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Xanthium strumarium L. s. l.
Gewöhnliche Spitzklette, Asteraceae (= Compositae) - Korbblütler
Sommerblüher, VI–XI, 15–100 cm hoch, (winter-) sommergrün, (mehr-) einjährig

Die Gewöhnliche Spitzklette ist in Mitteleuropa mit einzelnen Sippen wahrscheinlich heimisch, während andere Sippen als eingebürgert angesehen werden. Diese stammen aus Nordamerika oder Südost-Europa. Bevorzugt werden Krautfluren, Ruderalstandorten und Wegränder besiedelt, manche Sippen findet man eher an den Ufern von Flüssen. Im mitteleuropäischen Klima sind die Pflanzen in der Regel einjährig. Im südlichen und westlichen Europa wächst die Gewöhnliche Spitzklettehäufig an den Küsten, die Pflanzen sind hier auch mehrjährig.

Spitzkletten sind einfach zu erkennende Arten, deren rundliche Fruchtköpfchen (-körper) mit Haken besetzt sind. Nicht auf Anhieb hingegen ist ersichtlich, warum die Arten zu den Korbblütlern gehören. Aber jedes Köpfchen trägt zahlreiche Blüten; die scheinbar einfache Blüte ist ein aus mehreren Einzelblüten zusammengesetzter Blütenstand = Compositae. Der spätere Fruchtkörper ist rundlich, meist länglich, oft behaart und mit Hülldornen besetzt. Je nach Sippe sind nur einige bis alle dieser Hülldornen zum Ende hin hakig gekrümmt. Die Blätter sind meist rhombisch, mit keilförmiger bis herzförmiger Basis, manche sind leicht 3–5-fach gelappt. Auf den Zweigen der Sprosse finden sich oft gepunktete oder strichförmige Zeichnungen, manche Sippen sind ohne oder nur mit undeutlicher Zeichnung.

Die Vielfältigkeit oben genannter Merkmale und das Vorhandensein aller möglichen Übergänge zwischen den Sippen lässt die Einteilung des Xanthium strumarium s. l. in mehrere Arten als nicht konsistent erscheinen. Überwiegend werden daher die ehemals eigenständigen Arten als Unterarten angesehen. Auch diese sind oft nicht sicher zu bestimmen oder weisen "vertauschte" Merkmale auf, beispielsweise die unten abgebildeten Pflanzen von der Isla Canela, die Merkmale gleich dreier Unterarten aufweisen, ssp. albinum, ssp. strumarium und ssp. saccharatum.



Abb. 1 Xanthium strumarium in den Dünen am Strand der Isla Canela, Spanien, 02.11.2013, 1 m, 37° 10' 27 N, 07° 21' 55 W Abb. 2 Xanthium strumarium, Isla Canela, Spanien, 02.11.2013, 1 m, 37° 10' 31 N, 07° 21' 55 W


Abb. 3 Xanthium strumarium ssp. saccharatum am Rheinufer bei Düsseldorf-Himmelgeist, 20.09.2009, 31 m, 51° 09' 48 N, 06° 47' 57 O Abb. 4 Xanthium strumarium ssp. saccharatum am Rheinufer bei Düsseldorf-Himmelgeist, wie Abb. 3, 20.09.2009, 31 m, 51° 09' 48 N, 06° 47' 57 O

Abb. 5 Xanthium strumarium ssp. saccharatum am Rheinufer bei Düsseldorf-Himmelgeist, wie Abb. 3, 20.09.2009, 31 m, 51° 09' 48 N, 06° 47' 57 O Abb. 6 Xanthium strumarium an einem Straßenrand auf der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 09.10.2015, 25 m, 42° 39' 46 N, 18° 04' 17 O

Abb. 7 Fruchtkörper des Xanthium strumarium auf einer Schutthalde der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 05.10.2015, 28 m, 42° 39' 42 N, 18° 04' 00 O Abb. 8 Xanthium strumarium an einem Strand auf der Halbinsel Babin Kuk in Dubrovnik, Kroatien, 09.10.2015, 6 m, 42° 39' 50 N, 18° 03' 51 O


Die Diagnose des Xanthium strumarium s. l. ist einfach, sofern man ein Artverständnis im weiteren Sinne voraussetzt. Bei der Einteilung in Sippen, bzw. Unterarten ergeben sich vielfältige Schwierigkeiten, da Übergänge, Hybriden und Mischformen häufig auftreten. Arten der Kletten-Gattung, Arctium L., sind anhand der Fruchtkörper leicht zu unterscheiden, der wesentlich dichter mit Stacheln besetzt sind. Zur Blütezeit sind die Körbchen der mitteleuropäischen Kletten deutlich rot.

Der Gattungsname Xanthium L. wurde schon vor Linné genutzt, ist in seiner etymologischen Bedeutung aber nicht eindeutig. Eine direkte Ableitung von gr. "xanthos" (= gelb) erscheint nicht schlüssig, da weder die Pflanzen gelb sind, noch diese zur Gelbfärbung genutzt wurden. Möglich wäre eine breitere Bedeutung in der Antike unter Einbeziehung anderer Arten der Carduniae, wie beispielsweise der Färber-Scharte, Serratula tinctoria L., die zur Gelbfärbung genutzt wurde und so das Morphem auf Xanthium übertragen wurde. Das Epitheton strumarium leitet sich ab von lat. "struma" (= Kropf), ist in ihrem Benennungsmotiv ebenfalls nicht eindeutig, könnte sich auf die Fruchtköpfe beziehen, die mit etwas Phantasie einer Struma "entfernt ähnlich" sehen könnten.

Xanthium strumarium sind einjährige Pflanzen in Mitteleuropa oder können als Kübelpflanze gehalten werden. Im Exotengarten sind es durchaus architektonisch ansprechend Pflanzen. Stabile Bestände können sich im Garten halten, wenn man ausreichend offene Flächen hat, wie Alpinum, Steingarten oder Kakteenbeet, wo sich die Bestände über Aussaat selbständig halten.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Xanthium strumarium. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/xanthium-strumarium.html am Tg.Mo.Jahr.

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