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Rhapidophyllum hystrix (Pursh) H. Wendl. & Drude
Nadelpalme, Arecaceae - Palmen
Frühsommerblüher, IV–VIII, bis 3 m hoch, immergrün, mehrjährig

Die aus dem Südosten der USA stammende Nadelpalme ist eine buschige, langsam wachsende Fächerpalme, die bevorzugt in Feuchtgebieten und Sümpfen, im Unterwuchs von Wäldern (Hammocks) oder entlang von Wasserläufen wächst. Der Stamm bleibt gedrungen und wird selten über 0,5 m hoch. Erwachsene Palmen erreichen am Naturstandort eine Endgröße von 3 m, selten mehr. Wie bei der Zwergpalme bilden sich an älteren Exemplaren basale Schößlinge, die zu einem eher buschigen Wuchs führen. Die Blütenstände können einhäusig oder zweihäusig, eingeschlechtig oder zwittrig sein -> Polygamie. Mit nur einer Pflanze ist daher die Bildung keimfähiger Samen möglich.

Abb. 1 Rhapidophyllum hystrix im Highlands Hammock State Park, Florida, 29.01.2009, 26 m, 27° 28' 15 N, 81° 32' 33 W Abb. 2 Rhapidophyllum hystrix im Highlands Hammock State Park, Florida, 29.01.2009, 26 m, 27° 28' 17 N, 81° 32' 35 W

Abb. 3 Rhapidophyllum hystrix im Highlands Hammock State Park, Florida, 29.01.2009, 26 m, 27° 28' 14 N, 81° 32' 38 W Abb. 4 Früchte des Rhapidophyllum hystrix an einem Freilandexemplar in einem Privatgarten im Main-Spitz-Dreieck, 20.09.2008

Abb. 5 Männliche und weibliche Blüten des Rhapidophyllum hystrix in einem Privatgarten, 26.07.2015 Abb. 6 Die Blütenstände des Rhapidophyllum hystrix erscheinen in den oberen Stammpartien und werden meist von den langen Nadeln gechützt, Privatgarten, 26.07.2015


Ihren deutschen Namen hat Rhapidophyllum hystrix von den am Stamm gebildeten, bis 8 cm langen Nadeln, die aus den Fasern an der Blattbasis gebildet werden. Der lateinische Gattungsname Rhapidophyllum H. Wendl. & Drude leitet sich von gr. "rhapis" (= Rute) und gr. "phyllon" (= Blatt) ab. Gemeint ist damit wohl das rutenartige Erscheinungsbild der Blätter, möglicherweise als Kontrast zur Gattung Chamaerops, L. unter der R. hystrix früher eingegliedert war. Eindeutig hingegen ist das Art-Epitheton hystrix, welches von gr. "hystrix" (= Igel, Stachelschwein) stammt und gut die kräftigen Nadeln beschreibt.

Rhapidophyllum hystrix ist die einzige Palmenart, welche seit vielen Jahren (1995) ohne Winterschutz im Tropengarten überdauert hat. Alle anderen Arten sind mittlerweile ohne Schutzmaßnahmen abgestorben, kollabiert oder zu Bonsai verkümmert. Ähnliche Erfahrungen sind in mehreren mitteleuropäischen Gärten mit langfristigen Belegexemplaren gemacht worden. In Zone 7b ist R. hystrix wohl die einzige Art, die man als winterhart betrachten kann. Selbst Trachycarpi sind nur winterhart bis Z 8b. Dennoch bleibt zu beachten, dass die Nadelpalme kein einfacher Exot ist, sondern oft viele Jahre bis zur Etablierung benötigt.

Abb. 7 Querschnitt durch eine Frucht von Rhapidophyllum hystrix wie Abb. 4, Privatgarten, 20.09.2008 Abb. 8 Zwei Rhapidophyllum hystrix-Horste im Freiland des Palmengartens Frankfurt, im Winter mit Schutz, 21.03.2014

Abb. 9 Winterschutz der beiden Rhapidophyllum hystrices wie Abb. 8 im Freiland des Palmengartens Frankfurt, 25.01.2015 Abb. 10 Deutlich sichtbare Winterränder an einem Blatt des Rhapidophyllum hystrix, 16.05.2003, Privatgarten

Abb. 11 Wohl eines der größten Exemplare eines Rhapidophyllum hystrix in Mitteleuropa, Privatgarten bei Rösrath, 07.06.2015 Abb. 12 Auch der einheimische Hirschzungenfarn, Asplenium scolopendrium L., scheint den Rhapidophyllum hystrix zu mögen, Privatgarten bei Rösrath, 07.06.2015


Rhapidophyllum hystrix kommt gut als Einzelpflanze zur Geltung, sie kann auch zur Bepflanzung von Lücken zwischen größeren Exoten genutzt werden, oder sie wird in Gruppen gesetzt, so dass ein niedriger bonsai-ähnlicher "Palmenwald "entsteht. Durch den sehr moderaten Wuchs ist sie hervorragend für kleine Gärten geeignet, benötigt einen halbschattigen bis sonnigen und gut drainierten Standort, am besten mit einem Boden, der sich rasch erwärmt. Feuchtigkeit wird gut toleriert. Auch winterkalte Regionen sind zur Auspflanzung geeignet, sofern ein warmer Standort im Sommer gewählt und winters Schutz angebracht wird. Empfehlenswert ist zudem ein kalkhaltiger Boden, der die Bedingungen am Naturstandort wiedergibt.

Für die Freilandkultur sollte man schon etwas größere Pflanzen wählen, die Schößlinge gebildet haben. Nach manchen Wintern sterben gelegentlich einzelne Stämme ab - besonders die großen und kräftigen neigen dazu. Hat die Pflanze keine Schößlinge, ist sie nach so einer Schädigung in der Regel abgestorben. Durch die Schößlinge ist hingegen das Überleben gesichert und man kann sich auch zukünftig an einer erfolgreich angebauten Nadelpalme erfreuen. Abgestorbene Stämme müssen nicht entfernt werden.

Abb. 13 Das Rhapidophyllum hystrix wie in Abb. 11, Privatgarten bei Rösrath, 07.06.2015 Abb. 14 Pflanze eines Rhapidophyllum hystrix, das seit 1995 im Freiland ohne Schutz in einem Privatgarten überlebt hat, 30.05.2015

Abb. 15 Deutlich sichtbare Nadeln am Stamm eines Rhapidophyllum hystrix der nach dem Winter 2009/10 abgestorben ist, 16.07.2010, Privatgarten Abb. 16 Topfpflanze 40–50 cm des Rhapidophyllum hystrix im 8L-Topf

Abb. 17 Laubblatt des Rhapidophyllum hystrix wie in Abb. 14, Privatgarten, 30.05.2015 Abb. 18 Männliche Blüten des Rhapidophyllum hystrix in einem Privatgarten, 26.07.2015

Abb. 19 Weibliche Blüte des Rhapidophyllum hystrix mit Pseudofrucht, Privatgarten, 11.08.2015 Abb. 20 Männlicher Blütenstand des Rhapidophyllum hystrix im Sommer, Privatgarten, 12.07.2016

Abb. 21 Eines der am längsten in Mitteleuropa ohne Schutz ausgepflanzten Exemplare des Rhapidophyllum hystrix, welches als Same dort Mitte der 1980er Jahre in situ gekeimt ist und seither überlebte, Privatgarten in Tecklenburg, 09.07.2016


Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jones, D. L. 1994: Palmen. – Könemann Verlag, Köln, 409 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Rhapidophyllum hystrix. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/rhapidophyllum-hystrix.html am Tg.Mo.Jahr.

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