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Sabal miamiensis Zona
Miami Palmetto, Arecaceae, Palmen
Frühling-Sommerblüher, IV–VIII, bis 150 cm hoch, immergrün, mehrjährig.

Sabal miamiensis ist endemisch in Florida und stammt aus dem Südosten Floridas, Dade County. In der freien Natur sind die Bestände wahrscheinlich erloschen, da die Standorte durch die Stadt Miami urbanisiert wurden. Die Pflanzen haben einen unterirdischen Stamm, 3–6 gelb-grüne Blätter, deutlich costapalmat, mit zahlreichen Fäden und einer schmalen, länglichen dreieckigen Hastula (Fortsatz am Grunde der Blattspreite). Der Blütenstand ist rispig, steht innnerhalb der Blattkrone (intrafoliar), ist horizontal bogig wachsend und bis dritter Ordnung verzweigt. Die Blüten sind weiß, bis 5,5 mm groß. Die Früchte sind schwarz, kugelig, bis 19 mm im Durchmesser mit rundlichen, braunen Samen, 10–11 mm groß.

Sabal miamiensis ist ähnlich zu S. etonia Swingle ex Nash. und wird von manchen Autoren als diese gesehen. Sabal miamiensis hat eine längere Hastula und etwas größere Samen (6–11 mm versus 10–11 mm) als S. etonia. Im Unterschied zu S. etonia befanden sich die ehemaligen Standorte von S. miamiensis nicht im Unterwuchs von Pinus clausa (Chapm. ex Engelm.) Sarg., sondern P. elliottii Engelm. Zudem macht es die Variabilität von S. etonia sehr schwierig, S. miamiensis von jener zu unterscheiden. Am augenfälligsten ist die deutlich ausgeprägtere costopalmate Lamina bei S. miamiensis, die dazu führt, dass sich beide Lamina-"Hälften" mit der Oberseite auf großer Fläche berühren und sogenannte "Praying Hands" bilden, ein Merkmal, welches so bei S. etonia nur selten zu beobachten ist.

Hinzu kommt der Umstand, dass es zwergig wachsende Exemplare von Sabal palmetto (Walter) Lodd. ex Schult. & Schult. f. in Miami Dade gibt, die in kleinen Erdtaschen zwischen Felsen wachsen. Diese Exemplare blühen und fruchten im Gegensatz zur Art ohne Ausbildung eines Stammes. Da die Lamina von S. palmetto und S. etonia deutlich costapalmat ist, sind die beiden Arten dann nur mit Blüten- respektive Fruchtstand unterscheidbar. Selbiges gibt für S. miamiensis, die ebenfalls ohne Stamm blüht und fruchtet.

Obwohl es von Sabal miamiensis keine bekannten natürlichen Standorte mehr gibt, existieren noch mehrere Pflanzen in Kultur, von denen zum Beispiel eines im Harry P. Leu Garden in Orlando öffentlich zugänglich ist. Ansonsten finden sich noch Exemplare in Privatgärten. Weitere Sabal-Arten.


Abb. 1 Sabal miamiensis in einem Privatgarten in Englewood, Florida, 31.01.2009 Abb. 2 Hastula der Sabal miamiensis, Botanischer Garten Harry P. Leu, Orlando, Florida, 01.02.2009

Abb. 3 Lamina der Sabal miamiensis in einem Privatgarten in Englewood, Florida, 31.01.2009 Abb. 4 "Stamm" einer Sabal miamiensis in einem Privatgarten in Englewood, Florida, 31.01.2009

Abb. 5 Lamina der Sabal miamiensis, Botanischer Garten Harry P. Leu, Orlando, Florida, 01.02.2009 Abb. 6 "Stamm" der Sabal miamiensis, Botanischer Garten Harry P. Leu, Orlando, Florida, 01.02.2009

Abb. 7 Exemplar der Sabal miamiensis, Botanischer Garten Harry P. Leu, Orlando, Florida, 01.02.2009 Abb. 8 Fortgesetzter Blattstiel auf der Unterseite des Blattes einer Sabal miamiensis, Botanischer Garten Harry P. Leu, Orlando, Florida, 01.02.2009



Der Gattungsname Sabal Adans. ist etymologisch ungeklärt, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach einer karibischen Sprache entlehnt sein. Das Art-Epitheton miamiensis verweist auf den Fundort in Miami.

Berichte über die Frosttoleranz von Sabal miamiensis gibt es so gut wie keine, insbesondere für das mitteleuropäische Klima nicht. Dies liegt an der geringen Verbreitung der Art in Kultur und den wenigen noch existierenden Pflanzen. Von daher sind nur Vermutungen über die Winterhärte möglich. Für eine Freilandkultur in Mitteleuropa ist daher ähnlich anderer Arten des Genus Sabal wahrscheinlich die ausgeprägte Thermophilie der wichtigste Faktor, der einen Anbau limitiert; die Art dürfte daher wie S. etonia einzuschätzen sein. Hier bietet sich also noch ein weites Versuchsfeld - sofern überhaupt Pflanzen verfügbar sein sollten.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Lorek, M. 2009: Sabal etonia Swingle ex Nash. – Hortus Exot., 10, 33–41.
Small, J. K. 1933: Manual of the Southeastern Flora. – The University of North Carolina Press, Chapel Hill, 1554 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Sabal miamiensis. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/sabal-miamiensis.html am Tg.Mo.Jahr.

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