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Narthecium ossifragum (L.) Huds.
Moor-Ährenlilie, Beinbrech, Liliaceae (Nartheciaceae) - Liliengewächse (Stabliliengewächse)
Hochsommerblüher, VII–VIII, 10–30 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Die Moor-Ährenlilie ist in Mitteleuropa selten und besiedelt fast ausschließlich saure Feuchtheiden, Moorbäche und Moore. In Deutschland bevorzugt sie die feuchteren, atlantisch geprägten Regionen und fehlt nach Süden und Osten hin. Ganzjährig ist sie auf Feuchtigkeit und Licht angewiesen und verschwindet mit Trockenlegung oder Verbuschung der Biotope. Auch die früher häufigen Standorte auf feucht-magerem Grünland sind weitgehend verschwunden. Da die Moor-Ährenlilie sich über den Wurzelstock ausbreitet, kann sie bei günstigen Bedingungen jedoch relativ gut Areale wieder besiedeln und stabile Bestände neu aufbauen. Der Wurzelstock ist relativ dünn und die Pflanzen haben keine Zwiebeln. Ähnlich der Gattung Iris L.sind die Blätter reitend und schmal lineal. Die Blüten stehen in endständigen Trauben an unverzweigten Stängeln und haben sechs gelbe Kronblätter. Zum Spätsommer hin bilden sich dunkelorangerote Kapselfrüchte, die lange an den Pflanzen verbleiben.

Traditionell wurde die Moor-Ährenlilie in die große Familie der Liliaceae s. l. (Liliengewächse)* eingeordnet. Phylogenetische Untersuchungen haben jedoch dazu geführt, dass Narthecium ossifragum aus dieser heterogenen Familie ausgegliedert wurde und eine eigene Familie, die Stabliliengewächse (Nartheciaceae), erhielt. Stabliliengewächse deshalb, weil N. ossifragum die Typusart der Familie ist. Gleichzeitig ist es die einzige Art der Familie, die in Deutschland vorkommt.


Abb. 1 Blütenstände von Narthecium ossifragum, Wahner Heide am 30.06.2013, 88 m, 50° 52' 22 N, 07° 09' 57 O Abb. 2 Habitus von Narthecium ossifragum mit schlanken, linealen Blättern, wie Abb. 1, Wahner Heide am 30.06.2013, 88 m, 50° 52' 22 N, 07° 09' 57 O

Abb. 3 Massenbestand des Narthecium ossifragum zusammen mit dem Scheiden-Wollgras, Eriophorum vaginatum L.,  an einem Moorweiher in der Hildener Heide bei Düsseldorf, 07.07.2015, 86 m, 51° 10' 58 N, 06° 57' 53 O Abb. 4 Individuenreicher Bestand des Narthecium ossifragum, wie Abb. 3, an einem Moorweiher in der Hildener Heide bei Düsseldorf, 07.07.2015, 86 m, 51° 10' 58 N, 06° 57' 53 O

Abb. 5 Dicht wollig behaarte Staubfäden von Narthecium ossifragum, Nutscheid, Neuenhähne, Bergisches Land am 29.07.2013, 305 m, 50° 50' 27 N, 07° 32' 06 O Abb. 6 Narthecium ossifragum mit reichlich Fruchtständen an einem Moorweiher, wie Abb. 3 in der Hildener Heide bei Düsseldorf, 27.07.2014, 86 m, 51° 10' 58 N, 06° 57' 53 O

Die Abgrenzung der Narthecium ossifragum von anderen einheimischen Arten ist einfach und ohne Probleme möglich, betrachtet man die unverzweigten Stängel, die schmalen Blätter, die dicht wollig behaarten Staubfäden der Blüten und natürlich das Habitat der Pflanzen.

Der Gattungsname Narthecium Huds. hat eine nicht eindeutige Herkunft. Möglich ist eine Ableitung von gr. "narthekion" (= kleine Latte, Stab) in Bezug auf den aufrechten, unverzweigten Stängel. Ebenfalls in Betracht kommt ein Anagramm des Autors Hudson mit der Gattung der Graslilien, Anthericum L., da beide Gattungen ähnliche morphologische Merkmale aufweisen. Das Epitheton ossifragum bedeutet lat. "os" (= Knochen) und "frangere" (= brechen) und findet sich im deutschen Artnamen Beinbrech wieder. Vielfach wird als Erklärung gebracht, dass Weidevieh auf sauren, feuchten Weiden, wo auch das N. ossifragum wächst, unter erhöhtemn Knochenfraktur-Risiko leidet, weil angeblich die Kalziumzufuhr vermindert sei.

Abb. 7 Blütenstand von Narthecium ossifragum mit von unten nach oben sukzessive sich öffnenden Blüten, Nutscheid, Neuenhähne, Bergisches Land am 29.07.2013, 305 m, 50° 50' 27 N, 07° 32' 06 O Abb. 8 Blütenstand von Narthecium ossifragum zusammen mit der Glockenheide, Erica tetralix L., an einem Moorweiher in der Hildener Heide bei Düsseldorf, 07.07.2015, 86 m, 51° 10' 58 N, 06° 57' 53 O

Abb. 9 Bestand des Narthecium ossifragum mit reichlich Fruchtständen, Nutscheid, Neuenhähne, Bergisches Land am 29.07.2013, 305 m, 50° 50' 27 N, 07° 32' 06 O Abb. 10 Fruchtstand des Narthecium ossifragum, Moorweiher in der Hildener Heide bei Düsseldorf, 27.07.2014, 86 m, 51° 10' 58 N, 06° 57' 53 O


Narthecium ossifragum sind zweifellos sehr dekorative Pflanzen, welche durch die Blüte und die hübschen, lange an den Pflanzen verbleibenden Kapselfrüchte bestechen. Für feuchte, saure oder neutrale Stellen im Garten, als Teichrandbepflanzung oder im Moorbeet eine unverzichtbare Art, sofern N. ossifragum sonnig steht. Schattige Standorte werden nicht vertragen.


* s. l. = sensu lato, im weiteren Sinne. Als Gegensatz zu s. str. = sensu stricto, im engeren Sinne

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jagel, A. & Sumser, H. 2012: Narthecium ossifragum. – Moorlilie (Nartheciaceae), Blume des Jahres 2011. – Jahrb. Bochumer Bot. Ver., 3, 246–250.<


Zitiervorschlag: Lorek, M. 2015: Narthecium ossifragum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/narthecium-ossifragum.html am Tg.Mo.Jahr.

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