrigen auch in der Ordnung Asterales, Asternartige, geführt. Die Einzelblüten sind röhrig verlängert, krallenartig gekrümmt und am Grunde verbreitert.


Abb. 1 Stängelblätter des Phyteuma orbiculare in einem Halbtrockenrasen auf dem Badberg, Kaiserstuhl, 29.05.2018, 383 m, 48° 05' 51 N, 07° 41' 00 O Abb. 2 Blütenstände des Phyteuma orbiculare auf einer Wiese im Urft-Tal, Eifel, 22.06.2016, 444 m, 50° 30' 38 N, 06° 37' 17 O

Abb. 3 Stängelblätter von Phyteuma orbiculare auf einer Wiese im Urft-Tal, Eifel, 22.06.2016, 444 m, 50° 30' 38 N, 06° 37' 17 O Abb. 4 Kugeliger Blütenstand des Phyteuma orbiculare in einem Halbtrockenrasen auf dem Badberg, Kaiserstuhl, 29.05.2018, 383 m, 48° 05' 51 N, 07° 41' 00 O

Abb. 5 In der Fruchtphase elongiert der Blütenstand von Phyteuma orbiculare, Halbtrockenrasen auf dem Badberg, Kaiserstuhl, 29.05.2018, 383 m, 48° 05' 51 N, 07° 41' 00 O Abb. 6 Blütenstände von Phyteuma orbiculare in einem Halbtrockenrasen auf dem Badberg, Kaiserstuhl, 29.05.2018, 383 m, 48° 05' 51 N, 07° 41' 00 O


Nicht gesichert ist das Benennungsmotiv des Gattungsnamens Phyteuma L., welcher schon vorlinnäisch gebraucht wurde. Er ist griechischen Ursprungs, gr. "phyteuma" (= Pflanze, Baum, Gewächs) und es bleibt spekulativ, auf welche Art/-en sich das bezog. Das Epitheton orbiculare stammt lat. "orbicularis" (= kreisrund), nach der Form des Blütenstands.

Phyteuma orbiculare eignet sich gut für den Steingarten oder das Alpinum auf neutralen oder kalkhaltigen Böden an sonniger bis halbschattiger Stelle.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Phyteuma orbiculare. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/phyteuma-orbiculare.html am Tg.Mo.Jahr.

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