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Campanula rotundifolia L.
Rundblättrige Glockenblume, Campanulaceae - Glockenblumengewächse
Beginn Frühsommerblüher, V–VII, 10–30(–60) cm hoch, sommergrün, zwei-, mehrjährig

Die Rundblättrige Glockenblume ist in Mitteleuropa häufig. Sie siedelt gerne an nährstoffarmen, auch trockenen und kalkhaltigen Standorten und man trifft sie daher an Wegesrändern, Waldsäumen, Magerrasen, auf älteren Bauwerken, an Ruderalstellen, Geröllfluren oder in Heidegesellschaften - eine sehr standortvariante Art. Meist sind die Pflanzen vom Wanderer erst zur Blütezeit zu entdecken und dann wundert man sich, warum die Art als rundblättrige Pflanze etabliert wurde, denn zur Blüte trägt Campanula rotundifolia vorwiegend lanzettliche bis linealische Stängelblätter. Die grundständigen Blätter sind besonders an trockenen Standorten zur Blüte meist schon verwelkt. Aber genau diese sind es, die der Art den Namen gaben: sie sind gestielt, nierenförmig bis rundlich.

Abb. 1 Campanula rotundifolia auf einer Mauer zwischen Ernst Ludwig Haus und Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe, Darmstadt, 21.06.2014, 182 m, 49° 52' 34 N, 08° 40' 00 O Abb. 2 Campanula rotundifolia in den Felsen vom "Eierkopf" in den Weinbergen bei Dorsheim, Rheinland-Pfalz, 15.08.2015, 137 m, 49° 55' 50 N, 07° 52' 50 O

Abb. 3 Standort der Campanula rotundifolia nahe dem Portal vom Ernst Ludwig Haus, heute Museum Künstlerkolonie Darmstadt, Mathildenhöhe, Darmstadt, 21.06.2014 Abb. 4 Campanula rotundifolia auf dem Hundsheimer-Berg, Ostösterreich, 21.09.2009, 336 m, 48° 07' 25 N, 16° 55' 59 O

Abb. 5 Grundständig finden sich rundliche Blätter bei der Campanula rotundifolia, Mauer auf der Mathildenhöhe, Darmstadt, 21.06.2014, 182 m, 49° 52' 34 N, 08° 40' 00 O Abb. 6 Zur Blütezeit sind die unteren, rundlichen Blätter der Campanula rotundifolia meist schon verwelkt, Mauer auf der Mathildenhöhe, Darmstadt, 21.06.2014, 182 m, 49° 52' 33 N, 08° 40' 01 O

Abb. 7 Polymorphie der Stängelblätter der Campanula rotundifolia, nahe dem Reinhartzshof im Hohen Venn, Eifel, 12.08.2012, 526 m, 50° 36' 22 N, 06° 10' 22 O Abb. 8 Campanula rotundifolia auf einer Mauer am Ernst Ludwig Haus auf der Mathildenhöhe, Darmstadt, 21.06.2014, 182 m, 49° 52' 34 N, 08° 40' 01 O


Die blauen Glückenblüten erscheinen zu Beginn des Frühsommers. Sie werden bis 2 cm lang, stehen in Rispen und sind meist aufrecht. Die Kronblätter sind etwa Zweidrittel verwachsen. Campanula rotundifolia ist eine sehr formenreiche Art, von der zahlreiche infraspezifische Taxone beschrieben wurden. Immerhin ist sie fast über die gesamte Nordhalbkugel verbreitet und tritt mit zahlreichen, oft kleinräumigen Morphotypen auf, die teilweise nicht konsistent beschrieben sind. Insofern ist die Gliederung der Art sicherlich nicht ausreichend geklärt. Die in Westdeutschland seltene C. baumgartenii Becker wird von manchen Autoren als C. rotundifolia var. baumgartenii (Becker) Nyman gesehen. Beide Taxone sind schwer zu unterscheiden. Campanula baumgartenii macht Ausläufer und hat bis in den Blütenstand gleichmäßig verteilte Laubblätter, die breiter als jene der C. rotundifolia sind.

Der Gattungsname Campanula L. leitet sich von lat. "campana" (= Glocke) ab und beschreibt die Form der Blüte. Das Epitheton rotundifolia stammt von gr. "rotundus" (= rund) und lat. "-folius" (= -blättig) und bezieht sich auf die Form der früh verwelkenden Grundblätter.

Abb. 9 Untere Stängelblätter der Campanula rotundifolia am Wegesrand, nahe dem Reinhartzshof, Hohes Venn, Eifel, 12.08.2012, 526 m, 50° 36' 22 N, 06° 10' 22 O Abb. 10 Campanula rotundifolia, wie Abb. 9, nahe dem Reinhartzshof, Hohes Venn, Eifel, 12.08.2012, 526 m, 50° 36' 22 N, 06° 10' 22 O


Abb. 11 Reichblütige Campanula rotundifolia am Wegesrand, Nutscheid, Neuenhähne, Bergisches Land am 29.07.2013, 296 m, 50° 50' 36 N, 07° 32' 00 O Abb. 12 Blüte der Campanula rotundifolia am Wegesrand auf dem Kahlenberg, beim Selscheder Kalkbuchenwald, Sundern, Sauerland, 20.07.2014, 408 m, 51° 18' 43 N, 08° 02' 00 O

Abb. 13 Campanula rotundifolia am Wegesrand am Schlangenberg bei Breinig, nahe Aachen, 01.08.2015, 263 m, 50° 44' 16 N, 06° 14' 37 O Abb. 14 Blüte der Campanula rotundifolia, Schlangenberg bei Breinig, nahe Aachen, 01.08.2015, 263 m, 50° 44' 16 N, 06° 14' 37 O

Abb. 15 Individuenreiche Population der Campanula rotundifolia in einer Felswand am Siegmäander bei Blankenberg, NRW, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O Abb. 16 Poylmorphie der Laubblätter von Campanula rotundifolia. Felswand am Siegmäander bei Blankenberg, NRW, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O

Abb. 17 Campanula rotundifolia kann aus einem Wurzelstock zahlreiche Sprossachsen bilden. Eine Pflanze in einer Kalksteinwand bei Urft-Steinfeld im Urft-Tal bei Nettersheim, Eifel, 10.08.2016, 444m, 50° 30' 46 N, 06° 36' 05 O Abb. 18 Campanula rotundifolia in einer Natursteinmauer im Schloss Ehreshoven im Aggertal, 01.11.2016, 110 m, 50° 58' 26 N, 07° 20' 37 O


Campanulae rotundifoliae sind hübsche Sommerstauden mit attraktiven, blauen Blüten. Sie tolerieren magere, trockene und heiße Standorte. Ebenso werden kalkhaltige als auch saure Böden akzeptiert, kurzum: filigrane Pflanzen für Staudenbeete, mediterrane Pflanzungen oder im Steingarten. Ansprechend sind Kombinationen mit Opuntien oder anderen Xerophyten.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Campanula rotundifolia. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/campanula-rotundifolia.html am Tg.Mo.Jahr.

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