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Sabal etonia Swingle ex Nash
Etonia Palmetto, Arecaceae - Palmen
Sommerblüher, V–VIII, bis 150(–350) cm hoch, immergrün, mehrjährig

Sabal etonia ist endemisch in Florida und kommt bevorzugt als Unterwuchspflanze der Sandpinien-Wälder in Zentralflorida und entlang der Atlantikküste vor. Während einige Habitate von S. etonia durch zunehmende Urbanisierung und Landwirtschaft stark geschrumpft oder verschwunden sind, gibt es sowohl im Ocala National Forest als auch in einigen Forsten zwischen Lake Istokpoga und Puntman County noch einen umfangreichen Bestand dieser relativ seltenen Palme.

Merkmale von Sabal etonia sind der zumeist fehlende Stamm und der lange, teilweise unterirdische Wurzelstock, der sich im Laufe der Zeit mehrere Meter "bewegen" kann. Während das rückwärtige Ende in etwa 1 m Entfernung vom Blattschopf langsam abstirbt und verrottet, "läuft" das vordere Ende in S-förmigen Windungen auf der Erde und steigt nur selten als sichtbarer Stamm auf. Sabal etonia unterscheidet sich von der ebenfalls stammlosen S. minor (Jacq.) Pers. durch die deutlich größeren Früchte und Samen. Sabal minor hat zudem kaum oder keine Fäden am Blattrand, während S. etonia diese reichlich aufweist und durch das ausgeprägt costapalmate Blatt gut von S. minor unterscheidbar ist. Der Blütenstand (Spadix) ist mit 2–5 m bei S. minor deutlich größer als bei S. etonia mit nur 0,5–0,8 m oder gelegentlich bis zu 1,20 m. Zudem hat S. etonia ein deutlich costapalmates Blatt, während das Blatt von S. minor flach und weitestgehend "in einer Ebene" bleibt und nicht oder nur gering costapalmat ist.

Es gibt Berichte über mögliche Hybriden der Sabal etonia mit anderen Sabal-Arten, beispielsweise S. palmetto. Weitere Sabal-Arten.

Abb. 1 Pflanze der Sabal etonia im Ocala National Forest, Florida, 30.01.2009, 21 m, 29° 12' 47 N, 81° 58' 06 W Abb. 2 Sabal etonia in einer Strauchgesellschaft im Ocala National Forest, Florida, 30.01.2009, 21 m, 29° 12' 49 N, 81° 58' 06 W

Abb. 3 Hastula einer Sabal etonia im Ocala National Forest, Florida, 30.01.2009, 21 m, 29° 12' 49 N, 81° 58' 06 W Abb. 4 Fruchtstand von Sabal etonia, Ocala National Forest, Florida, 30.01.2009, 21 m, 29° 12' 49 N, 81° 58' 06 W

Abb. 5 Schwarze, reife Früchte an einer Sabal etonia, Ocala National Forest, Florida, 30.01.2009, 21 m, 29° 12' 49 N, 81° 58' 07 W Abb. 6 Tyische Sabal etonia ohne oberiridischen Stamm in einem Privatgarten in Lake Placid, Florida, 28.01.2009

Abb. 7 Deutlich costapalmates Blatt der Sabal etonia im Ocala National Forest, Florida, 30.01.2009, 21 m, 29° 12' 49 N, 81° 58' 04 W Abb. 8 Wahrscheinliche Hybride von Sabal etonia × palmetto in einem Privatgarten in Lake Placid, Florida, 28.01.2009

Abb. 9 Stammbildung der möglichen Hybride von Sabal etonia × palmetto, Privatgarten in Lake Placid, Florida, 28.01.2009 Abb. 10 Lange und deutlich erkennbare Fäden an der Lamina einer Sabal etonia im Ocala National Forest, Florida, 30.01.2009, 21 m, 29° 12' 49 N, 81° 58' 06 W


Der Gattungsname Sabal Adans. ist etymologisch ungeklärt, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach einer karibischen Sprache entlehnt sein. Das Art-Epitheton etonia verweist auf das Etonia Buschland in Florida, wo das Typusexemplar gesammelt wurde.

Berichte über die Frosttoleranz von Sabal etonia gibt es nur sehr wenige. Dies liegt einerseits an der geringen Verfügbarkeit von Samen und Pflanzen sowie an der zwergigen Wuchsform, die diese Art für die Kultur in warm gemäßigten oder subtropischen Zonen wenig interessant im Vergleich zu stammbildenden Arten macht. Aus Gärten in Zentralflorida ist bekannt, dass Exemplare dort bis zu –6 °C ohne Schaden aushalten. Dies entspricht Z 8b (Alachua-County) bis 10 b (Miami-Dade) des Naturstandortes. In Gärtnereikatalogen oder Internetquellen finden sich Angaben bis Z 7b oder –14,9 °C. Inwiefern dies realistische für Mitteleuropa Abgaben sind, ist bisher nicht überprüft, denn aus Mitteleuropa sind nur ganz wenige Einzelbeobachtungen bekannt. Bei etwa –17 °C ist im Tropengarten ein Exemplar ohne geteilte Blätter erfroren. Ob dies die tatsächliche Frostgrenze darstellt, bleibt ungeklärt.

Für eine Freilandkultur ist ähnlich anderer Arten des Genus Sabal die ausgeprägte Thermophilie der wichtigste Faktor, der eine Freilandkultur limitiert. Wie bei S. minor stellt sich daher die Frage, ob S. etonia überhaupt nördlich der Alpen erfolgversprechend ist, denn es ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie nur sehr langsam wächst und bei geringer Jahreswärmesumme sogar an Masse abnehmen kann. Winterschäden könnten daher letal sein, wenn der Zuwachs in der Vegetationsphase diese nicht ausgleicht. Genau diese Erfahrungen sind mit S. minor in Mitteleuropa gemacht worden, deren Frosthärte zwar für unsere durchschnittlichen Winter reicht, allerdings ist die Regeneration aufgrund des langsamen Wachstums zu gering für eine dauerhafte Freilandkultur. Sollte die Frosttoleranz ähnlich wie bei S. minor sein, müsste überlegt werden, ob nicht eine künstliche Wärmequelle im Boden ein ausreichendes Wachstum im "kühlen" Mitteleuropa gewährleistet und die Chancen einer maximalen Akklimatisierung ermöglicht.

Die Ansprüche von Sabal etonia an den Boden sind gering. Da die zumeist sandigen Böden am Naturstandort nährstoffarm sind, kommt sie problemlos mit kargen Standorten zurecht. Beim Pflanzen sollte der Standort gut bedacht sein, je wärmer und sonniger, umso besser. Ein späteres Verpflanzen ist kaum möglich, da S. etonia nach Transplantation zumeist abstirbt. Es gibt keine Berichte über ein erfolgreiches Versetzen adulter Pflanzen. Nichtsdestotrotz sollte S. etonia vermehrt in Mitteleuropa ausgepflanzt werden, um weitere Erfahrungen mit dieser ornamentalen Palme zu sammeln.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jones, D. L. 1994: Palmen. – Könemann Verlag, Köln, 409 S.
Small, J. K. 1933: Manual of the Southeastern Flora. – The University of North Carolina Press, Chapel Hill, 1554 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Sabal etonia. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/sabal-etonia.html am Tg.Mo.Jahr.

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