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Viola arvensis Murray
Gewöhnliches Acker-Stiefmütterchen, Violaceae - Veilchengewächse
Erstfrühlingblüher, III–IX, 5–40 cm hoch, (immergrün), ein- bis zweijährig

Das Gewöhnliche Acker-Stiefmütterchen ist in Mitteleuropa mäßig häufig und besiedelt gerne Acker-Beikrautfluren und ist dort Kenn-Art der pflanzensoziologischen Klasse der Violenea arvensis. Auch an den Rändern unbefestigter Wege oder auf Brand- und Schuttflächen ist es anzutreffen. Als Archäophyt (eingewandert vor der Entdeckung Amerikas) wurde Viola arvensis wohl schon im Mittelalter mit der Ausbreitung der Landwirtschaft eingeschleppt, da es nährstoffreiche Böden bevorzugt, wie es sie an Ackerrändern oft gibt. Die ein-, gelegentlich zweijährigen Pflanzen sind recht unscheinbar, da die Blüten nur 8–15 mm groß werden und weiß bis hellgelb sind - damit kaum auffallen. Großblütige Sippen werden als V. arvensis ssp. megalantha Nauenb. bezeichnet und können Blüten bs 2,6 cm haben. Wie für die Gattung Viola L. typisch, besitzt V. arvensis 5 Kronblätter (5-zählig), ein oberes Paar, ein mittleres Paar und das untere (oft mit Sporn) Kronblatt. Das obere Paar ist weiß, seltener bläulich, die mittleren und das untere Kronblatt meist hellgelb. Viola arvensis bildet keine Ausläufer.

Abb. 1 Großblütige, wahrscheinliche Viola arvensis × tricolor mit dreifarbiger Krone, Wahner Heide, 20.06.2013, 89 m, 50° 52' 14 N, 07° 09' 40 O Abb. 2 Blüte der Viola arvensis oberhalb vom Düsseltal bei Gruiten, 145 m, 51° 13' 37 N, 06° 59' 40 O

Abb. 3 Blüten und Laubblätter der Viola arvensis am Wegesrand, Haaren, Emsland, 9 m, 52° 47' 50 N, 07° 12' 33 O Abb. 4 Morphotyp der Viola arvensis mit violetten Stängeln, Kelchblättern und typischer, dreifarbiger Krone wie bei einer V. tricolor in einem Sandrasen, Lippedorf bei Wesel, 30.04.2016, 25 m, 51° 38' 19 N, 06° 38' 15 O

Abb. 5 Laubblätter der Viola arvensis mit den typischen, beidseits meist 5-kerbigen Rändern der größten Blätter, Sandrasen, Lippedorf bei Wesel, 30.04.2016, 25 m, 51° 38' 19 N, 06° 38' 15 O Abb. 6 Pflanzen der Viola arvensis mit violetten Stängeln, Sandrasen, Lippedorf bei Wesel, 30.04.2016, 25 m, 51° 38' 19 N, 06° 38' 15 O

Abb. 7 Aufrecht wachsende, mehrblütige Pflanze von Viola arvensis in einer Wiese an der Rheinbrohler Ley, 12.04.2017, 203 m, 50° 29' 03 N, 07° 20' 33 O Abb. 8 Noch unreife, "aufgeblasene" Fruchtkapsel der Viola arvensis, Trockenstandort am Damm des Dortmund-Ems-Kanals in der Ickerschen Heide, 15.06.2017, 71 m, 51° 36' 49 N, 07° 21' 23 O

Abb. 9 Wegen Trockenheit eingerollte Blüten der Viola arvensis, Trockenstandort am Damm des Dortmund-Ems-Kanals in der Ickerschen Heide, 15.06.2017, 71 m, 51° 36' 49 N, 07° 21' 23 O Abb. 10 Reife, aufgesprungene Fruchtkapsel der Viola arvensis mit den hellbraunen Samen. Trockenstandort am Damm des Dortmund-Ems-Kanals in der Ickerschen Heide, 15.06.2017, 71 m, 51° 36' 49 N, 07° 21' 23 O

Abb. 11 Blütenknospe von Viola arvensis am Rand einer Weide auf Langeoog, 1 m, 53° 45' 14 N, 07° 32' 47 O, 29.07.2017 Abb. 12 Pflanze der Viola arvensis am Rand einer Weide auf Langeoog, 1 m, 53° 45' 14 N, 07° 32' 47 O, 29.07.2017



Die Abgrenzung der Viola arvensis von den anderen drei Arten der Gattung ist recht einfach, da sie mit die kleinsten und unauffälligsten Blüten hat. Lediglich das Kleine Stiefmütterchen, V. kitaibeliana Schult., hat mit 4–8 mm langen Blüten noch kleinere, ist aber gut unterscheidbar, da sie sehr niedrig wächst, kaum über 10 cm Höhe erreicht und die unteren Blätter dicht rauh behaart sind, während V. arvensis keine oder nur eine leichte Flaumbehaarung auf Blättern und Stielen besitzt. Großblütige Formen der V. arvensis ssp. megalantha, dem Großblütigen Acker-Stiefmütterchen, sind manchmal sehr schwierig vom Gewöhnlichen Wilden Stiefmütterchen, V. tricolor L., zu differenzieren. Es gibt zudem die Theorie, dass das Kleine Stiefmütterchen als Kulturfolger eine Anpassung an die besonderen Bedingungen der landwirtschaftlichen Standorte darstellt und dieses sich aus dem Gewöhnlichen Wilden Stiefmütterchen entwickelt hat.

Der Gattungsname Viola ist von Linné aus dem Lateinischen übernommen worden und bedeutete schon im Altertum Veilchen. Das Epitheton arvensis stammt von lat. "arva" (= Ackerland).

Für die Gartenkultur hat Viola arvensis nur wenig dekorative Aspekte. Im naturnahen Garten wäre ein Anbau reizvoll. Alternativ bieten sich die zahlreichen Kulturhybriden mit großen und farbenfrohen Blüten an.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Viola arvensis. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/viola-arvensis.html am Tg.Mo.Jahr.

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