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Asplenium scolopendrium L.
Hirschzunge, Aspleniaceae - Streifenfarngewächse
10–60(–100) cm groß, immergrün, mehrjährig

Unverwechselbarer, immergrüner Farn mit nicht geteiltem, ledrigem Blatt und glattem Rand. Die Pflanzen werden 10–60(–100) cm groß und gedeihen oft in der Krautschicht von Schlucht- und Schattenhangwäldern mit Eschen- und Ahornbewuchs. Auch Steinschutt- und Geröllfluren auf Kalkgestein, sowie Felsspalten oder feuchte, kalkhaltige Mauerritzen werden gerne besiedelt. Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland sind die südwestlichen Mittelgebirge, besonders in den wintermilderen Regionen, in anderen Gebieten, besonders dem Flachland oder nördlichen Landesteilen tritt die Hirschzunge sehr verstreut bis gar nicht auf.

Die Zugehörigkeit des Asplenium scolopendrium zu den Streifenfarngewächsen erschließt sich an der Form der Fortpflanzungs-Strukturen auf der Blattunterseite. Diese sogenannten Sporangien (Sporen-Behälter) bilden längliche Haufen, die als parallel zu den Blattgefäßen laufende Streifen (Sori = Sporangien-Gruppe) sichtbar werden. Die Vermehrung erfolgt durch Sporen oder manchmal auch vegetativ.


Abb. 1 Bestand von Asplenium scolopendrium in einer Felswand an der Stolbergbahn, Breinig, 226 m, 50° 45' xx N, 06° 14' xx O Abb. 2 Jungpflanzen von Asplenium scolopendrium, Arboretum Burgholz, Wuppertal, 160 m, 51° 12' xx N, 07° 06' xx O

Abb. 3 Sporangien in Form von Sori auf der Blattunterseite von Asplenium scolopendrium, Kulturpflanze Privatgarten Abb. 4 Pflanze des Asplenium scolopendrium zusammen mit Polystichum aculeatum (L.) Roth. (im Hintergrund rechts) am Strunde-Bach, Strunde-Tal, Bergisches Land, 18.10.2014, 138 m, 50° 59' 51 N, 07° 09' 53 O

Abb. 5 Kultursorte von Asplenium scolopendrium mit gewelltem Blattrand, Privatgarten Abb. 6 Asplenium scolopendrium 'Angustifolium' mit schmalem Blatt, Privatgarten

Abb. 7 Asplenium scolopendrium 'Cristatum' mit Kristatform, Privatgarten Abb. 8 Asplenium scolopendrium 'Furcatum' mit gespaltenem Blatt, Privatgarten



Der Gattungsname Asplenium leitet sich vom Milzfarn, dem Asplenium ceterach L., ab und stammt vom griechischen "splina" (= Milz). Wahrscheinlich ergibt sich der Name Milzfarn aus der (weitgehend ehemaligen) Nutzung bei Milzerkrankungen. Skolopendra ist heute noch das griechische Wort für Tausendfüßer oder Feuerassel. Claudius Aelianus, ein römischer Naturbeobachter und Sprachgelehrter, hat den Namen wahrscheinlich ins lateinische "scolopendra" transkribiert. Inwiefern die Skolopendra nun allerdings auf die Hirschzunge Anwendung findet, bleibt eher rätselhaft, als dass es eine offensichtliche Beschreibung der Morphologie wäre.

Die Kultur der Hirschzunge im Garten ist relativ einfach, wenn man einen eher schattigen, feuchten und kalkhaltigen Standort wählt. Für schwierige Plätze unter Bäumen oder an feuchten Stellen bietet er sich sogar geradezu an, da Asplenium scolopendrium immergrün ist und mit seinen glänzenden, ledrigen Blättern eine architektonische Aufwertung des Gartens bewirkt. Es gibt unterschiedliche Sorten für die Pflanzung im Garten, die Selektion mit gewellten Rändern ist sehr häufig. Auch seltenere Sorten mit schmalem Blatt ('Angustifolium'), Kristatform ('Cristatum') oder gespaltenem Blatt ('Furcatum') sind dekorativ, oft aber empfindlicher als die gewöhnliche Art.


Abb. 9 Pflanze des Asplenium scolopendrium am Strunde-Bach, wie Abb. 4, Strunde-Tal, Bergisches Land, 18.10.2014, 138 m, 50° 59' 51 N, 07° 09' 53 O Abb. 10 Mehrere Exemplare des Asplenium scolopendrium in einer fast vollsonnigen Südwestausrichtung einer Sandstein-Mauer der Waldkaserne in der Hildener Heide bei Düsseldorf, 09.08.2014, 66 m, 51° 10' 17 N, 06° 57' 28 O

Abb. 11 Exemplar des Asplenium scolopendrium in einem nordwestlich exponierten Laubmischwald im unteren Rurtal zwischen Glimbach und Kofferen, 22.02.2015, 93 m, 50° 59' 37 N 06° 18' 03 O Abb. 12 Individuenreicher Bestand des Asplenium scolopendrium in einem östlich exponierten Laubmischwald im Arboretum Liliental, Ihringen, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 321 m, 48° 04' 27 N, 07° 40' 55 O

Abb. 13 Kräftige Pflanzen des Asplenium scolopendrium in einem Laubmischwald im Arboretum Liliental, Ihringen, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 321 m, 48° 04' 27 N, 07° 40' 55 O Abb. 14 Auch solche Wuchsorte scheint der Hirschzungenfarn zu mögen: In einem Rhapidophyllum hystrix (Pursh) H. Wendl. & Drude, Privatgarten bei Rösrath, 07.06.2015

Abb. 25 Polystichum aculeatum zusammen mit Asplenium scolopendrium in einem Hangwald auf Kalk im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 100 m, 51° 20' 14 N, 06° 56' 57 O Abb. 16 Polystichum aculeatum zusammen mit Asplenium scolopendrium in einem steilen Hangwald auf Kalk im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 128 m, 51° 20' 13 N, 06° 57' 02 O

Abb. 17 Polystichum aculeatum zusammen mit Asplenium scolopendrium in einer steilen Steinbruchwand im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 131 m, 51° 20' 12 N, 06° 57' 01 O Abb. 18 Massenbestand des Asplenium scolopendrium in einem Steinbruch im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 128 m, 51° 20' 13 N, 06° 57' 02 O

Abb. 19 Asplenium scolopendrium in einem aufgelassenen Steinbruch im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 131 m, 51° 20' 12 N, 06° 57' 01 O Abb. 20 Asplenium scolopendrium mit gewellten Wedeln in einem steilen Schluchtwald auf Kalksandstein im Vogelsangbachtal, Heiligenhaus, Niederbergisches Land, 20.12.2015, 128 m, 51° 20' 13 N, 06° 57' 02 O

Abb. 21 Im Winter ist die architektonisch auffällige Sorte Asplenium scolopendrium 'Angustatum' ein Blickfang im Schattenbeet, Privatgarten, 22.03.2016 Abb. 22 Etwa 3-jährige Jungpflanze der Sorte Asplenium scolopendrium 'Angustatum' 10–20 cm im 0,5L-Topf, Privatgarten, 22.03.2016



Referenzen
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Wagenitz, G. 2003: Wörterbuch der Botanik. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, 552 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Asplenium scolopendrium. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/asplenium-scolopendrium.html am Tg.Mo.Jahr.

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