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Washingtonia filifera (Linden ex André) H. Wendl. ex de Bary
Fädentragende Washingtonie, Arecaceae - Palmen
Frühsommerblüher, IV–VIII, bis 16 m hoch, immergrün, mehrjährig

Die Fädentragende Washingtonie stammt aus dem Südwesten der USA (Arizona, Kalifornien, Nevada) und der Baja Californica. Bevorzugt siedelt sie in trockenen Flussbetten, an Quellen oder Tümpeln wo sich ein bodennaher Grundwasserspiegel befindet. Dort tritt sie meist in Kolonien auf und kann bis ins Gebirge auf 1.000 m über NN aufsteigen. Von Washingtonia robusta H. Wendl. unterscheidet sie sich durch den wesentlich massigeren Stamm. Die Blattkrone ist meist größer und wegen der längeren Blattstiele "offener" als jene der W. robusta. An den Rändern der Blätter finden sich bei Jungpflanzen als auch älteren Exemplarn deutliche Fäden. Die Blattstiele sind vollständig grün, auch im Bereich der Blattscheide. An den Rändern der Blattstiele finden sich unregelmäßige Zähne, allerdings deutlich weniger als bei W. robusta, was insbesondere für Blätter bei juvenilen Pflanzen gilt.

Abgestorbene Blätter verbleiben in der Regel bei Washingtonia filifera sehr lange am Stamm, sofern sie nicht durch Pflegemaßnahmen entfernt werden und bilden dann einen dichten "Mantel". Am Naturstandort sind so eindrucksvolle Exemplare, beziehungsweise Kolonien entstanden. Es gibt allerdings auch Sippen der W. filifera, die kaum einen "Mantel" bilden. Ebenso können durch klimatische Eigenschaften, Kulturbedingungen oder womöglich auch Bodenfaktoren die alten Blättern frühzeitig abfallen, so dass sich kein "Mantel" bildet.

Alleine aus dem Grund, dass Washingtonia filifera gerne einen Mantel bildet, bietet es sich nicht an, just W. robusta im Deutschen als "Petticoat-Palme" zu bezeichnen, da es eher W. filifera ist, die natürlicherweise einen eindrucksvollen "Mantel" trägt.

Washingtonia filifera

Abb. 1 Washingtonia filifera in der Wüste von Süd-Nevada am Hwy 95, 08.02.2008 Abb. 2 Fäden am Blatt von Washingtonia filifera, 07.02.2008, Privatgarten, Kingman, Arizona

Abb. 3 Fäden am Blatt von Washingtonia filifera, 07.02.2008, Privatgarten, Kingman, Arizona Abb. 4 Fäden am Blatt von Washingtonia filifera, 07.02.2008, Privatgarten, Kingman, Arizona

Abb. 5 Eine Washingtonia filifera mit Mantel, Mallorca, Spanien, 23.09.2007 Abb. 6 Noch unreifer Fruchtstand von Washingtonia filifera, Isla Canela, Spanien, 02.11.2013

Abb. 7 Noch unreifer Fruchtstand von Washingtonia filifera, Isla Canela, Spanien, 02.11.2013 Abb. 8 Washingtoniae filiferae mit eindrucksvollem "Mantel" im Jardim do Ultramar, Lissabon, 20.10.2009

Abb. 9 Mehrere Exemplare der Washingtonia filifera mit Mantel in Nerja, Spanien, 06.10.2008 Abb. 10 Blütenstand von Washingtonia filifera, Isla Canela,Spanien, 02.11.2013

Abb. 11 Beim "Ausputzen" der Washingtonia filifera im Botanischen Garten Florenz, Italien, 19.10.2012 Abb. 12 Washingtoniae filiferae in Almunecar, Spanien, 02.10.2008

Abb. 13 Typische Washingtonia filifera im Innenhof des ehemaligen Benediktinerklosters auf der Insel Lokrum, Dubrovnik, Kroatien, 13.10.2015 Abb. 14 Typische Washingtoniae filiferae in der Innenstadt von Cagliari, Sardinien, 21.10.2016

Abb. 15 Washingtonia filifera mit prächtigem Mantel aus alten Blättern, in einem Privatgarten bei Olia Speciosa, Sardinien, 20.10.2016


Zur Unterscheidung gegenüber Washingtonia robusta dient am besten der Stammdurchmesser oberhalb des Stammfußes. Bei W. robusta beträgt dieser weniger als 80 cm, bei W. filifera mehr als 100 cm. Da sowohl auf dem nordamerikanischen Kontinent als auch in Europa und anderen Ländern beide Arten seit mehr als hundert Jahren parallel kultiviert werden, treten Kreuzungen beider Arten in Gärten und Parks nicht selten auf. Diese werden W. ×filibusta Hort. genannt und weisen Merkmale beider Elternteile auf, beziehungsweise sind oft nicht eindeutig einer Art zuzuordnen. Bei Jungpflanzen sind Merkmale der Blattstiele, deren Zähne und die Ansätze der Blattstiele am Übergang zur Blattscheide hilfreiche Unterscheidungsmerkmale.

Washingtonia filifera  Washingtonia robusta
Stammdurchmesser > 100 cm
"offener" Blattschopf
tendentiell eher "Mantel"-Bildung
eher graugrüne Blätter
wenig starke Bewehrung der Blattstiele
Zähne der Blattstiele ohne oder kaum mit braunem Rand
Blattstielansatz vollständig grün
Stammdurchmesser < 80 cm
"kompakter" Blattschopf
tendentiell weniger "Mantel"-Bildung
hell-, bis grasgrüne Blätter
sehr starke Bewehrung der Blattstiele
Zähne der Blattstiele mit orange-, braunfarbigem Rand
dunkelroter bis brauner Fleck am Blattstielansatz

Tab. 1 Unterscheidungsmerkmale von Washingtonia filifera und W. robusta


Der Gattungsname Washingtonia H. Wendl. wurde zu Ehren des ersten amerikanischen Präsidenten George Washington (1732–1799) etabliert. Das Epitheton filifera stammt von lat. "filum" (= Faden) und lat. "-fer" (= tragend), bezieht sich demnach auf die fädentragenden Blätter, die ein deutliches Merkmal dieser Art sind.

Washingtonia robusta im Vergleich mit W. filifera

Abb. 16 Vergleich junger Washingtonia filifera (re.) mit junger W. robusta (li.), Privatgarten, Italien, 07.07.2003 Abb. 17 Mehrere Washingtoniae filiferae mit einer (größeren) W. robusta, Isla Canela, Spanien, 20.10.2010

Abb. 18 Allee aus Washingtoniae filiferae, W. ×filibustae und W. robustae im Jardim do Ultramar, Lissabon, 20.10.2009 Abb. 19 Mittig eine Washingtonia filifera mit vier W. robustae im Jardim do Ultramar, Lissabon, 20.10.2009


Washingtoniae filiferae sind dekorative Palmen, allerdings keinesfalls winterhart in Mitteleuropa. Mit aufwändigen Winterschutzbauten lassen sich die Pflanzen hier im Freiland kultivieren und tolerieren gut scharfen Rückschnitt der Krone oder fast kompetten Verlust der Blätter. Washingtonia robusta ist etwas emfindlicher als W. filifera im Sinne der Frosttoleranz. Dies erklärt sich auch aus den natürlichen Standorten, wo W. robusta wesentlich weiter südlich wächst in überwiegend klimatisch ausgeglichener Meeresnähe, während W. filifera etwas nördlicher vorkommt, an deutlich kontinentaleren Standorten mit zwar heißeren Sommer-, aber auch tieferen Nachttemperaturen und gelegentlichen Schneefällen mit Frostperioden.

In Südeuropa und anderen Kultur-Standorten wo der Palmenrüssler, Rhynchophorus ferrugineus Oliv., verbreitet ist und teilweise erhebliche Schäden an Palmenkulturen anrichtet, ist zu beobachten, dass beide Washingtonia-Arten deutlich seltener als beispielsweise Phoenices L. befallen werden.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jones, D. L. 1994: Palmen. – Könemann Verlag, Köln, 409 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2016: Washingtonia filifera. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/washingtonia-filifera.html am Tg.Mo.Jahr.

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