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Polystichum aculeatum (L.) Roth
Gelappter Schildfarn, Dryopteridaceae - Wurmfarngewächse
30–100 cm hoch, wintergrün, mehrjährig

Der Gelappte Schildfarn tritt in Mitteleuropa verstreut auf und besiedelt ahorn- und eschenreiche Mischwälder, die auf instabilen Untergründen (Schuttfächer oder Schluchtwälder) dominieren. Meistens sind es luftfeuchte, schattige Lagen in Klamm-Schluchten mit hoher Beschattung, aber auch südlich exponierte, wärmere Lagen im Unterwuchs lichter Wälder. Die Böden können von kalkhaltig bis leicht sauer schwanken.

Kennzeichnend für die Schildfarne, Polystichum Roth, sind die runden, schildförmigen Häutchen (Indusien), die die Sporenhäufchen auf der Farnunterseite bedecken. Die Wedel des P. aculeatum sind zweifach gefiedert, wobei die untersten, vordersten Fiederchen (also jene nahe am Blattstiel) deutlich größer als die anderen sind. An den Wedelstielen finden sich dicht papierartige, hellbraune Spreuschuppen. Es handelt sich dabei um kleine, dünne, haar- oder schuppenähnliche Anhängsel der äußeren Zellschicht (Epidermis), besonders an den Stielen der Wedel von Farnen, aber auch an anderen Farnteilen.



Abb. 1 Polystichum aculeatum in einem Hangwald, Nordhang im Lahntal bei Runkel, 143 m, 50° 24' 04 N, 08° 08' 36 O Abb. 2 Wedelunterseite des Polystichum aculeatum, großes vorderes Fiederchen, deutlich sitzende Fiederchen, Lahntal bei Runkel, 143 m, 50° 24' 04 N, 08° 08' 36 O

Abb. 3 Bestand des Polystichum aculeatum zusammen mit Asplenium trichomanes L. auf Kalkstein, Strunde-Tal, Herrenstrunden, Bergisches Land, 23.02.2014, 139 m, 50° 59' 53 N, 07° 10' 00 O Abb. 4 Polystichum aculeatum, am buddhistischen Zentrum im Strunde-Tal, Herrenstrunden, Bergisches Land, 23.02.2014, 139 m, 50° 59' 53 N, 07° 10' 00 O

Abb. 5 Blattunterseite Polystichum aculeatum mit den Sporenhäufchen, in einem Buchenwald, Lenzenberg, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 415 m, 48° 03' 37 N, 07° 39' 21 O Abb. 6 Großes vorderes Fiederchen des Polystichum aculeatum, Lenzenberg, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 415 m, 48° 03' 37 N, 07° 39' 21 O

Abb. 7 Pflanze des Polystichum aculeatum in einem Buchen-Hangwald am Lenzenberg, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 415 m, 48° 03' 37 N, 07° 39' 21 O Abb. 8 An den Wedelstielen finden sich dicht papierartige, hellbraune Spreuschuppen. Polystichum aculeatum, Lenzenberg, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 415 m, 48° 03' 37 N, 07° 39' 21 O

Abb. 9 Polystichum aculeatum im lichten Mischwald, zusammen mit Helleborus viridis L. im Strunde-Tal, Herrenstrunden, Bergisches Land, 08.03.2014, 168 m, 50° 59' 49 N, 07° 09' 22 O Abb. 10 Immergrüner Polystichum aculeatum im Strunde-Tal, Herrenstrunden, Bergisches Land, 08.03.2014, 169 m, 50° 59' 52 N, 07° 09' 22 O

Abb. 11 Wedel des Polystichum aculeatum, Strunde-Tal, Herrenstrunden, Bergisches Land, 08.03.2014, 165 m, 50° 59' 53 N, 07° 09' 20 O Abb. 12 Polystichum aculeatum zusammen mit Helleborus viridis L. im Strunde-Tal, Herrenstrunden, Bergisches Land, 08.03.2014, 168 m, 50° 59' 49 N, 07° 09' 22 O


Die Abgrenzung des Polystichum aculeatum von den anderen drei einheimischen Arten der Gattung ist manchmal schwierig, besonders in Beständen mit Hybridisierung, wo Polystichum ×bicknellii (H. Christ) Hahne, eine Kreuzung P. setiferum × P. aculeatum, auftritt und Merkmale beider Elternteile aufweist. Beim P. aculeatum sind die untersten Fiederchen deutlich größer als die anderen, was bei anderen Arten der Gattung nicht so ausgeprägt ist. Im Gegensatz zum ähnlichen Polystichum setiferum (Forssk.) T. Moore ex Woyn. mit gestielten Fiederchen, hat das Polystichum aculeatum sitzende Fiederchen.

Der Gattungsname Polystichum Roth bedeutet gr. "polystichos" (= mit vielen Reihen), was sich vor allem auf die bei P. lonchitis (L.) Roth zahlreichen Fiedern erster Ordnung bezieht, die rechtwicklig zur Blattachse stehen. Das Epitheton aculeatum stammt von lat. "aculeatus" (= stachelig, scharf). Da P. aculeatum jedoch keine Stacheln oder Dornen besitzt, dürfte sich das Art-Epitheton wohl auf die sichelförmig "zugespitzten" Fiederchen beziehen.


Abb. 13 Aufrechter Neuaustrieb des Polystichum ×bicknellii in den Resten eines Schluchtwaldes im Düsseltal bei Gruiten, 117 m, 51° 13' xx N, 06° 59' xx O Abb. 14 Gestielte Fiederchen und großes unterstes, vorderstes Fiederchen des Polystichum ×bicknellii, wie Abb. 9, Düsseltal bei Gruiten, 117 m, 51° 13' xx N, 06° 59' xx O

Abb. 15 Gestielte und ungestielte Fiederchen eines Polystichum ×bicknellii, Privatgarten 22.03.2014 Abb. 16 Gestielte und ungestielte Fiederchen eines Polystichum ×bicknellii, Privatgarten 22.03.2014

Abb. 17 Pflanze des Asplenium scolopendrium L. zusammen mit Polystichum aculeatum (im Hintergrund rechts) am Strunde-Bach, Strunde-Tal, Bergisches Land, 18.10.2014, 138 m, 50° 59' 51 N, 07° 09' 53 O Abb. 18 Polystichum aculeatum am Strunde-Bach, Strunde-Tal, Bergisches Land, 18.10.2014, 138 m, 50° 59' 51 N, 07° 09' 53 O

Abb. 19 Polystichum aculeatum in einer Kalkfelswand bei Grindelwald, Schweiz, 14.10.2014, 1.829 m, 46° 39' 03 N 08° 02' 41 O Abb. 20 Die Fiederblättchen des Polystichum aculeatum, bei dem es sich auch um eine Hybride mit dem Lanzen-Schildfarn, P. lonchitis (L.) Roth (-> P. ×illyrium (Borbas) Hayek), handeln könnte, Grindelwald, Schweiz, 14.10.2014, 1.829 m, 46° 39' 01 N 08° 02' 41 O

Abb. 21 Wedel des Polystichum aculeatum, Lenzenberg, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 415 m, 48° 03' 37 N, 07° 39' 21 O Abb. 22 Polystichum aculeatum zusammen mit Asplenium scolopendrium in einer steilen Steinbruchwand im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 131 m, 51° 20' 12 N, 06° 57' 01 O

Abb. 23 Polystichum aculeatum zusammen mit Asplenium scolopendrium in einem Hangwald auf Kalk im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 100 m, 51° 20' 14 N, 06° 56' 57 O Abb. 24 Polystichum aculeatum zusammen mit Asplenium scolopendrium in einem steilen Hangwald auf Kalk im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 128 m, 51° 20' 13 N, 06° 57' 02 O


Polystichum aculeatum sind dekorative Farme, die durch den filigranen Wuchs und immergrünen Habitus gut in den Garten passen. Sowohl lichter Schatten als auch Halbschatten werden toleriert, die Ansprüche an den Boden sind gering, wobei kalkhaltiger Grund sicherlich vorteilhaft wäre und der Standort nicht allzu trocken sein sollte.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.
Poppek, M. 2012: Diversität und Verbreitung von Schluchtwäldern (Tilio-Acerion) im Rheinischen Schiefergebirge. – Dissertationsschrift, Universität Koblenz-Landau, 228 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Polystichum aculeatum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/polystichum-aculeatum.html am Tg.Mo.Jahr.

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