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Syagrus romanzoffiana (Cham.) Glassman
Königinpalme, Romanzoffianische Kokospalme, Arecaceae - Palmen
Frühsommerblüher, IV–VIII, bis 10–15 m hoch, immergrün, mehrjährig

Die Königinpalme stammt aus den südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Bolivien und Paraguay, wo die Pflanzen bevorzugt in (sub-)tropischen Wäldern und Savannen wachsen. Die Planzen sind einstämmig mit einer Krone aus eleganten, bogig herabhängenden, dunkel- bis gelbgrünen Fiederblättern, deren Fiedern typischerweise in mehreren Ebenen stehen und im letzten 1/3 abknicken. Charakteristisch ist das "plauschige oder flaumige" Aussehen der Blätterkrone. Der Blütenstand kann bis 180 cm Länge erreichen, steht intra- bis infrafoliar und trägt eingeschlechtliche Blüten beider Geschlechter. Die Früchte sind orangefarben, kugelig bis eiförmig, bis 2–2,5 cm lang. Die var. australe (Mart.) Becc. hat relativ schlanke Früchte, die bis 3 cm lang sind.

Seit ihrer Etablierung hat die Königinpalme so etwas wie eine Identitätskrise durchgemacht. Ursprünglich wurde sie als Cocos romanzoffiana Charm. etabliert, später zu Arecastrum romanzoffianum (Cham.) Becc. gestellt. Lange Jahre fimierte sie zudem als Cocos plumosa Lodd. ex Hook. oder auch Calappa romanzoffiana (Cham.) Kuntze. Manche dieser Namen finden sich noch heute in den Verkaufsangeboten von Gärtnereien. Zudem existieren eine ganze Reihe von Unterarten, die letzthin alle zur Syagrus romanzoffiana gehören.

Ursache dieses nomenklatorischen Potpourris ist einerseits das weite Verbreitungsgebiet und andererseits die Tatsache, dass die Art vielerorts in warmen Ländern kultiviert wird, mithin also einzelne Ökotypen an verschiedenen Orten in Kultur dominieren. Beispielsweise werden in vielen von gelegentlichen Frösten heimgesuchten Gebieten Floridas Ökotypen mit dichterem Blattschopf und dunkelgrüneren Blätter kultiviert, da diese etwas frosttoleranter sind. Da die Pflanzen salzige Winde und Luftverschmutzung vertragen, wird die Art oft in küstennahen Gebieten und in Innenstädten angebaut. Zudem sind auch ältere Exemplare relativ problemlos verpflanzbar. Nachteilig ist lediglich, dass die Pflanzen sich nur zögerlich selbst "reinigen", also altes Laubwerk lange behalten, und große Mengen an Früchten produzieren, was beides zu Problemen mit Schädlingen führen kann. Die Königinpalme ist in manchen Regionen wie den südlichen USA eingebürgert, in anderen Regionen wird sie als problematischer Neophyt betrachtet, da sie in Naturräume vordringt.

Syagrus romanzoffiana hybridisiert leicht mit anderen Arten der Gattung und mit Vertretern der Subtribus Butiinae wie Jubaea chilensis (Molina) Baill. und Butia capitata (Mart.) Becc., siehe auch B. capitata × J. chilensis.



Abb. 1 Typische Palme einer Syagrus romanzoffiana als Straßenbaum in Cagliari, Sardinien, 21.10.2016 Abb. 2 Exemplar einer [Jubaea × Butia] × Syagrus in einem Privatgarten in Englewood, Florida, 31.01.2009

Abb. 3 Pflanze einer Zweifach-Hybride Butia × Syagrus in einem Privatgarten in Gainesville, Florida, 30.01.2009 Abb. 4 Stammpartie mit Blattscheiden und Faserung der Zweifach-Hybride Butia × Syagrus in einem Privatgarten in Gainesville, Florida, 30.01.2009

Abb. 5 Stamm einer Dreifach-Hybride [Jubaea × Butia] × Syagrus in einem Privatgarten in Englewood, Florida, 31.01.2009 Abb. 6 Großes Exemplar einer Dreifach-Hybride Jubaea × Butia × Syagrus in einem Privatgarten in Gainesville, Florida, 30.01.2009

Der Gattungsname Syagrus Mart. stammt von gr. "syagros" (= Wildschwein). Benennungsmotiv? Das Art-Epitheton romanzoffiana wurde zu Ehren des ehemaligen russischen Außenministers Nikolai Petrovich Rumyantsev (1754–1826) etabliert, der Förderer von Forschungsexpeditionen war.

Die Frosttoleranz von Syagrus romanzoffiana reicht nicht aus, um sie als winterhart zu bezeichnen. In sehr milden Gebieten kann man sie bei gut geschützter Lage und mit regelmäßig beheiztem Winterschutz auspflanzen, allerdings ist dies schon sehr aufwänidg. Besser ist, die Palme im Topf zu kultivieren, zumal die ersten Frostschäden am Laubblatt schon bei –4°C entstehen. Letzthin dürften die Palmen kaum tiefere Temperaturen als –8 °C überleben. Amerikanische Gärtner ordnen die Winterhärte der Art bis Z 9 ein.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jones, D. L. 1994: Palmen. – Könemann Verlag, Köln, 409 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Syagrus romanzoffiana. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/syagrus-romanzoffiana.html am Tg.Mo.Jahr.

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