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Ornithogalum umbellatum L.
Breitblättriger Dolden-Milchstern, Hyacinthaceae - Hyazinthengwächse
                                             (auch Asparagaceae - Spargelgewächse oder Liliaceae - Liliengewächse)
Vollfrühlingblüher, IV–VI, 10–30 cm hoch, vorsommergrün, mehrjährig

Der Breitblättrige Dolden-Milchstern ist eine Zwiebelpflanze und tritt Mitteleuropa zerstreut bis verbreitet auf. Ursprünglich ist er eurasische Art, die vor 1.500 n. Chr. in Mitteleruopa eingeführt wurde und sich auch außerhalb der Kulturbestände fest etabliert hat. Dort wo er auftritt, sind es jedoch oft größere Bestände mit vielen Individuen. Parks, Obstwiesen, kalkreiche Lehmäcker, Extensivwiesen in den Bergen oder halbschattige Krautfluren sind typische Standorte. Kalk wird gemieden.

Die Pflanzen bilden reichlich kleine, kugelige Brutzwiebeln, die die Zwiebel den Seiten ausbeulen und im zweiten Jahr austreiben.Die Blütenstängel des Ornithogalum umbellatum sind blattlos, es bilden sich 6–9 grundständige, linealische Blätter. Die weißen Blüten stehen zu 8–15 in traubigen Dolden. Unterseitig des weißen Perigons finden sich breite, grüne Streifen (Perigon deshalb, weil sich Kelch- und Kronblätter nicht unterscheiden lassen). Die linealischen Blätter haben einen mehr oder weniger deutlichen weißen Mittelstreifen.


Abb. 1 Ornithogalum umbellatum, Urdenbacher Kämpe bei Düsseldorf, 39 m, 51° 07' 03 N 06° 52' 37 O Abb. 2 Ornithogalum umbellatum wie Abb. 1, Urdenbacher Kämpe bei Düsseldorf, 39 m, 51° 07' 03 N 06° 52' 37 O

Abb. 3 Gut erkennbare breite, grüne Streifen des Perigons an den noch nicht entfalteten Blüten von Ornithogalum umbellatum, Hammer Deich, Düsseldorf, 13.04.2014, 33 m, 51° 11' 28 N 06° 44' 13 O Abb. 4 Weißes, 6-strahliges Pergion des Ornithogalum umbellatum wie Abb. 3, Hammer Deich, Düsseldorf, 13.04.2014, 33 m, 51° 11' 28 N 06° 44' 13 O

Abb. 5 Ornithogalum umbellatum mit deutlich sichtbarer weißer Mittelstreifung des Blattes, Leuchter Wald zwischen Issum und Alpen, 59 m, 51° 32' 47 N 06° 30' 15 O Abb. 6 Ornithogalum umbellatum wie Abb. 3, Morphotyp mit wenigblütigen Dolden, kleiner Bestand, wahrscheinlich aus Gartenabfällen mitten im Leuchter Wald entstanden, wie Abb. 3, 59 m, 51° 32' 47 N 06° 30' 15 O


Die Abgrenzung Ornithogalum umbellatum von den anderen drei Arten der Gattung ist manchmal schwierig, zumal manche Sippen noch nicht ausreichend geklärt sind. Einfachstes Unterscheidungsmerkmal ist der "schirmförmige" Blütenstand, der sich so bei keinem anderen Ornithogalum L. findet. Der gelegentlich in MItteleuropa kultivierte Zwerg-Milchstern, O. balansae Boiss., ist in allen Teilen kleiner und hat einen 2–5-blütigen Blütenstand.

Der Gattungsname Ornithogalum leitet sich ab von gr. "ornithos" (= Vogel) und gr. "gala" (= Milch), also Vogelmilch. Dies ist eine in der vorlinnéschen Zeit gebräuchliche Bezeichnung mehrerer Arten der Milchsterne. Das Art-Epitheon umbellatum beschreibt den schirmförmigen Blütenstand und stammt von lat. "umbella" (= Schirm).


Abb. 7 Großer Bestand des Ornithogalum umbellatum in den Wiesen des Hammer Deichs, wie Abb. 3, Düsseldorf, 13.04.2014, 33 m, 51° 11' 28 N 06° 44' 13 O Abb. 8 Ornithogalum umbellatum in den Wiesen des Hammer Deichs, wie Abb. 3, Düsseldorf, 13.04.2014, 33 m, 51° 11' 28 N 06° 44' 13 O

Abb. 9 Ornithogalum umbellatum in den Wiesen des Sieg-Deichs bei Troisdorf-Bergheim, 01.05.2014, 51 m, 50° 46' 34 N 07° 06' 44 O Abb. 10 Ornithogalum umbellatum in den Wiesen des Sieg-Deichs bei Troisdorf-Bergheim, 01.05.2014, 51 m, 50° 46' 35 N 07° 06' 46 O

Abb. 11 Abgestorbene Salix in den Weiden der Siegauen bei Troisdorf-Bergheim, 01.05.2014, 50 m, 50° 46' 30 N 07° 06' 55 O



Ornithogalum umbellatum ist eine dekorative Zwiebelpflanze für den Exotengarten. Ursprünglich stammt es wahrscheinlich aus Süd- und Westeuropa bis Vorderasien, wurde aber schon vor der Entdeckung Amerikas, nach Mitteleuropa gebracht = Archeophyt. Ein Indiz für seine exotische Herkunft ist, dass O. umbellatum in Mitteleuropa nur selten Samen ansetzt, sondern weit überwiegend vegetativ durch die Brutzwiebeln von Menschen oder Tieren verbreitet wird. Bestände in Mitteleuropa dürften ausschließlich so entstanden sein, wie jene in Düsseldorf, in den Siegauen oder im Leuchter Wald. Ornithogalum umbellatum toleriert halbschattige Standorte und bringt im späten Frühjahr "Farbe" in den Garten. Nach dem Verblühen ziehen die Pflanzen ein.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Ornithogalum umbellatum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/ornithogalum-umbellatum.html am Tg.Mo.Jahr.

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