Startseite

Osmunda cinnamomea L.
  synonym: Anemia bipinnata (L.) Sw.
                 Osmunda bipinnata L.
                 Osmunda imbricata Kunze
                 Osmundastrum cinnamomeum (L.) C. Presl
                 Struthiopteris cinnamomea (L.) Bernh.
Zimtfarn, Osmundaceae - Königsfarngewächse, Rispenfarngewächse
60–160(–200) cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Der Zimtfarn gehört zu den Dinosaurierfarnen, die schon zur Trias (einem subtropischen Erdzeitalter), vor 180 Millionen Jahren die Erde bevölkerten und seither fast unverändert geblieben sind. Er hat ein ungewöhnlich großes Verbreitungsgebiet über den gesamten amerikanischen Kontinent bis nach Asien. Heutzutage wachsen die Pflanzen bevorzugt an feuchten, bodensauren Standorten wie Sümpfen, Gewässerrändern oder im Unterwuchs temporär überfluteter Wälder.

Die Pflanzen bilden massive, faserige Rhizome, aus denen zahlreiche Wedelschöpfe wachsen. Derart können große Kolonien entstehen, die einen hohen Deckungsgrad aufweisen. Wie für die Gattung der Königsfarne typisch, bildet auch der Zimtfarn separate sterile und fertile Wedel. Sporentragende Wedelabschnitte werden Sporophylle (= "Sporenblätter") genannt, während die nicht sporentragenden Wedel, die nur der Assimilation (Ernährung) dienen, Trophophylle (= "Ernährungsblätter", gr. "trophein" = ernähren) genannt werden. Trophophylle sind steril und besitzen keine Vermehrungsorgane. Sporophylle erfüllen beide Aufgaben, Ernährung und Fertilität. Dieser Dimorphismus der Wedel lässt sich auch bei anderen Farngattungen beobachten, den Mondrauten, Botrychium Sw., beim Straußenfarn, Matteucia struthiopteris (L.) Tod., oder beim Rippenfarn, Blechnum spicant (L.) Roth. Bei den allermeisten anderen Farn-Arten sind die Sporo- und Trophophylle morphologisch sehr ähnlich.

Zuerst erscheinen beim Zimtfarn die fertilen Wedel, die anfänglich grün sind und im Laufe der Saison zimtfarben werden. Nach den Frösten im Herbst oder Winter bleiben die Sporophylle erhalten und überdauern bis zur nächsten Saison. Hingegen bleiben die sterilen Wedel (Trophophylle) grün und sterben nach den ersten Frösten ab. Die Wedelstiele beider Wedeltypen sind etwas kürzer als die Wedelspreiten. Die Trophophylle sind grün, oval bis lanzettlich im Umriss, werden 30–150 cm lang und 15–20 cm breit und haben bis 10 cm lange, tief gekerbte Fiederblätter, was jedoch keine echte 2-fache Fiederung darstellt. Fertile Wedel sind anfänglich grün, werden später braun, sind aufrecht und kürzer, bis 45 cm, und schlanker als die sterilen Wedel.


Abb. 1 Ausrollende Wedel der Osmunda cinnamomea im Frühling in einem Privatgarten, 24.05.2017 Abb. 2 Ausrollende Wedel der Osmunda cinnamomea im Frühling in einem Privatgarten, 24.05.2017

Abb. 3 Die Fiederblätter von Osmunda cinnamomea sind tief gebuchtet, Privatgarten, 24.05.2017


Nicht gesichert ist die Ableitung des Gattungsnamens Osmunda L. Am wahrscheinlichsten basiert er auf dem theophonischen angelsächsischen Namen Osmund, dessen Morphem "Os" (= Gott, Beschützer) sich in zahlreichen Namen wiederfindet, Oswald, Osborn, Astrid, etc. Auf welchen "königlichen" Namen sich Linné letztlich bezog, bleibt zwar unklar, ist aber dennoch eine passende Namenswahl, die sich so auch schon in vorlinnäischer Literatur findet. Das Epitheton cinnamomea stammt von gr. "kinnamomon" (= Zimt), nach dem zimtbraunen Sporophyllen der Art.

Osmunda cinnamomea ist eine uralte Farnspezies, die ausreichend hart für den mitteleuropäischen Garten ist. Sie verträgt Standorte in voller Sonne bis lichtem Schatten. Der Boden sollte feucht sein, sauer und darf auch gerne mal vernässen. Teiche, Bäche oder schwierige Stellen im Unterwuchs wären eine architektonisch gute Wahl. Jungpflanzen benötigen einige Jahre bis sie eine prachtvolle Größe erreicht haben.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Osmunda cinnamomea. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/osmunda-cinnamomea.html am Tg.Mo.Jahr.

© Tropengarten

info@tropengarten.de