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Goodyera repens (L.) R. Br.
Kriechendes Netzblatt, Orchidaceae - Orchideen
Ende Vollfrühlingblüher, VI–VIII, 10–25 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Das Kriechende Netzblatt ist zirkumpolar verbreitet von borealen bis in warm gemäßigte und meridionale Regionen. In Mitteleuropa ist es selten, tritt zerstreut, aber regional etwas gehäuft in lichten Nadel- und Nadelmischwäldern auf. Als Kulturfolger profitiert es von der forstwirtschaftlichen Zunahme der Nadelwälder und besiedelt oberflächlich trockene, entkalkte Rohhumusböden. Höhere Konzentrationen von Stickstoff führen zum Rückgang der Art, weswegen sie in dichter besiedelten Gebieten und Luv-Lagen meist fehlt. Es ist die einzige immergrüne Orchidee in Mitteleuropa. Die Pflanzen sind mehrjährig und breiten sich über das verzweigende, kriechende Rhizom aus. Bodenständig bilden sich Blattrosetten aus 3–8 spitz eiförmigen Laubblättern mit typischer, meist heller Netzaderung, was für einkeimblättrige Pflanzen sehr ungewöhnlich ist. Aus der Rosette entspringt der traubige Blütenstand, der nicht spiralig wie bei Spiranthes Rich. ist. Die Blüten sind weiß, außen dicht drüsenhaarig mit 4 mm langer Lippe, die hinten nauchig und vorne spitz zulaufend ist. Später bilden sich ei-rundliche Streukapseln mit zahllosen, fast staubartigen, winzigen Samen.

In idealen Nadelholzforsten, besonders lichten Fichtenforsten können die Pflanzen sehr zahlreich sein. Dies hängt mit der Ausbreitung über das Rhizom zusammen, die sehr lebhaft ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Orchideen bilden die Pflanze keine Knollen, sondern überwintern als Geophyt und sind besonders in der kalten Jahreszeit gut auf dem Waldboden zu entdecken.


Abb. 1 Blattrosetten der Goodyera repens in einem Kiefern-Fichtenforst im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O Abb. 2 Netzaderung der Goodyera repens in einem Kiefern-Fichtenforst im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O

Abb. 3 Kolonie der Goodyera repens in einem Kiefern-Fichtenforst im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O Abb. 4 Noch unreife Fruchtkapseln von Goodyera repens, Kiefern-Fichtenforst im Urft-Tal, Eifel, 26.09.2015, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O

Abb. 5 Weiße Blüten der Goodyera repens in einem Kiefern-Fichtenforst im Urft-Tal, Eifel, 03.08.2016, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O Abb. 6 Im Gegensatz zur Herbst-Drehwurz, Spiranthes spiralis (L.) Chevall., die einen ähnlichen, aber spiraligen Blütenstand hat, ist jener von Goodyera repens mehr oder weniger einseitswendig. Urft-Tal, Eifel, 03.08.2016, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O

Abb. 7 Goodyera repens wächst bevorzugt in Bereichen mit geringer Vegetationsdeckung, wie im Schatten von Fichten. Urft-Tal, Eifel, 03.08.2016, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O Abb. 8 Außenseitig sind die Blüten der Goodyera repens mit Drüsenhaaren besetzt. Kiefern-Fichtenforst im Urft-Tal, Eifel, 03.08.2016, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O

Abb. 9 Wenn die Vegegationsdecke zunimmt, wird Goodyera repens oft unterdrückt. Wie hier gegen Wald-Bingelbingelkraut, Mercurialis perennis L.,  und dem Kalk-Blaugras, Sesleria caerulea (L.) Ard., jedoch können sich die Pflanzen gut durchsetzen. Urft-Tal, Eifel, 03.08.2016, 448 m, 50° 30' 29 N, 06° 37' 27 O



Der Gattungsname Goodyera R. Br. wurde zu Ehren von  John Goodyer 1591–1664, einem englischen Pflanzensammler, etabliert. Das Art-Epitheton repens stammt von lat. "repens" (= kriechend) und beschreibt den kriechenden Habitus der Pflanzen.

Goodyera repens sind kleine, immergrüne Bodendecker, die einen Platz im Halbschatten oder lichten Schatten unter Nadelbäumen bevorzugen.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Goodyera repens. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/goodyera-repens.html am Tg.Mo.Jahr.

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