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Update der Exotenpflanzung in Leverkusen-Rheindorf, Anfang März
Mit zwei Monaten Abstand und den sich langsam erwärmenden Temperaturen ist eine weitere Begehung des Rheindorfer Exotenprojekts am 03.03.2009 vorgenommen worden. Denn mittlerweile dürften erste Schadensresultate deutlicher sichtbar sein, als bei den ersten Begehungen am 07.01.2009 und am 13.01.2009. Zwar werden auch jetzt erstmal nur vorläufige Ergebnisse festzustellen sein, aber diese Zwischenresultate dürften von Interesse für den Exotengarten sein, da sie Hinweise auf das Überleben und die Winterhärte bestimmter Exoten geben können.

Aus optischen Gründen sind bereits vor ein bis zwei Wochen erste Pflegemaßnahmen an den Exoten innerhalb des Projekts vorgenommen worden. Da geschädigte Pflanzen das Straßenbild beeinträchtigen sind diese zum Teil zurückgeschnitten worden. So wurden sämtliche Palmen vom Fachbereich Stadtgrün der Stadt Leverkusen durch Abschneiden aller alten und geschädigten, braunen Blätter mit desinfizierten Werkzeugen getrimmt und an sämtlichen Schnittstellen vorbeugend mit einer Chinosollösung behandelt.



Ausschließlich bei der einzigen Chamaerops (leichter Winterschutz durch übergeworfene Kokosmatte und Mulch) ließen sich bei zwei Stämmen bisher Speere ziehen. Um die entstandenen "Stammlöcher" in nächster Zeit vor Feuchtigkeit zu schützen, wurde über der Palme ein Dach errichtet. In die entstandenen "Stammlöcher" wurden gemörserte Chinosoltabletten gegeben.





Von den 16 im Jahre 2004 gepflanzten Trachycarpi erlitten 15 leichte bis mittlere Blattschäden. Das 16. Exemplar unterscheidet sich vom Morphotypus her von allen anderen durch eine Stammansatzverdickung, einen besonders dicken Stamm und besonders große Blätter. Das Exemplar erschien wegen vorgenannten Merkmalen allen Beteiligten bereits bei der Lieferung als hervorstechend "attraktiv" und wurde deshalb als zweifellos "Schönstes" für die nördliche Straßenseite ausgewählt. Aufgrund vielfacher, über Jahre durchgeführter Messungen stellt dieser Standort, geschützt vor Nord- und Nordostwinden in kalten, sternenklaren Winternächten den wärmsten sämtlicher Trachcarpi-Standorte der Wupperstraße dar, der zudem durch überdurchschnittliche Sonneneinstrahlung begünstigt ist. Da dieser Trachycarpus trotzdem als einziger "2004er" Schäden der Stufe 3 (beinahe vollständige Defoliation) aufweist, ist zu fragen, ob der Morphotyp für die im Verhältnis zu den übrigen 15 Exemplaren offensichtlich wesentlich geringere Frosthärte ursächlich sein könnte. Sollte der Trachycarpus überleben, wäre eine noch genauere Untersuchung seiner äußeren Merkmale sicher interessant.




Im Übrigen lässt sich sagen, dass die beiden auf dem Kreisel (durch dünnen Flies um die Blätter leicht geschützt) gepflanzten sowie das kreiselnächst gepflanzte und völlig ungeschützte Exemplar die meisten Blattschäden aufwies (völlig offen für nördliche und östliche Kaltwinde, also die sog. "Frischluftschneisen" der Wupperstraße). Siehe Abb. folgend sowie erste Abb.






Bei den wenig geschädigten 15 Palmen ist ein Ableben unwahrscheinlich, beim 16. Exemplar das Überleben fraglich. Sämtliche 16 Exemplare wurden vom Sponsor der "Rheindorfer Palmen", der Firma OBI Gartenparadies Leverkusen bezogen und stammen aus Norditalien.














Interessant dürfte auch die Beobachtung sein, dass es bei den 2006 gepflanzten Trachycarpi deutlich stärkere Schäden gab. Diese entstammen einer Pflanzung im Freiland in einem norditalienischen Tal, bei einem Pflanzenhändler nahe der großen Seen. Dieses im Winter vollständig beschattete Tal war Anfang 2005 noch tief eingeschneit. Bei der Lieferung besaßen sie im Verhältnis zu den "2004ern" bedeutend weniger Wurzeln. Ihr Erscheinungsbild ist durch relativ dünne Stämme, kleine Blätter und kurze Blattstiele bei lichten Kronen gekennzeichnet. Alle vier Exemplare weisen Schäden der Stufe 2 und 3 auf, bei einem Exemplar ist sogar der Speer braun, lässt sich aber bislang (noch) nicht ziehen. Das Überleben der drei schwerstgeschädigten "2006er" Palmen ist möglich, aber keinesfalls sicher. Der vierte Trachycarpus (der kleinste des 3er-Tuffs vor dem Heilpädagogischen Heim, Abb. unten) wurde beim Sponsor der Rheindorfer Palmen, der Firma OBI Gartenparadies Leverkusen, als dort geschäftsübliche Ware erworben. Er weist praktisch keine Winterschäden auf (ebenfalls nur Mulch), was wegen der direkten Nachbarschaft zu den zwei schwerstgeschädigten Pflanzen äußerst frappierend ist und einmal mehr eindrucksvoll belegt, dass verschiedene Exemplare derselben Palmengattung große Unterschiede bei der Winterhärte aufweisen können, jedenfalls soweit Vorkulturen und Wurzelmassen unterschiedlich sind. Zwei weitere Exemplare mit über zwei Meter großen Stämmen derselben "2006er" Lieferung, die in einem Rheindorfer Privatgarten unmittelbar neben einem beheizten Gebäude gepflanzt wurden, weisen ähnlich starke Winterschäden auf.







Die erst im Juli 2008 gepflanzte Jubaea chilensis wurde durch Umwickeln mit einer 10 Meter langen Kokosmatte (Sonderanfertigung) bis zu einer Höhe von ca. 2m umwickelt, der darüber liegende Teil blieb schutzlos. Der Wurzel- und untere Stammbereich wurde mit dickem (ca. 50 cm hoch) Mulch geschützt. Bei der Pflanze ist ein rund 85–90 prozentiger Blattverlust durch die Kälteeinwirkung festzustellen. Die Pflanze wurde mit größter Sorgfalt so zurückgeschnitten, dass jedes auch nur möglicherweise überlebensfähige Blatt und jede Fieder erhalten bleibt und im erhofften Falle eines Neuaustriebs für Photosynthese zur Verfügung stehen könnte. Die vier jüngsten Speere sind bislang in ihren untersten Bereichen (ca. 40 cm) grün geblieben (wahrscheinlich unter der Schneeschicht innerhalb des Kokosmattenschutzes), was Hoffnung für einen Neuaustrieb macht. Die Einschätzung des Initiators der "Rheindorfer Palmen" sowie der örtlichen und überörtlich um Einschätzung gebetenen Fachleute vor Ort ist, dass die Palme im Stamm durch die Frosteinwirkung nicht abgestorben sein sollte. Problematisch für die Jubaea war offensichtlich, dass sich diese vor dem "rheinischen Extremfrost" in keiner Weise etablieren konnte. Hierfür wird üblicherweise ein Zeitraum zwischen 5 und 10 Jahren angenommen. Unabhängig davon geben die eingetretenen Schäden Anlass, die Frage der Kälteverträglichkeit von Jubaea chilensis völlig neu zu diskutieren. Frostverträglichkeitsangaben von unter –14 °C dürften nach diesem Kaltwinter aufgrund vieler Negativerfahrungen in Deutschland, der Niederlande, Belgien und nicht zuletzt auch in Rheindorf zumindest ab sofort überholt und fortan unvertretbar sein. Womit in keiner Weise ausgedrückt sein soll, dass Jubaea chilensis eine Frostverträglichkeit von –14 °C aufweisen soll, vielmehr deutet einiges auf eine noch geringere Frostverträglichkeit hin. Inwieweit eine definitive Frosttoleranzgrenze gezogen werden kann, bleibt weiteren Beobachtungen und Diskussionen überlassen.





Die beiden seit 2006 gepflanzten Olea europaea weisen erhebliche Verfärbungen der Blätter auf, die erst in der vergangenen Woche mit zunehmender Erwärmung und Temperaturen von bis zu +14 °C und teilweisem Sonnenschein zutage traten. Das Überleben der Pflanzen ist fraglich.





Völlige Defoliation ist bei der im vergangenen Jahr juvenil gepflanzten Cordyline australis festzustellen. Ein Neuaustrieb erscheint bei fester Stammbasis möglich, muss aber abgewartet werden.



Buchstäblich in sich zusammengefallen ist die 2006 gepflanzte Agave americana, die völlig weich war und bis zum Stumpf zurückgeschnitten wurde. Ob sich aus dem Wurzelwerk Kindel entwickeln können, ist möglich. Auch hier wird der weitere Verlauf zu beobachten sein. Dasselbe gilt für Agave gentryi. Der User eines deutschen Internet-Forums, der die Agave mit Bild gezeigt hatte, diese allerdings nicht namentlich identifizieren konnte, berichtete jüngst, dass es ihm ebenso ergangen sei. Ein erstes Ergebnis dieses "Extremwinters" dürfte sein, dass Agave gentryi bei Temperaturen jedenfalls unter –15 °C definitiv nicht winterhart ist.



Sämtliche übrigen Agaven im Sukkulentenbeet des östlichen Kreisels weisen bislang offenbar keinerlei Schäden auf. Die Pflanzengewebe sind fest, obwohl sie erst im Spätherbst des vergangenen Jahres gepflanzt wurden und keinerlei Schutz, auch nicht gegen Nässe, erhielten. Keine oder kaum Winterschäden sind bislang auch bei Yucca rostrata, Yucca treculeana, Yucca gloriosa 'Variegata' ersichtlich, mit denen ebenso verfahren wurde. Bei Yucca recurvifolia, Yucca gloriosa und Yucca flaccida waren ohnehin keine größeren Schäden zu erwarten.





Positiv fällt auf, dass die im vergangenen Jahr als winterhart erworbenen, erstaunlich großen drei Opuntien (wahrscheinlich Opuntia engelmannii) die extreme Winterkälte dieses Jahres ohne jeden Schutz im Sukkulentenbeet des östlichen Kreisels überlebt zu haben scheinen.

Ob und inwieweit Feige (Ficus carica), Wein (Vitis vinifera) und Kiwi (Actinidia deliciosa) Schäden erlitten, wird sich erst im weiteren Frühjahr zeigen.


Alle Photos Frank Krings.


Zitiervorschlag: Lorek, M. & Eckloff, A, F. 2009: Update der Exotenpflanzung in Leverkusen-Rheindorf, Anfang März. – http://www.tropengarten.de/Botanik/leverkusen2.html am xx.xx.20xx.


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