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Polystichum setiferum (Forssk.) T. Moore ex Woyn.
Borstiger Schildfarn, Dryopteridaceae - Wurmfarngewächse
30–120 cm hoch, wintergrün, mehrjährig

Der Borstige Schildfarn ist in Mitteleuropa selten und besiedelt die selben Biotoptypen wie Polystichum aculeatum (L.) Roth: Buchenwälder, ahorn- und eschenreiche Mischwälder, die auf instabilen Untergründen (Schuttfächer oder Schluchtwälder) dominieren. Meistens sind es luftfeuchte, schattige Lagen. Die Böden können von kalkhaltig bis leicht sauer schwanken. Kennzeichnend für die Schildfarne, Polystichum Roth, sind die runden, schildförmigen Häutchen (Indusien), die die Sporenhäufchen auf der Farnunterseite bedecken. Die Wedel des P. setiferum sind im Umriss 3-eckig lanzettlich, am Grunde kaum verschmälert und 2–3 gefiedert, wobei die Fiederchen deutlich gestielt sind.

Polystichum setiferum ist ein äußerst dekorativer immergrüner Farn mit feingefiederten Blättern und relativ gut von den drei anderen Arten der Gattung zu unterscheiden. Durch die 2–3-fache Fiederung wirkt er wesentlich graziler als die anderen Arten. Problematisch können Hybriden mit anderen Arten sein, die sich schwierig unterscheiden lassen und Merkmale beider Elternteile aufweisen.

Der deutsche Name Borstiger Schildfarn bezieht sich auf die borstig begrannten Fiederchen (Granne: deutlich abgesetzter borstenartiger Fortsatz) und die schildförmigen, rundlichen Häutchen auf der Unterseite der Fiedern. Der Gattungsname Polystichum Roth. bedeutet gr. "polystichos" (= mit vielen Reihen), was sich vor allem auf die bei P. lonchitis (L.) Roth zahlreichen Fiedern erster Ordnung bezieht, die rechtwicklig zur Blattachse stehen. Das Epitheton setiferum verweist sich wie der deutsche Name auf die Borsten an den Fiedern, lat. "saeta" (= Borste, steifes Haar) und lat. "-fer" (= tragend).

Abb. 1 Freilandexemplae eines Polystichum setiferum 'Pulcherrimum Brevis' in einem Privatgarten bei Putte, Belgien, 30.10.2016 Abb. 2 Wedelrachis mit den fädigen Spreuschuppen beim Polystichum setiferum 'Plumosum Brevis' in einem Privatgarten bei Putte, Belgien, 30.10.2016

Abb. 3 Freilandpflanze des Polystichum setiferum 'Plumosum Brevis' in einem Privatgarten bei Putte, Belgien, 30.10.2016 Abb. 4 Freilandpflanze von Polystichum setiferum 'Green Lace' in einem Privatgarten bei Putte, Belgien, 30.10.2016

Abb. 5 Filigrane und grüngraue Wedel von Polystichum setiferum 'Green Lace' in einem Privatgarten bei Putte, Belgien, 30.10.2016 Abb. 6 Wedelaustrieb des Polystichum setiferum, gut erkennbar die 3-fache Fiederung, Privatgarten

Abb. 7 Die Wedel von Polystichum setiferum sind im Umriss 3-eckig lanzettlich, Privatgarten Abb. 8 Gestielte und ungestielte Fiederchen eines Polystichum ×bicknellii, Privatgarten 22.03.2014

Abb. 9 Aufrechter Neuaustrieb des Polystichum ×bicknellii in den Resten eines Schluchtwaldes im Düsseltal bei Gruiten, 117 m, 51° 13' xx N, 06° 59' xx O Abb. 10 Gestielte Fiederchen und großes unterstes, vorderstes Fiederchen des Polystichum ×bicknellii, Düsseltal bei Gruiten, 117 m, 51° 13' xx N, 06° 59' xx O


Mit einer Endgröße von etwas über 1 m kann Polystichum setiferum prächtige Ausmaße annehmen. Die Winterhärte reicht bis Z 7a, da er zwar ein Farn wärmerer Klimazonen (Kanarische Inseln bis Irland) ist, sein natürliches Verbreitungsgebiet aber vereinzelt bis nach Mitteleuropa reicht. Der mehrköpfige Wuchs mit den überhängenden Fiedern ist ausgesprochen ornamental und P. setiferum kann man zu Recht als einen der schönsten Freilandfarne bezeichnen. Sowohl lichter Schatten als auch Halbschatten werden toleriert, die Ansprüche an den Boden sind gering.

Zahlreiche Sorten und Hybriden mit den ebenso zahlreichen, verschiedensten Arten, auch außer-europäischen, sind im Handel zu erwerben. Ein ganz besonderes Schmankerl unter den immergrünen Freilandfarnen ist die (auch in Naturbeständen auftretende) Hybride Polystichum ×bicknellii (H. Christ) Hahne, eine Kreuzung P. setiferum × P. aculeatum, die fast immer steril ist, aber bei einigen (nicht allen) Sippen einen straff aufrechten Wuchs mit Bildung eines dekorativen Scheinstammes aufweist - natürlich erst bei alten Pflanzen.

Vom Polystichum setiferum gibt es im Gartenhandel eine ganze Reihe hübscher Sorten, die aus Kreuzungen oder Spontanmutationen in der Mikrovermehrung stammen. Bekannte Sorten sind:
- 'Greenlace' mit ausgeprochen schlanken, grüngrauen Fiederblättern und -blättchen, die einen grazilen Habitus mit eleganten Wedeln bewirken.
- 'Plumosum Brevis' mit "flaumartigen", kürzeren Wedeln, die einen eher aufrechten Haibitus bewirken.
- 'Pulcherrimum Brevis' mit kürzeren Wedeln und schmaleren Fiederblättchen, so dass ein eher filigraner, aufrechter Habitus präsentiert wird.
Allen Sorten, auch den noch zahlreichen weiteren, ist gemeinsam, dass sie in der Regel immergrün sind und ausreichend winterhart in Mitteleuropa.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Poppek, M. 2012: Diversität und Verbreitung von Schluchtwäldern (Tilio-Acerion) im Rheinischen Schiefergebirge. – Dissertationsschrift, Universität Koblenz-Landau, 228 S.
Wagenitz, G. 2003: Wörterbuch der Botanik. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, 552 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Polystichum setiferum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/polystichum-setiferum.html am Tg.Mo.Jahr.

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