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Pinguicula grandiflora Lam.
Großblütiges Fettkraut, Lentibulariaceae - Wasserschlauchgewächse
Frühsommerblüher, VI–VII, 10–35 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Das Großblütige Fettkraut stammt aus Nordspanien und den Pyrenäen, wo die Pflanzen in feuchten Felsfluren wachsen. In Mitteleuropa gibt es einen Standort an einem Kalktufffelsen im Siegtal bei Blankenberg, der wahrscheinlich durch Anpflanzung entstanden ist und schon seit mehr als 20 Jahren dort existiert. Der Standort ist tropfnass, beziehungsweise dicht von immer feuchten Moosen bewachsen, in denen das Großblütige Fettkraut ideale Bedingungen vorfindet. Es ähnelt sehr den einheimischen Fettkäutern, Pinguicula alpina L. und P. vulgaris L., besitzt jedoch deutlich größere Blüten mit violetten bis blass blauen Kronblättern. Wie diese ist auch das Großblütige Fettkraut eine fleischfressende Pflanze (Carnivore). Auf der drüsig-klebrigen Blattoberfläche werden kleinere Insekten gefangen und anschließend verdaut. Die Pflanzen am Siegmäander zeigen dies eindrucksvoll und weisen eine ungewöhnlich hohe Zahl an gefangenen Insekten auf.

Wie andere Fettkräuter auch, hat das Großblütige Fettkraut eine grundständige Blattrosette, die bis 16 cm im Durchmesser erreichen kann und aus mehreren, fleischigen, hellgrünen, länglich ovalen Laubblättern besteht. Zum Winter hin ziehen die Pflanzen ein und bilden kleinere Überdauerungsknospen, sogenannte Hibernakel. Die Blüten erscheinen im Sommer, sind mit Sporn bis 3,5 cm lang, mit violetter bis blass-blauer Krone, deren Unterlippenlappen genauso breit wie lang, ausgerandet und überlappend sind. Später bildet sich eine rundliche, hellbraune Samenkapsel.

Abb. 1 Die Population der Pinguicula grandiflora auf dem Kalktuffelsen am Siegmäander ist individuenreich. Blankenberg, NRW, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O Abb. 2 Die Laubblätter von Pinguicula grandiflora sind fleischig, länglichival und hellgrün. Felswand des Siegmäanders bei Blankenberg, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O

Abb. 3 Auf der klebrigen Blattoberfläche der Pinguicula grandiflora werden zahlreiche Insekten gefangen und anschließend verdaut. Der Standort am Kalktuffelsen ist tropfnass. Blankenberg, NRW, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O Abb. 4 Unreife Samenkapsel von Pinguicula grandiflora mit den Resten der violetten Blütenkrone. Felswand des Siegmäanders bei Blankenberg, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O


Der Gattungsname Pinguicula L. war schon vorlinnäisch gebräuchlich und leitet sich ab von lat. "pinguis" (= fett) zum Deminutiv lat. "pinguiculus" (= recht fett). Zwei Benennungsmotiven sind denkbar: die fettig glänzenden, fleischigen Laubblätter oder die Nutzung des Fettkrauts in Nordeuropa, um Milch dicker und wohlschmeckender zu machen. Er umfasste da aber mehrere Gattungen wie beispielsweise Sempervivum L. oder Aizoon L. und nicht exklusiv die Fetthennen, beziehungsweise Mauerpfeffer. Das Epitheton grandiflora stammt von lat. "grandis" (= groß) und lat. "-florus" (= -blütig), zu großblütig, nach den relativ großen Blüten innerhalb der Gattung.

Pinguicula grandiflora sind Liebhaberpflanzen, die anspruchsvoll in der Kultur sind und hervorragend in basische Feuchtarrangements passen.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Polunin, O. & Smythies, B. E. 1997: Flowers of South-West Europe. – Oxford University Press, Oxford, New York, 480 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Pinguicula grandiflora. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/pinguicula-grandiflora.html am Tg.Mo.Jahr.

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