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Palmen der warmgemäßigten Höhenlagen
Die Palmen in frostgefährdeten Lagen zwischen 1.500 und 2.200 m bestehen fast ausschließlich aus Trachycarpusarten. Schon die alten Forscher wie Griffith, Gamble, Cowan oder Andersen haben im 17. und 18.ten Jahrhundert große und vielfältige Bestände beschrieben. Zumeist handelt es sich um Trachycarpus fortunei, Trachycarpus takil und Trachycarpus martianus. Viele dieser beschriebenen Exemplare und die meisten Kulturbestände existieren noch heute. Seit den 80er Jahren (Singh, D.K., Noltie, etc.) wurde jedoch ersichtlich, daß in vielen Fällen die Artzuordnung nicht gänzlich korrekt war. So wurden die über zwei Dutzend T. fortunei im botanischen Garten von Darjeeling als T. martinaus beschrieben. Dies nur, weil Beccari 1931 in seiner botanischen Beschreibung für T. fortunei ausführte, daß der Stamm vollständig mit Fasern bedeckt sei. Und da es sich im BG um schlanke Exemplare mit relativ großem Blatt, die sehr früh die Blattscheiden abwerfen handelt, so daß der Stamm bis knapp unter der Krone nackt ist, wurden sie fälschlicherweise T. martianus zugeordnet:

Gänzlich anders dieses ca. 6 m hohe Exemplar von Trachycarpus fortunei, welches schon auf der vorherigen Seite vorgestellt wurde. Es ist zwar von Kletterpflanzen bewachsen, weist jedoch eine (von Kletterpflanzen gedeckte) vollständig erhaltene Faserung des gesamten Stammes auf, so wie es von Beccari 1931 formuliert wurde:

Im selben Bergdorf, unweit der oben gezeigten, deutlich befaserten T. fortunei, findet sich dieses Exemplar mit knapp bis unterhalb der Krone barem Stamm. Anhand dieser beiden Beispiele wird deutlich, daß die Stammfaserung nicht als botanisch verwertbares Merkmal zu nutzen ist, da beide Exemplare unterschiedlicher nicht sein können, aber der selben Art angehören. Beccaris Ausführungen zur Artunterscheidung erscheinen in diesem Punkt nicht valide:

Und ein weiteres, drittes Exemplar einer T. fortunei, die nur einen Steinwurf von den beiden anderen entfernt wächst, findet sich in einem privaten Garten. Deutlich ist die wesentlich krätigere Krone mit größeren Blättern zu erkennen. Alle drei gezeigten Exemplare entstammen n.A. des Forstwirtes aus der selben Saat. Dies dürfte ein deutlicher Hinweis darauf sein, daß unterschiedliche Standortbedingungen, Wässerung, Windschutz, Sonnenstand, Düngung, etc, zur unterschiedlichen Ausprägung von botanischen Merkmalen führen können:

Hier eine weitere T. fortunei, direkt am Haus des Forstwirtes, mit barem Stamm, schütterer Krone und kleinen Blättern mit schätzungsweise 30-40 Segmenten. Im Hintergrund Eucalyptus camaldulensis, Cryptomeria japonica, Engelhardtia spicata, u.a.:

Und eine weitere Standortvariante von T. fortunei, in einem Garten in Darjeeling mit weicherem Blatt, schütterer Krone und ca. 150 cm unterhalb der Krone befasertem Stamm. Dieser Standort befindet sich etwa 300 m höher als die vorherigen drei, ist aber keinesfalls windiger. Alle gezeigten Exemplare sind eine Art, Differenzen des Erscheinungsbildes ergeben sich aus einem Zusammenspiel von Standortbedingungen und genetischer Prägung:

Neben den vorgestellten T. fortunei gibt es noch T. martianus, die reichlich in öffentlichen Parks und privaten Gärten kultiviert wird. Diese verlieren in jedem Fall frühzeitig ihre Stammfasern und haben ein deutlich größeres Blatt als T. fortunei mit regelmäßigerem Einschnitt der Segmente. Sie sind gut differenzierbar von T. fortunei und T. takil durch die ovale Saat. Zumeist tragen sie eine schüttere Krone, gleichwohl diese auch in der reniformen Gruppe in Abhängigkeit von Standortbedingungen auftreten kann:

Auch diese Exemplare am berühmten Windamere Hotel weisen ein großes, relativ gleichmäßig eingeschnittenes Blatt auf. Botanisch wurden diese beiden T. martianus als T. takil fehlgedeutet und in neuerer Zeit als T. "Oreophilus" oder T. "Sikkimensis" beschrieben. Alleine nur, daß diese Standortvariante von T. martianus einwenig breitere Segmente aufweist als die Art, reicht nicht für eine Artdefinition.

Ebenfalls eine T. martianus, hier als Jungpflanze. Stammfaserung, Blattscheiden, Stammform, Segmentanzahl und Form des Blattes sind identisch mit "T. Sikkimensis". Die leicht breiteren Segmente als Artdefinierung heranzuziehen ist ein geringfügigerer Unterschied, als er zwischen den Ökotypen T. martianus 'Nepal' und T. martianus 'Khasya' besteht, welche sich immerhin in 2 botanischen Merkmalen unterscheiden: Blattform und Saatfarbe:

Ein adultes Exemplar der Tr. martianus 'Sikkim' mit regelmäßigem Blatteinschnitt, raschem Verlust der Stammfaserung, spärlicher Krone, typischem Blütenstand. Lediglich die Blattsegmente sind etwas breiter und daher an einigen Stellen adhärent. Es ist evident, daß dies eine Unterart doer Standortvariante (T. martianus 'Sikkim') repräsentiert, der einer Spontanmutatation gefolgt ist und keine neue Art darstellt:


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