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Hyacinthoides non-scripta (L.) Rothm.
Atlantisches Hasenglöckchen, Hyacinthaceae - Hyazinthengwächse
                                             auch: Asparagaceae - Spargelgewächse
Spätfrühlingsblüher, IV–VI, 15–40(–50) cm hoch, vorsommergrün, mehrjährig

Das Atlantische Hasenglöckchen ist im Nordwesten Deutschlands an seiner östlichen Verbreitungsgrenze und kommt verstreut in Eichen-Hainbuchenwäldern oder anderen lichten Laubmischwäldern vor. Es zeigt alte Waldbestände an, in dessen dichter Humus- und Laubschicht ein Konkurrenzvorteil besteht, da es dicke Schichten verrottenden Materials im Frühjahr problemlos durchdringt. Im Winter und Frühjahr sind hohe Niederschläge wichtig, Überschwemmung wird aber kaum toleriert, weshalb man Hyacinthoides non-scripta nicht in regelmäßig überfluteten Auwäldern findet. Noch vor der Belaubung der Baumschicht im Frühjahr treibt H. non-scripta aus und blüht dunkel blau. An Standorten mit hoher Dichte bilden sich dann prächtige, blaue Farbenteppiche.


Abb. 1 Einseitsweniger Blütenstand der Hyacinthoides non-scripta, bei Doveren, Niederrhein, 04.05.2013, 58 m, 51° 02' 19 N 06° 14' 48 O Abb. 2 Bestand von Hyacinthoides non-scripta, wie Abb. 1, Doveren, Niederrhein, 04.05.2013, 58 m, 51° 02' 19 N 06° 14' 48 O

Abb. 3 Blauer "Teppich" von Hyacinthoides non-scripta, bei Doveren, Niederrhein, 04.05.2013, 60 m, 51° 02' 16 N 06° 14' 50 O Abb. 4 Verwilderte Hyacinthoides non-scripta, beziehungsweise H. ×massartiana an einer Straßenböschung, bei Wuppertal-Vohwinkel, 12.04.2014, 261 m, 51° 12' 48 N 07° 10' 58 O

Abb. 5 Verwilderte Hyacinthoides ×massartiana mit unterschiedlichen Blütenfarben, Wuppertalsperre, 20.05.2013, 255 m, 51° 10' 57 N, 07° 18' 23 O Abb. 6 Pflanzen der Hyacinthoides non-scripta mit weißem Perigon bei Doveren, Niederrhein, 04.05.2013, 58 m, 51° 02' 20 N 06° 14' 45 O


Als Zwiebelpflanze überwintert Hyacinthoides non-scripta mit bis zu 1,5 cm großen Zwiebeln, aus denen im Frühjahr 3–6 grundständige, lineale Blätter wachsen. Der traubige Blütenstand trägt einseitswenige (nach einer Seite stehende, beziehungsweise geneigte), dunkelblaue Glockenblüten. Manchmal finden sich auch hellblaue oder weiße Sippen. Typischerweise trägt das Perigon (Perigon, weil sich Kelch- und Kronblätter nicht unterscheiden lassen) am Ende einen zurückgerollten Zipfel.

Der Gattungsname Hyacinthoides Fabr. leitet sich von gr. "hyakinthodes" (= hyazinthenartig) ab und begründet sich darin, dass H. non-scripta früher zur Gattung Hyacinthus L. gerechnet wurde. Das Art-Epitheton non-scripta bedeutet lat. "non scriptus" (= nicht geschrieben) und gilt als Abgrenzung zur Gattung Hyacinthus, die in Ovids Werk "Metamorphosen" mit schriftzeichenähnlichen Merkmalen auf den Perigonblättern beschrieben wird, während Hyacinthoides non-scripta diese nicht trägt.

Hyacinthoides non-scripta ist die einzige einheimische Art der Gattung in Deutschland. Gelegentlich finden sich verwilderte Pflanzen des Spanischen Hasenglöckchens, H. hispanica (Mill.) Rothm. oder die Hybriden (H. ×massartiana Geerink) beider Arten. Die Abgrenzung zu H. non-scripta kann manchmal schwierig sein. Hyacinthoides non-scripta hat deutlich dunklere Blüten, bei H. hispanica und H. ×massartiana sind die Blütenstände meist nicht einseitswendig sondern mehr oder weniger radiär symmetrisch und die Blüten sind oft heller.

Abb. 7 Hellblütige Hyacinthoides ×massartiana in einem Massenbestand des Bärlauchs, Allium ursinum L., in der Urdenbacher Kämpe bei Düsseldorf, 41 m, 51° 07' 07 N 06° 52' 34 O Abb. 8 Blüten der Hyacinthoides non-scripta an einer weitestgehend einseitswendigen Traube in einem Privatgarten

Abb. 9 Zahlreich im zeitigen Frühjahr austreibende Blätter der Hyacinthoides non-scripta in einem nordwestlich exponierten Mischwald im unteren Rurtal, zwischen Glimbach und Kofferen, 22.02.2015, 87 m, 50° 59' 36 N 06° 17' 57 O Abb. 10 Frisch austreibende Blätter der Hyacinthoides non-scripta in einem Mischwald im unteren Rurtal, zwischen Glimbach und Kofferen, 22.02.2015, 88 m, 50° 59' 37 N 06° 17' 55 O

Abb. 11 Frühlingstriebe der Hyacinthoides non-scripta zusammen mit Arum maculatum L. in einem Mischwald im unteren Rurtal, zwischen Glimbach und Kofferen, 22.02.2015, 92 m, 50° 59' 44 N 06° 18' 02 O


Als Gartenpflanze wird Hyacinthoides non-scripta schon lange genutzt. Sie mag halbschattige Stellen oder lichten Schatten, am besten in einem Gehölzbeet mit exotischen Pflanzen. Auch Staudenbeete sind ein möglicher Pflanzort. Yucca- und Kakteenpflanzungen sind weniger geeignet, da das Atlantische Hasenglöckchen keine kalkhaltigen Böden toleriert und an niedrigen pH gebunden ist, der für Sukkulenten oft wenig empfehlenswert erscheint. Weiße und helbblaue Sorten sind ebenfalls erhältlich. Hybriden und Spanische Hasenglöckchen sind etwas robuster als die Art, aber nicht so geruchs- und farbintensiv wie H. non-scripta.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Hyacinthoides non-scripta. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/hyacinthoides-non-scripta.html am Tg.Mo.Jahr.

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